Sportschule blickt auf ungewöhnliches Jahr zurück

ENGELBERG ⋅ Der Lockdown war ein harter Schlag für die Sportmittelschule Engelberg und deren Schülerinnen und Schüler. Inzwischen findet der Unterricht wieder so normal wie möglich statt.

08. März 2021, 16:24

Florian Pfister

Gerade noch Medaillen an internationalen Skirennen gewonnen, dann kommt der Anruf: Zurück in die Schweiz, zu Hause bleiben. Die Schule bleibt geschlossen, die Saison ist beendet. So erging es den Schülerinnen und Schülern der Sportmittelschule Engelberg im März 2020. «Eine spezielle Situation: Da ist man noch voll im Rennfieber, die nächsten Wochen sind schon geplant, und plötzlich wird alles abgesagt und niemand weiss genau, was in der nächsten Zeit auf einen zukommen wird», lässt sich Oliver Koch, Gesamtleitung Sport und Trainer Alpin im Jahresbericht des vergangenen Schuljahres zitieren.

Keine nationalen und internationalen Wettkämpfe mehr also. Dennoch musste das Training weitergehen und die Leistungskurve hochgehalten werden. Die Selbstdisziplin der Schüler war gefragt. Den Sportlern blieb lediglich, sich der Situation anzunehmen. «Wir sind uns gewohnt, kurzfristig zu planen. Doch die Situation forderte uns sehr heraus», sagt Eskil Läubli, Gesamtgeschäftsführer der Sportmittelschule Engelberg, auf Anfrage.

Trotzdem konnten die Engelberger Sportschüler vor dem Lockdown noch an einigen Wettbewerben teilnehmen, und dies teils mit grossem Erfolg. So konnten sie in der Saison 2019/2020 bei Schweizermeisterschaften elf Titel holen sowie vier Silber- und drei Bronzemedaillen, wie sich der Sportbilanz entnehmen lässt. In der Saison davor waren es 16 Titelgewinne, 17 Silber- und zwölf Bronzemedaillen.

An Junioren-Weltmeisterschaften konnte gar häufiger als im Vorjahr teilgenommen werden, nämlich insgesamt 31-mal (Vorjahr: 21-mal). Dabei resultierten ein Titelgewinn, zwei Bronzemedaillen und Dutzende Topklassierungen. Bei den «Youth Olympic Games» in Lausanne holten sich die Engelberger zweimal Gold und zweimal Bronze.

Zeit genutzt, um sich zu regenerieren

Die Lage brachte auch Vorteile mit sich: «Man konnte einmal aus dem hektischen Alltag entkommen», sagt Eskil Läubli. «Man hatte für einmal genügend Zeit, um sich zu regenerieren.» Erzwungenermassen nutzte die Schule die Umstände, um mehr schulischen Stoff zu vermitteln. Im laufenden Schuljahr kann die gewonnene Zeit vermehrt für den Sport eingesetzt werden.

Das Motto des vergangenen Schuljahres lautete «Neue Wege». Aufgrund der Coronakrise musste die Sportmittelschule nach diesen suchen. Die Umstellung hat aber auch dazu geführt, dass neue Wege innerhalb von wenigen Monaten statt einigen Jahren eingeschlagen und begangen wurden. Wie andere Schulen auch, rüstete sich die Sportmittelschule innert kürzester Zeit zusätzlich digital auf.

Jubiläum wird nicht nachgeholt

Die Sportmittelschule Engelberg verpasste durch die Coronakrise auch ihre Anlässe zum 25-Jahr-Jubiläum. «Es hat uns jedes Mal traurig gestimmt, wenn wir Anlass um Anlass ausfallen lassen und nun sogar das grosse Fest im Bellevue Engelberg absagen mussten», lässt sich Peter Urs Naef, Präsident des Stiftungsrats zitieren. Die Anlässe nachzuholen, sei laut Eskil Läubli aber nicht geplant. Auch jährlich stattfindende Events wie die Sportlerehrung konnten nicht wie geplant durchgeführt werden.

Seit dem vergangenen Juni dürfen die Schüler nun wieder zurück nach Engelberg in den Unterricht, unter Einhaltung von Schutzkonzepten. Seit Weihnachten führt die Sportmittelschule zudem Schnelltests durch. «Das gibt uns nebst den restlichen Massnahmen eine grosse Sicherheit», sagt Läubli. «Der Unterricht findet ansonsten normal statt. Die Schutzkonzepte funktionieren.»

Die Schüler der Sportmittelschule Engelberg haben den Vorteil, dass sie ihrer Leidenschaft draussen an der frischen Luft nachgehen können. Den Wintersportlern kam zugute, dass auch die Skigebiete offen bleiben konnten. Das schätzt Eskil Läubli:

«Wir sind unglaublich dankbar, dass wir in dieser Hinsicht in den vergangenen Monaten privilegiert waren und es immer noch sind.»


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