notifications
Engelberg

Sensationsfund auf der Fürenalp: Das sind die ältesten Bärenknochen in der Zentralschweiz

Vor zwei Jahren stiess Karst- und Höhlenforscher Martin Trüssel beim Grotzliweg auf einzigartige Funde. Diese werden seit Samstag in einer Dauerausstellung gezeigt.

Der Grotzliweg auf der Fürenalp ist an sich ein Erlebnis. Nach dem Regen präsentieren sich der grosse und der kleine Spannort wie frisch gewaschen. «Wir befinden uns hier in Bärenland», erzählt Karst- und Höhlenforscher Martin Trüssel. «Wenn ich ein Bär wäre, wäre ich hier. Hier an der Waldgrenze gibt es Schutz und Nahrung.» Es würde niemanden wundern, wenn hinter dem nächsten Busch Meister Petz hervorkäme. Das war auch schon vor Abertausenden von Jahren so.

Spektakulärer Fund auf den ersten Metern

Eigentlich hielt Toni Matter, Mitbesitzer der Fürenalp, den Schlitz im Boden beim Grotzliweg für nicht besonders bedeutsam. Trotzdem zeigte er ihn Martin Trüssel. Mit einer Forscherkollegin schaute der sich das vermeintliche Loch im Boden genauer an. Beide räumten etliches Geröll beiseite, um auf einen vier Meter langen Raum zu stossen, insgesamt ist die Höhle sogar 20 Meter lang. «Du, was ist das?», fragte ihn die junge Kollegin bei der ersten Begehung und hielt ihm einen Knochen entgegen.

Wie sich herausstellen sollte, waren beide auf einen einzigartigen Fund gestossen. Der Knochen stammte von einem Braunbären. Die Höhle entpuppte sich als Wurfhöhle der Bären. Insgesamt konnte der Leiter der Stiftung Neko (Naturerbe Karst und Höhlen Obwalden) und sein Team die Fragmente von zwei Bärenskeletten bergen. Wie später radiometrische Altersdatierungen der ETH Zürich ergaben, handelte es sich sogar um die ältesten Bärenknochen in der Zentralschweiz nach dem Rückzug der Eiszeitgletscher. Martin Trüssel sagt dazu:

«Der so gut erhaltene Bärenknochenfund ist ein Highlight in der Karst- und Höhlenforschung.»

Genauer gesagt handelt es sich um eine 20- bis 25-jährige Bärin, die vor 9500 Jahren gestorben sein muss, und einen jungen männlichen Bären von vor 12'400 Jahren.

Die Höhle als geologische Schatztruhe

Die Freude bei den Forschern war also gross. Die Miteigentümer mussten die sensationelle Nachricht wohl erst einmal «verdauen». Brigitte Stalder-Matter, die Geschäftsleiterin und Tochter von Toni Matter erzählt, wie Martin Trüssel sie für die Höhle begeisterte. Fasziniert zeigt sie sich von den immer noch aktiven Stalaktiten, den Leuchtalgen und dem Nachweis einer neuen Tierart, dem «Pseudo-Skorpion». Gleichzeitig wurde ihr die Verantwortung gegenüber dieser unberührten Welt unter der Erde bewusst. Brigitte Stalder nennt die Höhle ein «Naturarchiv».

Rekordsommer seit Beginn für die Fürenalp-Bahn

Natürlich freut auch sie sich über gute Besucherzahlen. Seit dem Bau der Bahn 1979 gab es in diesem Jahr einen Rekord zu verzeichnen mit fast 9800 Fahrten im Juli und 9700 im August. Trotzdem gehe es den Inhabern darum, sorgsam mit der Natur umzugehen, sagt Stalder.

In Beratung von Martin Trüssel entschied man sich, die Höhle nicht zugänglich zu machen, dafür aber den Fund auszustellen. Im «Bärennest», dem Ausstellungsraum unterhalb der Bergstation, werden nun die Knochen in einer Glasvitrine präsentiert, und zwar so, wie sie aufgefunden worden waren: die älteren Knochen auf einem Kalksteinbett, die jüngeren darüber.

Gut erhalten sind verschiedene Skelettteile des Braunbären von vor 9500 Jahren. Infowände klären über die Geschichte des Fundes auf und vermitteln spannende Informationen über die Lebensweisen der Bären. Diese klären über die Begriffe Winterschlaf und Winterruhe auf, so Martin Trüssel. Er hat die Ausstellung mit den Höhlenforschern Armin Lauber, Franziska Spahr und mit Geschäftsleiterin Brigitte Stalder konzipiert. Wer weiss schon, dass sich die befruchtete Bäreneizelle erst nach fünf Monaten in der Gebärmutter einnistet? Mitten im Winter nach 65 Tagen Tragezeit findet der Wurf in der Bärenhöhle statt.

Die Ausstellung richtet sich gleichermassen an Erwachsene und Kinder. Die kleinen Besucher dürfen in eine mit Kissen ausgelegte Bärenhöhle krabbeln oder können sich die Geschichten von Winnie the Pooh, Balu oder Petzi erzählen lassen, die in grossformatigen Bilderbüchern aus Holz an der Wand hängen.

Ansprechende Bärenskulpturen des Aargauer Bildhauers Marcel Perret schmücken den Ausstellungsraum sowie eine Bank beim Eingang zum Grotzliweg, dem Naturlehrpfad der Fürenalp. Wer das «Bärennest» besichtigen möchte, kann entweder den eineinhalbstündigen Wanderweg damit verbinden oder einen viertelstündigen Rundweg. Zur Bedeutung für die Fürenalp sagt Brigitte Stalder: «Für uns ist das ‹Bärennest› eine sehr schöne Ergänzung zum Grotzliweg als Erlebnis für Familien und alle, die gut zu Fuss sind, vielleicht auch für Grosseltern mit Kindern.»

Hinweis: Die Ausstellung ist bis 1. November zu den Betriebszeiten der Fürenalp-Bahn geöffnet. Der Eintritt ins «Bärennest» kostet nichts zusätzlich.

Kommentare (0)