Mehr Littering wegen Corona? Gemeinden verzeichnen teils massive Vandalenakte

OBWALDEN ⋅ Mehr Abfall im öffentlichen Raum und Beschädigungen von Toiletten, Weglampen oder Parkuhren: In den Gemeinden muss öfter einmal aufgeräumt werden. Behörden führen das mitunter auch auf die Pandemie zurück.

17. April 2021, 16:19

Martin Uebelhart

 

Die Restaurants sind seit langem geschlossen, auch andere Treffpunkte sind wegen der Coronapandemie nicht mehr zugänglich. Verpflegen kann man sich fliegend bei Essenständen oder Restaurants. Spüren die Gemeinden, dass vermehrt im Freien auf öffentlichem Grund konsumiert wird? Wir hörten uns um.

Das Littering-Problem nehme man in Hergiswil nicht mehr als sonst wahr, sagt Gemeindepräsident Remo Zberg auf Anfrage. Auch Abfälle in den gemeindeeigenen Güselkübeln hätten nicht über Gebühr zugenommen. «Womit wir aber ein Problem haben, ist der Vandalismus», hält Zberg fest. Der neuste Fall ist am Dienstagmorgen von Mitarbeitern der Gemeinde entdeckt worden. «Im Parkhaus Grossmatt/Loppersaal wurde eine Parkuhr von der Wand gerissen und in den nahen Steinibach geworfen», berichtet der Gemeindepräsident.

Eine zweite Parkuhr wurde zwar nicht abgerissen, doch habe sie sich in «Schräglage» befunden.

Auf den Damen- und Herren-WCs seien Spülkästen und Halter für die WC-Rollen kaputtgemacht worden. Diese Schäden müssten nun repariert, die eine Parkuhr ersetzt werden. Auf 10'000 Franken schätzt die Gemeinde den entstandenen Sachschaden. Auch die Polizei sei vor Ort gewesen, habe die Beschädigungen aufgenommen und Spuren gesichert, sagt Zberg. Er spricht von fünf, sechs Vorfällen im Verlauf der vergangenen zwölf Monate. So seien etwa beim Schulhaus Grossmatt auch schon Parkbänke im Steinibach gelandet und beim Schulhaus Matt Ziegel zerstört worden.

«Offenbar treffen sich da Gruppen, die dann aus Übermut oder Langeweile öffentliche Einrichtungen beschädigen», sagt Remo Zberg. «Wir reichen jedes Mal Strafanzeige ein, lassen die Securitas vermehrt patrouillieren und bekräftigen die Jugendanimation, aktiv zu sein», hält er fest. Und einmal habe man auch eine Bande erwischt.

Belegen kann Zberg den direkten Zusammenhang zwischen der Coronapandemie und den Vandalenakten nicht. Doch er gibt zu bedenken, dass es aufgrund der Pandemie immer am einfachsten sei, etwas zu verbieten. «Dann muss man auch nichts machen.» Und das hätten sich leider auch viele Vereine zu Herzen genommen, bedauert Zberg. Es gebe keine Trainings oder Veranstaltungen.

«Der Gemeinderat hat die Dorfvereine dazu aufgefordert, wieder mehrmals wöchentlich Trainings anzubieten. Mit den entsprechenden Schutzmassnahmen», sagt Zberg. Zumal dies zunächst für die unter 16-Jährigen und später auch wieder für die unter 20-Jährigen erlaubt worden sei. «Wir wünschen uns, dass die Jugendlichen beschäftigt sind und nicht irgendwo herumhängen», begründet der Gemeindepräsident den Aufruf an die Vereine.

Stans macht zusätzliche Reinigungstouren

Die Auswüchse von Vandalismus seien in ihrer Häufigkeit sehr unterschiedlich, sagt der Stanser Gemeindepräsident Lukas Arnold. «Gerade am vergangenen Wochenende hatten wir zum Beispiel einen ‹Saubannerzug›», erzählt er im Gespräch. So seien etwa ein Robydog-Behälter umgerissen und eine Lampe gekippt worden. Man gehe davon aus, dass das auf das Konto der gleichen Leute gehe. Die Pandemie ziehe sich nun schon ein Jahr hin, sagt Arnold. «Wir beobachten, dass sich gerade Jugendliche ihre Freiräume suchen.» Leider machten sie das teilweise auf unangenehme Art.

