Diesem Original geht seit 24 Jahren die Arbeit nicht aus

STANS ⋅ Chrigel Loretan ist einer der wenigen Schuhmacher im Kanton Nidwalden: Wie seine Arbeit sich verändert hat und wieso seine Dienstleistungen gefragter sind denn je.

06. August 2022, 05:10

Sepp Odermatt

«I bi dr Chrigel», so stellt sich der gelernte Schuhmacher vor. Chrigel Loretan betreibt im Gewerbehaus an der Rotzlochstrasse in Stans seine eigene Schuhmacherei. Er ist wohl einer der wenigen, der im Kanton noch Schuhe, Rucksäcke, Taschen, Hundeleinen, Motorradkombis, Reissverschlüsse und ähnliche Gegenstände fachgerecht reparieren kann.

Oft seien es schwere Schuhe, die er für Förster, Jäger und Bergheuer in Stand stellen müsse. Aber auch Sportschuhe, Halbschuhe und Pumps würden geflickt, erzählt Loretan, der viele Einheimische und mehrere Kunden über die Kantonsgrenze hinaus bedient. Der gebürtige Walliser ergänzt mit einem Schmunzeln:

«Alles, was die Näherinnen nicht machen können, weil das Material zu dick ist, bringen die Leute zum Loretan.»

Kunden brauchen etwas Geduld

Der 50-Jährige stammt aus einer Bauernfamilie in Leukerbad. In jungen Jahren ist er in den Kanton Uri gezogen und hat hier das Schuhmacher-Handwerk gelernt. Heute würden nur noch ganz Wenige diesen ausgefallenen Beruf lernen. Die meisten liessen sich eher als Orthopädieschuhmacher ausbilden; das sei lukrativer, erklärt Loretan.

Vor 24 Jahren habe er bei Mephisto in Stans die Arbeit aufgenommen und dann im Jahr 2004 selber angefangen. In der Zwischenzeit ist der Reparaturservice für Schuh- und Lederwaren im Galgenried 6, vis-à-vis der ARA Rotzwinkel schon fast zum Geheimtipp geworden.

Über genügend Arbeit kann sich Chrigel Loretan nicht beklagen: «Die Kunden müssen schon etwa zwei Wochen Geduld haben, bis ihre Schuhe fertig sind. Immer mehr gibt es leider auch Verspätungen und Engpässe bei den Materiallieferungen. Zusätzlich bekomme ich oft auch Aufträge von Schuhgeschäften und anderen Firmen. Das braucht seine Zeit.»

Manchmal lohnt sich die Reparatur nicht

Wer das Geschäft betritt, findet den Meister oft versteckt zwischen einer Menge von Schuhen, Schachteln, Regalen, Maschinen und Werkzeugen. Das muss wohl so sein, denn «ohne ein bisschen Unordnung ist das Leben langweilig», heisst es bekanntlich im Sprichwort von John Kittel. Und Langeweile kennt Loretan kaum!

Mit seiner speziellen Nähmaschine kann der Maestro ringsherum arbeiten. Das ist bei der Reparatur von Schuhen nötig. Neben der grossen Schleifmaschine steht da noch eine Doppelmaschine im engen Raum. Diese sei früher für Bergschuhe oft zum Einsatz gekommen, wenn eine Doppelnaht gemacht werden musste. Heute brauche er sie etwa noch für Cowboystiefel, sagt der Fachmann, der auch Aufträge für die Kleinorthopädie (Einlagen etc.) entgegennimmt.

Leider muss Chrigel Loretan manchmal auch Kunden abweisen. Dann nämlich, wenn er ihnen erklären muss, dass es sich für diesen billigen Schuh nicht mehr lohnt, ihn zu reparieren. Leder ist rar geworden. Der Stanser berichtet in seinem schönen Walliser Dialekt:

«Das Material für die heutigen Schuhe hat sich extrem verändert. Früher arbeitete ich meistens mit normalem Gummi und mit Leder und heute muss ich mich vorwiegend mit synthetischem Material herumschlagen, was nicht immer einfach ist.»

Und weiter: «Wenn Schuhe mit solchem Material ein paar Jahre lang immer getragen werden, kann das gut gehen. Sobald man sie aber für einige Monate in der Schachtel versorgt, verändert sich der Kunstgummi und löst sich halbwegs auf. Zudem sind viele Schuhe heutzutage mit Kunststoff gegossen. In diesen Fällen ist eine Reparatur kaum mehr möglich.»

Er ist mit wenig zufrieden

Aber wie lässt es sich eigentlich leben von dieser Arbeit? – Das gehe schon, antwortet der bescheidene Schuhmacher, er müsse nur für sich selber sorgen und habe kein Auto und nur wenig Luxusgüter. Zudem brauche er nicht viel Geld zum Leben. Zusammen mit seiner Freundin könne vieles aufgeteilt werden, was von Vorteil sei.

Wenn Chrigel Loretan nicht an der Arbeit ist, geht er in seiner Freizeit gerne fischen, macht kleinere Wanderungen, begibt sich auf einen Klettersteig oder fährt Velo. Im Winter ist er hin und wieder auf den Ski anzutreffen.


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