So bereiten sich die Luzerner Pfadis auf das Bundeslager vor

LUZERN ⋅ Die Lagersaison bringt dieses Jahr einen aussergewöhnlichen Grossanlass mit sich: Pfadis aus der ganzen Schweiz reisen ans Bundeslager im Wallis. Rund 2250 Pfadibegeisterte aus dem Kanton Luzern sind daran beteiligt.

28. Juni 2022, 05:10

Miriam Abt

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Miriam Abt

Zelte so weit das Auge reicht, Beizen, Einkaufsläden, Eventflächen mit Konzertbühnen: Im Goms im Kanton Wallis entsteht diesen Sommer eine Stadt im Dorf – das Pfadibundeslager (Bula). Nur etwa alle 14 Jahre findet es statt.

Während zweier Wochen im Juli und August bringt das Bula rund 30’000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder zusammen und verspricht, das grösste Lager zu werden, das es hierzulande jemals gegeben hat. Dabei teilen sich die 800 Gruppen ein einziges Lagergelände in der Grösse von 168 Fussballfeldern.

Alle Abteilungen von Luzern sind vertreten

Auch der Kanton Luzern ist mit vielen Teilnehmenden am Start: Rund 2250 Personen aus ganz Luzern werden ins Wallis reisen, verteilt auf zahlreiche Lagergruppen. «Von den Abteilungen nehmen ausnahmslos alle teil, was uns sehr freut», so André Marty, Präsident des Kantonalverbands Pfadi Luzern. In der Pfadiwelt ist er besser bekannt als «Pscht».

Die einzelnen Gruppen planen ihre Lager zwar individuell, können aber zusätzlich Programmpunkte wie Workshops, Ausflüge oder sportliche Aktivitäten buchen. Diese werden vom Bundeslager auf die Beine gestellt. Um dies zu ermöglichen, arbeiten mehr als 500 Personen ehrenamtlich an der Vorbereitung mit.

«Wir reisen nicht nur mit 20 Leuten an!»

Eine davon ist Irina Ledermann, auch bekannt als «Sienne», ebenfalls vom Kantonalverband Pfadi Luzern. Sie ist verantwortlich für die Sport- und Wasseraktivitäten im Bundeslager, gemeinsam mit einem Pfadikollegen. Vor knapp drei Jahren wurde sie angeworben, schon so lange laufen auch die Vorbereitungen in ihren Teilbereichen.

Da Lagerbegeisterte aus allen Landesteilen und teilweise vom Ausland anreisen, sollten die Verantwortlichen mindestens zwei Landessprachen beherrschen «oder aber dazu bereit sein, sich mit Händen und Füssen zu verständigen», wie Ledermann anfügt.

Ihr Aufgabenbereich ist zu einem grossen Teil administrativ. Sie hat die Aktivitäten geplant, externe Partnerschaften geknüpft und Helfende rekrutiert – alleine bei den Wasseraktivitäten packen rund 75 Freiwillige mit an. Auch ist sie mehrmals ins Wallis gereist, um Partnerinnen und Partner zu treffen. Nicht allen sei bei Start der Vorbereitungen bewusst gewesen, welches Ausmass das Lager annehmen wird: «Wir reisen nicht nur mit 20 Personen an!»

Auch das Spannungsfeld Sommertourismus lässt Ledermann nicht ausser Acht. So musste berücksichtigt werden, dass auch Privatpersonen zeitgleich die Angebote der Region nutzen wollen. Sie fügt an:

«Wir wollen, dass es allen wohl ist.»

Trotzdem sei es die Idee, Aktivitäten zu ermöglichen, die nicht alltäglich sind. So werden die Teilnehmenden zum Beispiel Golfen, Bogenschiessen, Stand-up-Paddeln oder mit Mountaincarts den Berg herunterfahren können.

Von Beromünster nach Goms

Einige dieser Angebote nutzen wird etwa die Pfadi Neumöischter aus Beromünster und Neudorf. «Für die Pfadis soll es aber eine Überraschung sein, wie das Programm schlussendlich aussieht», sagt Constantin «Clever» Suter, Lagerleiter und Präsident des Vereins.

Die Grösse des Lagers ermögliche zwar eine breite Auswahl an Programmpunkten, stelle die Pfadis aber auch vor organisatorische Herausforderungen:

«Wir können schlecht eine Stunde laufen für eine Runde Völkerball.»

Die lagerweiten Vorgaben und fixen Termine bedeuten, dass die jeweiligen Abteilungen weniger flexibel planen können. Besonders, da die Pfadi Neumöischter mit zwei Gruppen anreist, die sich Teile der Infrastruktur teilen. «Das sind aber alles Kompromisse, die wir gerne eingehen», so Suter.

Bundeslager trotz allem

Unter den 30'000 Teilnehmenden im Bundeslager sind auch etwa 300 Mitglieder der sogenannten «Pfadi Trotz Allem» (PTA) am Start. Darunter versteht sich ein Bereich der Pfadibewegung, die Kindern mit einer körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigung das Pfadileben ermöglicht. Aus Luzern reist etwa die PTA Tannenberg mit ins Wallis.

Um bei Bedarf eine 1:1-Betreuung zu ermöglichen, sind bei der PTA mehr Leitungspersonen involviert als in anderen Abteilungen. «Ausserdem planen wir täglich eine Abendroutine ein, bei der wir etwas über den Tag sprechen, Anliegen der Kinder entgegennehmen und das eher komplexe Lagerthema erläutern», so Elena Strotz oder «Prisma», Abteilungsleiterin der PTA Tannenberg.

Dieses Ritual sei wichtig für alle Kinder, «besonders für jene, welche sich nicht gut ausdrücken können oder Mühe haben in grossen Menschenansammlungen und ungewohnten Umgebungen». Trotzdem wird es ein Lager wie jedes andere, wie es sich die Teilnehmenden gewohnt sind – nur halt eben mit so vielen Menschen, wie in der Gemeinde Emmen leben.

Die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben berichten dieses Jahr zum 47. Mal über die Lagererlebnisse der Zentralschweizer Vereine und Schulen. Zur Anmeldung für den Lagerdraht geht es hier. Anmeldeschluss ist der 30. Juni 2022.


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