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Veranstaltungsreihe «Miär machid Platz»

Sarner Literaturschaffende erhält Carte blanche

Im Rahmen von «Miär machid Platz» entführte Elisabeth Zurgilgen ihre Zuhörerinnen und Zuhörer am Samstag in die Welt ihrer Geschichten und gleichzeitig auf eine Reise durch Sarnen.

Elisabeth Zurgilgen eröffnete am Samstagabend sozusagen die Schlusswoche von «Miär machid Platz». Seit fünf Wochen beleben unterschiedlichste Anlässe den Sarner Dorfplatz, und laden zum Zusammensein ein.

«Dorffä», wie Peter Küchler an der Eröffnungsfeier seinen Grossvater zitierte, dieses Dialektwort griff die Kennerin des Obwaldner Dialekts auch in ihrer Lesung auf und entführte die Zuhörerinnen und Zuhörer zu Geschichten rund ums Festen, Tanzen und Treffen der Liebsten. «Ich werde Ihnen heute Abend von allem etwas bieten», sagte sie zu den Anwesenden und schon fand man sich gedanklich auf einer Bank wieder, wo ein junger Mann sich die Zeit vertrieb. Bis er von einer älteren Dame angesprochen wurde, mit der Bitte, ihr Gesellschaft zu leisten. Der ansonsten eher wortkarge Junge gab auf die Fragen der älteren Frau hin so viel von sich preis, wie noch nie zuvor in seinem Leben. Er war danach völlig erschlagen - und überwältigt zugleich.

Für einen Abend lang Carte blanche: Die Gewinnerin des Obwaldner Kulturpreises 2022 erhielt am Samstag die Möglichkeit, Geschichten ganz nach ihrem Gusto vorzutragen. «Eine Lesung ist nie gleich», erklärte die erfahrene Geschichtenerzählerin jedoch die Herausforderung einer jeder Lesung. Wer hört zu, welche Interessen haben die Anwesenden, welche Geschichten gefallen? Deshalb war sie, wie sie zu Beginn er Lesung erklärte, nicht unglücklich, als Organisator Peter Küchler doch noch einen Rahmen für die Veranstaltung setzte: Die Geschichten sollten einen Bezug zum Sarner Dorfplatz haben. Während Elisabeth «Sabi» Zurgilgen zuerst meinte, keine Geschichten zu Sarnen zu haben, merkte sie, dass dem gar nicht so ist. Geboren und aufgewachsen in Sarnen hat die heute 67-Jährige ihre persönlichen Eindrücke und Erlebnisse stets irgendwie in ihre Geschichten einfliessen lassen. Etwa die Erinnerung an das Zuhause ihrer Familie im Unterdorf, das sie in die Geschichte rund um «Das fünfte Zimmer» einflocht.

Sarnen bietet viel Stoff für Geschichten

Ihre Geschichten zeigten: Alles kann zur Kulisse werden, auch der Landenberg, der möglicherweise einen oder mehrere geheime Gänge ins Dorf aufweist. Dabei ist nicht immer klar; ist die Geschichte bereits geschehen, passiert sie gerade oder wird sie noch passieren? So geschehen in der Geschichte rund um Mia, die durch ein prächtiges altes Kleid an eine Erzählung «ihres» Joe erinnert wird und sich plötzlich als Protagonistin wiederfindet. «Geschichten erzählen sich selber fertig. Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie eine Geschichte sein kann. Ich würde gerne Geschichten schreiben mit einem guten Ende. Doch die machen was sie wollen», gab die Sarner Literaturschaffende preis.

Als Geschichtenerzählerin wolle sie eine Brücke bauen, zwischen allen, die die Geschichte hören, und Welten zusammenzuführen. Meinungsverschiedenheiten und Ängste hätten die Gesellschaft in den vergangenen zwei Jahren geprägt. Einander versuchen zu verstehen und vor allem zu akzeptieren stand auch im Mittelpunkt jener Geschichte über zwei Nachbarinnen, die so ganz anders waren und sich gegenseitig immer mehr voneinander entfernten. Bis sich durch die Liebe zwischen ihren Kindern wieder eine Tür zueinander öffnete.

Eine Hommage an einheimisches Literaturschaffen, so lautete die Einladung zu diesem Abend mit Elisabeth Zurgilgen. Mit ihrer Immertags-Geschichte «Ein umwerfendes Buch» am Ende der Lesung huldigte Sabi Zurgilgen ihres Zeichens die Buchhandlung Dillier, die nicht nur ein Fundus an «umwerfenden Büchern» aufweist, sondern «uns Geschichtenerzählerinnen und -erzähler stets unterstützt». Das umwerfendste Buch, das das Leben verändern kann: Für jeden ist es ein anderes, wie auch jede kurze oder lange Geschichte auf unterschiedliche Geschmäcker trifft. Am Samstagabend haben die Geschichten der Sarner Literaturpreisträgerin ihr Hauptziel jedoch erreicht: Die Anwesenden einander näher gebracht und zum Austauschen angeregt, «dorffä» eben. So wie es die letzten fünf Wochen in Sarnen gang und gäbe war und die nächste Woche noch sein wird.

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