Vom Weinclub zum eigenen Produkt: Zwei Obwaldner Freunde stellen den ersten Gin in Unterwalden her

OBWALDEN ⋅ Seit vielen Jahren sind sie Freunde. Nun sind sie auch Geschäftspartner. Philipp Michel und Philipp Jöri haben den ersten Unterwaldner Gin hergestellt. Und das, obwohl sie zu Beginn kein Vorwissen hatten.

09. Juni 2020, 05:11

Florian Pfister

Seit Kindertagen sind sie Freunde. Sie haben zusammen geturnt, zusammen gewohnt und erlebten gemeinsam viele lange Nächte. Philipp Michel und Philipp Jöri sind beide in Sarnen aufgewachsen und teilen seit mehr als dreissig Jahren gemeinsame Interessen. Dazu gehört auch die Liebe zum Genuss, woraus der erste Unterwaldner Gin entstanden ist.

Alles begann mit ihrem Interesse am Wein. Vor zehn Jahren haben sie mit zwei weiteren Freunden einen Weinclub gegründet und diesen seither mit viel Passion und Liebe gepflegt. Damit wurde wohl der Grundstein für den Walden Gin gelegt. Ursprünglich Stand die Idee im Raum, einen eigenen Wein zu produzieren. «Wir sind super Freunde und Weinliebhaber und wir wollten ein eigenes Produkt herstellen», erklärt Philipp Michel. «Wir haben aber sehr schnell festgestellt, dass beim Wein die Ressourcen begrenzt sind, insbesondere wenn man keinen eigenen Rebberg besitzt.»

Die Produktion sollte in Unterwalden bleiben

Da die Freunde im Laufe der Jahre auch eine Liebe zu Gin entwickelt hatten, änderte sich das Wein-Vorhaben in ein Gin-Projekt. Bei der Alkoholherstellung fehlten den beiden die Vorkenntnisse. «Wir waren überhaupt nicht vom Fach», sagt Philipp Jöri, der in Luzern wohnt und als Unternehmensjurist tätig ist. «Wir haben unser Know-how von Null kontinuierlich aufgebaut und durch akribische Tests eine eigene Rezeptur entwickelt. Wir haben lange getüftelt», sagt der 40-Jährige. Philipp Michel arbeitet als kreativer Leiter in einer Designagentur. Er kennt sich mit dem Markenaufbau und dem Design aus. So teilen sich die Obwaldner auch die Rollen. Michel ist unter anderem für die Produktgestaltung, das Design und das Marketing zuständig. Jöri kümmert sich hauptsächlich um die qualitativen Aspekte, das heisst die Rezeptur und die Produktionsabläufe des Walden Gin.

Noch sind sie auf Fremdhilfe angewiesen. Gebrannt wird in einer Brennerei in Lungern. Für die Freunde war es wichtig, die Produktion in Unterwalden zu behalten. «Als regionales Produkt wollen wir einerseits dem Namen treu sein, andererseits wollen wir auch die Region unterstützen», sagt Philipp Michel. «Wichtig ist uns dabei auch der Nidwaldner Aspekt.» So wird auch ein Anteil der für den Geschmack des Gins sehr wichtigen Wacholderbeeren in Nidwalden gepflückt. Als geschichtlicher Hintergrund spielen die Freunde auf die ehemalige Rivalität zwischen Ob- und Nidwalden an, welche inzwischen einer vertrauten Verbundenheit und Freundschaft gewichen ist. «Wir wollen auf die Freundschaft trinken», sagt Philipp Michel. «Das Motto soll sich dabei aber nicht nur auf Unterwalden beziehen», ergänzt Philipp Jöri. «Der Gin soll ein Symbol der Freundschaften über alle Grenzen hinaus sein».

Zwei Jahre von der Idee bis zur ersten Flasche Gin

Von der Idee bis zur ersten Flasche dauerte es etwa zwei Jahre. Seit Oktober letzten Jahres ist das Produkt auf dem Markt und bereits in diversen Läden, Bars und Restaurants erhältlich. «Unser Mindestziel war es, eine eigene Flasche in der Hand halten zu können», erklärt Philipp Jöri. «Unsere anfänglichen Erwartungen waren eher bescheiden. Wir waren überzeugt vom Produkt und vom Auftritt, wussten aber nicht, wie der Gin im gesättigten Markt ankommen würde. Wir haben schnell sehr positive Resonanz erhalten.» Der Erfolg kam daher etwas unerwartet. «Das hat uns beflügelt. Nun schauen wir, wie es weitergeht», sagt Jöri weiter.

Für Michel gibt es mehrere Gründe, weshalb man den Walden Gin probieren soll. «Zum einen legen wir besonderen Wert auf die Aufmachung und das Design. Auch die Story dahinter spielt eine zentrale Rolle. Zum anderen liegt uns aber auch ein qualitativ hochwertiges Geschmackserlebnis, welches sich von anderen Gins unterscheiden lässt, sehr am Herzen. Wir legen beispielsweise zum Gin zusätzlich Hibiskusblüten in einem ‹Riissäckli› als Geschmacks-Empfehlung bei.

So ändert sich nicht nur der Geschmack des Gins, sondern er wird je länger auch je röter», sagt der 41-Jährige. Philipp Jöri ergänzt: «Zudem unterscheiden wir uns von den herkömmlichen Produkten dadurch, dass die Rezeptur und Produktionsabläufe des Gins nicht der gängigen Theorie entsprechen. Das Resultat ist dabei ein Gin ganz nach unserem Geschmacksempfinden. Und wenn das die Leute ebenso empfinden, freut es uns umso mehr.»


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