Stadt gibt für Blue Balls nicht mehr Geld aus

LUZERN ⋅ Die Zukunft des Luzerner Blue Balls Festivals bleibt ungewiss: Der Luzerner Stadtrat lehnt das Stiftungsmodell und ein weitergehendes Engagement ab. Festivalchef Urs Leierer ist enttäuscht vom Entscheid der Stadt.

06. April 2020, 11:19

Hugo Bischof / René Meier

Wiederholt hat Urs Leierer, Leiter des Blue Balls Festival, die Stadt Luzern für die mangelnde finanzielle Unterstützung des Festivals kritisiert. Ihr Beitrag sei zu gering – im Vergleich zu dem, was sie dank Blue Balls in Sachen Wertschöpfung und Image gewinne, so die Kritik. Die Stadt hingegen beziffert ihre Leistungen für das Festival auf 750'000 Franken bis 1 Million (Artikel vom 5. Juli 2019)

Stadt zahlt weiterhin 130'000 Franken pro Jahr

Der Stadtrat lehnt nun eine weitergehende Mitwirkung beim Blue Balls Festival ab, «aus grundsätzlichen Überlegungen», wie die Stadt am Montag in einer Mitteilung schreibt. «Die Stadt will von einem entsprechenden Präjudiz absehen und ist der Meinung, dass das vorgeschlagene Stiftungsmodell nicht geeignet sei, den Festivalbetrieb für die Zukunft zu sichern», heisst es weiter. Der Stadtrat will aber ein Zeichen der Kontinuität setzen und ist bereit, seine bisherigen Leistungen weiterhin zu erbringen.

Die Stadt leistet gemäss geltendem Vertrag 130'000 Franken pro Jahr an das Festival, gewährt dem Festival Nutzungsrechte im KKL Luzern (zwei Nutzungstage im KKL Luzern und elf Nutzungstage im Luzerner Saal) und stellt den beanspruchten öffentlichen Grund unentgeltlich zur Verfügung.

Stadt will sich nicht an Stiftung beteiligen

Seit Herbst führte die Stadt mit «Blue Balls»-Leiter Urs Leierer Verhandlungen, die ein Stiftungsmodell vorsahen, in dem auch die Stadt als Stifterin und Beitragsgeberin mitwirken sollte. Weitere private Kreise hatten gegenüber Urs Leierer ihre Bereitschaft zu einer Mitwirkung bestätigt, sofern das Modell zustande käme.

Total ging es um über 750'000 Franken für die nächsten vier Jahre, welche die Stadt dem Blue Balls hätte überweisen sollen. Die Stadt will sich an einer solchen Stiftung nun aber nicht beteiligen. Dazu sagt der Luzerner Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli:

«Eine Mitwirkung der Stadt im Rahmen einer privatrechtlichen Stiftung und mit einem erheblich höheren finanziellen Beitrag passt nicht in die Beteiligungsstrategie der Stadt Luzern. Wir sind diesbezüglich in den vergangenen Jahren zurückhaltender geworden.»

Falls die Stadt den Beitrag an das Blue Balls Festival erhöhen würde, könnte dies bei anderen Veranstaltern ähnliche Begehrlichkeiten wecken, sagt Züsli. Er betont: «Wir haben gegenüber dem Festival nie finanzielle Zusicherungen gemacht, wir erklärten uns aber grundsätzlich bereit für Gespräche.»

Festivalchef Urs Leierer ist enttäuscht vom Entscheid der Stadt

Festivalchef Urs Leierer bedauert den Entscheid der Stadt. Der Vorschlag für das entsprechende Stiftungsmodell «Stiftung Blue Balls Festival Luzern» sei von Rosie Bitterli, Chefin Kultur und Sport der Stadt Luzern, im Namen der Stadt ausgearbeitet worden, sagt Leierer. Es habe drei Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt gegeben - alle in gutem Einvernehmen, sagt Leierer. Umso enttäuschter ist Leierer jetzt:

«Wieso die Stadt Luzern ein von ihr selber vorgeschlagenes Konzept nicht mehr weiterverfolgt, verstehen wir nicht. Wieso wurde ein Konzept vorgeschlagen, das gar nicht geht?»

So gesehen, hätte man sich die Zeit und den Aufwand für die Gespräche sparen können, sagt Leierer. Er betont: «Der Verein Luzerner Blues Session hat bereits an der ersten Sitzung klar gemacht, dass es ein Stiftungsmodell sein muss, das für die Stadt Luzern funktioniert, damit das Blue Balls Festival in seiner Art erhalten bleiben kann.»

Der Verein Luzerner Blues Session habe sämtliche Vorgaben der Stadt Luzern eingehalten und weitere private Stifter eingebracht, die bereit gewesen seien, die Stiftung per Anfang 2021 zu gründen. Diese Stifter hätten die Statuten erarbeitet. Urs Leierer selber wäre nicht in der Stiftung vertreten gewesen.

Zur Kritik von Urs Leierer sagt Stadtpräsident Beat Züsli: «Es wäre nicht seriös gewesen, ohne Abklärungen und aufgearbeitete Grundlagen einen Entscheid zu fällen. Dazu waren die Verhandlungen nötig, erst sie haben Klarheit zu einem möglichen Organisationsmodell und zur zusätzlichen finanziellen Verpflichtung der Stadt gebracht. Dass Urs Leierer nun enttäuscht ist, ist selbstverständlich nachvollziehbar.»

Planung für Blue Balls 2020 läuft wie vorgesehen weiter

«Jetzt ist klar, es wird leider keine solche Stiftung geben», sagt Leierer. Was dies für die weitere Zukunft des Festivals bedeute, könne er derzeit nicht sagen. Die Planung für das Blue Balls Festival 2020 läuft gemäss Leierer aber wie vorgesehen weiter. Es findet vom 17. bis 25. Juli statt – wie gewohnt im KKL, im Pavillon am Nationalquai und im Hotel Schweizerhof. Bereits bekannt sind folgende Acts:

Patent Ochsner (17. Juli)
Heather Nova (17. Juli)
Rodrigo Y Gabriela (18. Juli)
Bilderbuch (19. Juli)
Andrew Bird (20. Juli)
The Robert Cray Band (21. Juli)
G. Love & Special Sauce (21. Juli)
Andreas Vollenweider (22. Juli)
King Gizzard & The Lizard Wizard (22. Juli)
James Vincent McMorrow (23. Juli)
EOB (24. Juli)
Oh Wonder (24. Juli)
Söhne Mannheim (25. Juli)
Passenger (25. Juli)

Ob das Festival 2020 überhaupt stattfinden kann, ist wegen der Coronakrise aber noch ungewiss. «Es ist eine ganz schwierige Situation», sagt Leierer. Er spricht gar von einem «nightmare» (Albtraum). Es hänge alles davon ab, wann der Bundesrat die einschränkenden Massnahmen aufhebe. Das Blue Balls Festival ist zusammen mit den anderen grossen Festivals in der Swiss Music Promoters Association vertreten. Leierer: «Wir warten alle auf den Entscheid des Bundesrats.»


Login


 

Leserkommentare