Dass sich die Menschen allgemein vermehrt draussen aufhielten, sei auch am Aufkommen des Abfalls spürbar. «Unser Werkdienst reagiert darauf mit einer zusätzlichen Reinigungstour zu den zwei pro Woche, die er ohnehin schon macht», erklärt Arnold. Vielfach wäre genügend Kapazität in den Abfallbehältern vorhanden, ist er überzeugt. Doch wenn jemand eine Pizzaschachtel bloss so halb in den Abfallhai stecke, vermittle das den Eindruck, er sei voll. «Dann legen andere Leute ihren Unrat darum herum ab.» Mit eigentlichem Littering habe Stans jedoch kein grosses Problem: «Ein Grossteil der Leute nimmt den Abfall wieder mit, wenn sie etwas Spielplätze besucht haben.»

Sachseln denkt über Kameras nach

Sachseln war in den vergangenen Monaten immer wieder von Sachbeschädigungen betroffen. «Getroffen hat es etwa öffentliche WC-Anlagen, Schulhausareal und Infrastrukturen am Seeweg», sagt Gemeindepräsident Peter Rohrer auf Anfrage. Auf dem Seeweg wurden rund ein Dutzend Wegleuchten beschädigt, indem die Beleuchtungskörper über dem Boden abgewürgt wurden. Die Gemeinde Sachseln habe sich extra für spezielle Lampen entschieden, die ästhetisch seien und das Ortsbild verschönern, hält der Gemeindepräsident fest. «Solche Beschädigungen sind natürlich ärgerlich und sie sind teilweise massiv», sagt Rohrer. Es gehe so weit, dass die Schüsseln von WCs oder Pissoirs kaputtgeschlagen würden. «Am Schluss trägt der Steuerzahler die Kosten», so Peter Rohrer. Einen Zusammenhang mit der Coronapandemie kann er nicht direkt ausmachen. «Es ist schwer zu sagen, ob das damit zusammenhängt. Sachbeschädigungen oder Vandalenakte gab es auch schon zuvor.» Die Gemeinde hat Strafanzeige gegen Unbekannte erstattet und will nun die Überwachung verstärken. Man habe auch die Bevölkerung gebeten, vermehrt aufmerksam zu sein und Vorkommnisse zu melden. «Wir klären ab, an neuralgischen Orten Überwachungskameras zu installieren», hält Rohrer fest. Laut einer Mitteilung der Kantonspolizei Obwalden vom Freitag wurden Sachbeschädigungen in Sachseln aufgeklärt. Dabei handle es sich um Jugendliche aus der Region. Dieselben mutmasslichen Täter sollen ebenfalls für Fahrzeugdiebstähle im Raum Giswil verantwortlich sein. Auf Antrag der Jugendanwaltschaft wird ein entsprechendes Verfahren durchgeführt.

Probleme gibt es in Sachseln mitunter auch mit den Abfällen im öffentlichen Raum. Die Gemeinde stelle der Bevölkerung wunderbare Seeplätze zur Verfügung. «Leider werden dann teilweise ganze Kehrichtsäcke mit Abfall stehen gelassen», bedauert Rohrer. «Da würden wir schon erwarten, dass die Leute solchen Müll mitnehmen und nicht den nachfolgenden Erholungssuchenden oder den Wildtieren überlassen.» Dass wegen der Coronapandemie mehr Abfälle in den kommunalen Güselkübeln landen würden, habe man nicht festgestellt. «Gleichwohl liegt auf dem Dorfplatz fast täglich Abfall herum», erzählt er. Zurückzuführen sei das auf Jugendliche, die dort zusammensässen, was der Gemeinderat begrüsse, und etwas konsumieren. «Dann bleibt der Abfall liegen, obschon es wenige Schritte entfernt Abfalleimer hat.» Er ortet in erster Linie Bequemlichkeit als Grund dafür. «Der Dorfplatz ist unser Aushängeschild und den möchten wir den Einheimischen und auswärtigen Gästen einladend präsentieren», so Rohrer.

