Prisca Birrer-Heimo ist Panaschierkönigin der Luzerner Nationalratswahlen

LUZERN ⋅ Die wiedergewählte Nationalrätin der SP führt die Popularitätsliste der Luzerner Kandidaten deutlich an. Auffällig oft panaschiert wurden im Herbst auch die Namen weiterer Frauen.

02. Dezember 2019, 05:10

Rudolf Burger

Franz Grüter (SVP) hat mit 40'468 Stimmen mehr Stimmen geholt als alle übrigen 251 Personen, die sich um ein Luzerner Nationalratsmandat bewarben. War Grüter also auch der populärste Kandidat? Nicht notwendigerweise, denn bedingt durch das Proporzsystem erreichen die Spitzenkandidaten der wählerstärksten Parteien, in Luzern also CVP und SVP, die höchsten Stimmenzahlen. Franz Grüter – und mit ihm auch alle acht Kandidatinnen und Kandidaten auf der SVP-Liste – verdanken einen wesentlichen Teil ihres Stimmentotals (exakt 16'933 Stimmen) den von der SVP-Wählerschaft unverändert eingeworfenen Listen. Wer aber eine unveränderte Liste einlegt, entscheidet sich in erster Linie für eine Partei.

Ein weit besserer Popularitätsmassstab als das Stimmentotal sind die Panaschierstimmen: Wer panaschiert, will bestimmte Personen bewusst bevorzugen. Franz Grüter hat von den Parteien ausserhalb der SVP 7838 Stimmen erhalten, was umgerechnet dem Wert von 77 Stimmen auf 1000 Listen entspricht – ein Resultat, das Grüter in der Rangliste Platz 6 einbringt (zur Berechnung siehe Kasten). Klare Spitzenreiterin in der Tabelle ist Prisca Birrer-Heimo (SP) mit 133 Stimmen auf 1000 Listen, vor den beiden CVP-Frauen Ida Glanzmann-Hunkeler (95 Stimmen) auf Platz 2 und Andrea Gmür (88 Stimmen) auf Platz 3.

Grüne für Heimo-Birrer, aber nicht nur

Die 133 Stimmen für Birrer-Heimo bedeuten, dass sie annähernd von jeder siebten Liste, die nicht auf die SP entfielen, eine Panaschierstimme erhalten hat. Am besten unterstützt wurde sie – nicht überraschend – von der Wählerschaft der Grünen. Ihnen verdankt sie 4879 ihrer 15632 Panaschierstimmen. Birrer-Heimo hat den Titel der Panaschierkönigin bereits vor vier Jahren gewonnen. Die Freude ist deshalb dieses Mal nicht weniger gross, wie sie auf Anfrage sagt:

«Das freut mich sehr und ist eine Anerkennung für meine politische Arbeit.»

Insbesondere der Einsatz der Rothenburgerin für soziale und ökologische Themen hätten wohl zu den Panaschierstimmen geführt: «Beigetragen hat aber auch mein Engagement für den Konsumentenschutz.»

Die beiden nächstplatzierten Glanzmann-Hunkeler und Gmür holten bei den Wählerinnen und Wählern, die sich für eine Liste ohne Bezeichnung («leere Liste») entschieden, die grösste Anzahl ihrer Panaschierstimmen; sie wurden aber insbesondere auch von der FDP gut unterstützt.

Auf Platz vier in dieser Popularitätsrangliste folgt der erste Mann, Leo Müller (CVP) mit 81 Stimmen auf 1000 Listen. Fast mit den gleichen Werten kommen danach auf Platz 5 Albert Vitali (FDP, genau: 77,2 Stimmen) und auf Platz 6 Franz Grüter auf (77 Stimmen).

Der wiedergewählte Grüne Michael Töngi belegt Platz 7. Als erste Nichtgewählte in dieser Rangliste folgt auf Platz 8 seine Parteikollegin Korintha Bärtsch, die ihr gutes Resultat wohl vor allem ihrer (erfolglosen) Kandidatur für den Luzerner Regierungsrat verdankt.

Vroni Thalmann vor Yvette Estermann

Bemerkenswert ist der zwölfte Rang der ehemaligen Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann (SVP), die damit vor der wiedergewählten Parteikollegin Yvette Estermann (Rang 14) liegt. Punkto Panaschierstimmen hat Thalmann also besser abgeschnitten; Estermann verdankt ihre Wiederwahl demnach der Tatsache, dass sie parteiintern von der SVP rund 700 Stimmen mehr als Thalmann erhielt.

Bemerkenswert ist auch das Resultat von Stephan Schärli, der auf einer der nicht weniger als sieben CVP-Nebenlisten kandidierte (CVP-Bauern) und es dank seiner 2923 Panaschierstimmen – mehr als die Hälfte seines sehr bescheidenen Stimmentotals von 5085 – in dieser Rangliste auf Platz 18 brachte. Damit liegt er noch vor Roland Fischer (GLP), dem letzten der neun Gewählten auf Rang 19.

Es ist offensichtlich, dass sich die Frauenwahl des Jahres 2019 auch in dieser Popularitäts-Rangliste widerspiegelt: Die drei Spitzenplätze werden von Nationalrätinnen belegt, und 10 der besten 20 sind weiblichen Geschlechts.

Für die Plausibilität dieser Rangliste spricht weiter auch, dass unter diesen Spitzenkandidaten alle gewählten Nationalräte und auch die beiden Abgewählten figurieren und alle grösseren Luzerner Parteien vertreten sind: Fünfmal die CVP, viermal die SVP, je dreimal SP, FDP und Grüne sowie zweimal die GLP. In einer Rangliste nach dem Stimmentotal würden die vorderen Plätze von CVP und SVP dominiert, und Stephan Schärli, der Überraschungsmann dieses Beitrags, käme erst auf Rang 55.

Die Übersicht der Panaschierstimmen aller 252 Kandidaten finden Sie hier: Rang und Herkunft der Stimmen fur alle 252 Kandidaten.pdf

Mitarbeit: Alexander von Däniken

Hinweis: Quelle für diesen Beitrag ist ein Datensatz der Luzerner Staatskanzlei, der Medien zur Verfügung gestellt wurde. Diese Daten zeigen unter anderem die Herkunft der Stimmen für alle Kandidierenden in allen 83 Gemeinden und die Herkunft der Stimmen von Auslandschweizern. Die Daten mussten allerdings passend zusammengestellt werden.


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