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Kommentar «Chefsache»

Luzerner Verkehrspläne: Mehr Wünsche als Realitäten

30 Prozent sollte der ÖV-Anteil in der Agglomeration gemäss Zielsetzung des Kantons Luzern bis 2021 betragen, in Tat und Wahrheit war es halb so viel. Das zeigt: Verkehrspolitische Extremforderungen sind wenig hilfreich, wenn Verbesserungen erzielt werden sollen. Es braucht stattdessen intelligente und innovative Kompromisse.

Es stockt immer wieder in Stadt und Agglomeration Luzern, hier am Schweizerhofquai.
Bild: Bild Manuela Jans-Koch/Luzerner Zeitung (Luzern, 18. September 2020)

Verkehrspolitik aus einem Guss – das Ziel ist absolut richtig. Das am Mittwoch vorgestellte Projekt mit dem holprigen Kürzel «Zumolu» –für «Zukunft Mobilität im Kanton Luzern» – wirkt aber noch etwas abstrakt. Der ebenfalls neue Bericht über den öffentlichen Verkehr 2023 bis 2026 ist da handfester, faktischer. Denn er zeigt nicht nur vorausblickend die Ziele der ÖV-Politik auf, sondern spiegelt auch die bisherigen Zahlen dazu. Und hier zeigt sich wieder einmal eindrücklich, wie Wünsche und Realitäten auseinanderklaffen können in der Verkehrsplanung.

Den ÖV-Anteil in der Agglomeration Luzern massgeblich zu erhöhen, dieses Ziel wurde nämlich «wiederholt klar verfehlt». 30 Prozent hätten es bis 2021 sein sollen, effektiv waren es nur halb so viel. Die richtige Konsequenz: Die Zielsetzung wird korrigiert, bis 2026 sollen es noch 25 Prozent sein. Mittel- bis langfristig bleiben die 30 Prozent indes bestehen. Was sind die Gründe für das (zu) langsame ÖV-Wachstum? Der Kanton führt unter anderem die fehlende Busbevorzugung an, sowie die 2011 eröffneten Autobahnanschlüsse Rothenburg und Buchrain, welche die Attraktivität des Autos gesteigert hätten.

Wenn Busse gleich wie der motorisierte Individualverkehr zu Agglo-Stosszeiten im Stau stehen, ist die Wahl des Verkehrsmittels einerlei. Das Argument fehlende Busbevorzugung sticht also. Dass die Anschlüsse Buchrain und Rothenburg aber eine Attraktivitätssteigerung darstellen sollen, das ist kaum nachvollziehbar. Nicht umsonst muss Buchrain umgestaltet werden. Nicht umsonst brauchts als Ergänzung zu Rothenburg den seinerzeit geschlossenen Anschluss Emmen Nord nun doch wieder teilweise.

Die verkehrstechnischen Realitäten zeigen also, dass es ohne (Ziel-)Korrekturen und Investitionen – ja, auch im kruden, kapazitätsbasierten Strassenbau – nicht geht. Die notwendigen Klimaziele mit dem nicht minder wichtigem Gewerbe-/Wirtschaftsverkehr unter einen Hut zu packen, das ist wahrlich nicht einfach. Klar ist: Wenn es in der dicht besiedelten Agglo mit Verbesserungen schneller vorangehen soll, helfen weder Freie-Fahrt-Regime noch abgeschottete Zentren . Es braucht intelligente, innovative Mittelwege und nicht Extrempositionen.

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