Schäden auf dem Schulhausareal in Ennetbürgen

In Ennetbürgen habe man es im Verlauf der vergangenen zwölf Monate vermehrt mit Littering, Vandalismus und Ruhestörungen zu tun gehabt. «Die Leute waren auch wegen der Coronapandemie mehr unterwegs auf unseren Plätzen, vor allem auch am See», sagt Gemeindepräsident Viktor Eiholzer. Vor allem während der wärmeren Jahreszeit sei dies festzustellen gewesen. Auch in der Natur etwa am Bürgenstock oder im Naswald sei vermehrt Abfall liegen geblieben. Später habe sich das wieder etwas normalisiert. «Dieses Jahr steht die wärmere Zeit noch bevor», so Eiholzer.

Mit Vandalismus musste sich die Gemeinde laut dem Gemeindepräsidenten auch vermehrt auseinandersetzen. «Das gab es auch schon zuvor, doch mit der Pandemie hat es sich nochmals verschärft.» Nach dem ersten Lockdown sei das augenfällig geworden. Die Jugendlichen hätten kaum Möglichkeiten, sich zu betätigen. Jugendtreffs seien geschlossen, es gebe kaum Freizeitaktivitäten, die Restaurants seien noch zu. «Das kann bei Einzelnen ausarten.» In den letzten Wochen seien Schäden auf dem Schulareal angerichtet worden. «Zwei Tischgarnituren wurden umgeworfen. Dabei sind die Steinplatten zersplittert. Abfalleimer wurden aus ihren Halterungen gerissen. Ein angezündetes Plakat bei einem Schulgebäude konnte dank eines aufmerksamen Anwohners rechtzeitig gelöscht werden. Sachbeschädigungen werden konsequent angezeigt und mit der Polizei schaue man, welche Massnahmen man treffen könne. Und im vergangenen Jahr liess die Gemeinde im Frühling bis Herbst die Securitas patrouillieren.

Die Abfallkübel in Sarnen seien merklich voller, sagt Alois Kathriner vom Werkdienst der Gemeinde. «Es werden viele Essensverpackungen wie Pizzaschachteln und Ähnliches entsorgt.» Vor allem dem See entlang und beim schönen Wetter sei das zu spüren. So müssten die Gemeindearbeiter immer mal wieder zusätzliche Touren einlegen, um alles einzusammeln. Wenn die Kübel voll seien, türmte sich der Güsel halt daneben, sagt Kathriner. Littering sei dagegen weniger ein Problem, meint er. Vielleicht abgesehen von den Schutzmasken, die da und dort herumlägen.

In Sachen Vandalismus sei Sarnen bisher nicht so betroffen gewesen. Alois Kathriner weiss von einem jungen Baum, der am Osterwochenende umgerissen worden sei. «Sobald das Wetter wärmer wird, kann sich das aber auch schnell ändern», so Kathriner.

Es gibt immer schwarze Schafe

In Stansstad stelle man kaum mehr Abfall fest als sonst. «Wenn schönes Wetter herrscht, zieht es die Menschen naturgemäss ins Freie, gerne an den See», sagt Gemeindepräsident Beat Plüss. Dementsprechend werde auch draussen konsumiert: «Wir reinigen unsere Anlagen etwa beim General-Guisan-Quai oder bei der Schifflände jeden Morgen.» In Stansstad verfolge man die Strategie, an den oft frequentierten Orten mehr Abfallkübel aufzustellen. «Alle 50 Meter findet man einen», hält er fest. Denn zu weit wollten die Leute nicht laufen, um den Abfall zu entsorgen. «Und natürlich gibt es immer schwarze Schafe, die ihren Müll einfach liegen lassen», so Plüss. «Absolut kein Verständnis habe ich jedoch dafür, wenn Abfall in den See hinausgeworfen wird.» Glücklicherweise dürfe auch festgestellt werden, dass in der Gemeinde Stansstad zurzeit keine Probleme mit Vandalismus vorhanden sind.


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