Stand-up-Paddle-Yoga auf dem Vierwaldstättersee: Wir wagten den Selbstversuch

LUZERN ⋅ Beim Stand-up-Paddle-Yoga werden zwei Trendsportarten vereint. Dass es viel einfacher aussieht, als es tatsächlich ist, hat unsere Redaktorin am eigenen Leib erfahren. Ein Erfahrungsbericht.

24. Juli 2020, 11:59

Livia Fischer

Livia Fischer

Livia Fischer

Mit einem Kribbeln im Bauch steige ich in den Bus ein. Leichte Nervosität macht sich in mir breit. Vermutlich, weil ich in wenigen Minuten auf einem Stand-up-Paddle (kurz SUP) stehen – oder besser gesagt: darauf Yoga machen soll. Stand-up-Paddling habe ich einmal ausprobiert, das ist aber drei Jahre her. Yoga habe ich schon häufiger gemacht, allerdings immer nur phasenweise. Darum bin ich skeptisch, ob ich mich überhaupt auf dem Brett halten und gleichzeitig verrenken kann.

«Das wird schon gut gehen», sage ich mir. Doch die Aufregung bleibt. Die Vorstellung, während der Sportstunde noch fotografiert zu werden, trägt ihren Teil dazu bei. Und auch das Wetter bereitet mir ein bisschen Sorgen. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, Gewitterstimmung macht sich breit. Kaum bin ich aus dem Bus gestiegen, höre ich auch schon das erste Donnergrollen.

Starke Arme und wackelige Beine

Vor dem SUP-Verleih im Luzerner Strandbad Tribschen wartet Marianne Altgeld auf mich. Mari, so ihr Spitzname, ist Yogalehrerin im Studio Fayo in Luzern und leitet die heutige Stunde. Nach und nach kommen die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu – insgesamt sind wir sechs Frauen und ein Mann. «Ich glaube, das Wetter hält. Wer sich aber wegen des möglichen Gewitters unwohl fühlt, muss natürlich nicht mit auf den See kommen», sagt Mari. Niemand äussert Bedenken. Zwei kleine blaue Fleckchen Himmel geben Hoffnung, dass das Gewitter vorbeizieht.

Also heisst es: Board fassen und Paddel holen. Nach einer kurzen Instruktion von Mari – wo wir hin paddeln werden und wie das Paddel richtig einzustellen ist – geht es ins Wasser. Zuerst traue ich mich nur kniend aufs Board. Mari ermutigt mich, aufzustehen – so habe man beim Paddeln mehr Kraft in den Armen und käme schneller vorwärts. Meine Beine sind zwar wackelig, irgendwie schaffe ich es aber trotzdem. Ziel ist eine Leine mit Karabinern nahe dem Ufer. Kaum sind alle Boards befestigt, in der Gruppe nennen sie es «einparken», beginnt die Yogastunde.

Stille und Konzentration

Es ist ungewohnt, keinen festen Boden unter sich zu haben. Kleine Wellen bringen das Brett zum Schaukeln. Ich nehme den leisen Aufschlag auf dem Wasser plötzlich als sehr laut wahr. Dadurch und wegen des Windes fällt es mir manchmal schwer, Maris Anweisungen zu hören. Und einfach mal schnell den Kopf zu drehen, um ihre Übungen abzuschauen, ist auf dem See gar nicht so einfach. Selbst die kleinste unkontrollierte Bewegung bringt mich ins Ungleichgewicht.

Nach einiger Zeit habe ich mich daran gewöhnt, bekomme ein Gefühl für das Paddleboard. Ich kann die Balance bei den meisten Übungen halten und fühle mich wohl. Die hohe Konzentration, die das SUP-Yoga abverlangt, hilft mir dabei, die Übungen sauberer auszuführen (so kam es mir zumindest vor, manche Bilder zeugen von etwas anderem) und ruhig zu werden. Die anfängliche Nervosität ist verflogen. Sogar der stetige Aufschlag auf dem Wasser hat jetzt fast schon eine meditierende Wirkung. Im Hintergrund sind weder kreischende Kinder in der Badi noch laute Musik oder Schiffe zu hören – der bedeckte Himmel hat durchaus seine Vorteile. Es herrscht Stille.

Mut und Achtsamkeit

Plötzlich drückt die Sonne zwischen den Wolken durch. Die Strahlen erhellen Maris Gesicht. Das Bild, das sich ergibt, sieht so friedlich, so kitschig aus. Fast schon surreal irgendwie. Das Training neigt sich dem Ende zu. Ich bin überrascht, dass ich nie ins Wasser gefallen bin; obwohl ich zugeben muss: Gerade zu Beginn war ich einige Male echt nah dran.

Ich ziehe die Beine nah an meinen Körper, verharre auf dem schaukelnden Brett eine halbe Minute lang in der Päckchen-Position. Dann lege ich mich gerade hin, strecke mich einmal so richtig aus und komme wieder in die Anfangsposition, den Schneidersitz, zurück. Augen nochmals zu, tief einatmen, die flachen Hände vor der Brust gegeneinandersetzen. Mit den Worten «Bedanke dich bei dir selbst, dass du dich etwas getraut hast und achtsam zu dir warst. Namasté» beendet Mari die Yogastunde.


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