Neue Luzerner FDP-Präsidentin Jacqueline Theiler: «Wir müssen frecher werden»

LUZERN ⋅ Die künftige FDP-Präsidentin Jacqueline Theiler will ihrer Partei mehr Selbstbewusstsein einimpfen. Die 38-jährige Stadtluzernerin folgt auf den 65-jährigen Markus Zenklusen aus Emmen.

14. Januar 2020, 22:53

Lukas Nussbaumer

Jacqueline Theiler, die 38-jährige Politikwissenschafterin und frühere Geschäftsführerin der FDP des Kantons Luzern, ist an der Spitze ihrer Partei angelangt: Die Delegierten wählten sie am Dienstagabend in Kriens einstimmig zur Nachfolgerin von Markus Zenklusen (65), der das Präsidium 2015 vom damaligen Nationalrat Peter Schilliger übernommen hatte (siehe Kasten am Ende des Beitrags). Die FDP-Basis folgte mit der Wahl Theilers dem Antrag der Geschäftsleitung, die sich ihrerseits auf die Empfehlung einer Findungskommission, präsidiert von Fraktionschef Andreas Moser, gestützt hatte. Theiler ist die erste Frau an der Spitze der Kantonalpartei.

Jacqueline Theiler hat die FDP im Blut: Ihr Vater Georges sass für die Partei 16 Jahre im National- und 4 Jahre im Ständerat. Im Gespräch sagt die Fasnächtlerin, die gerne wandert und Ski fährt, wie sie die FDP zurück auf die Erfolgsspur führen will. Theiler ist ledig, wohnt mit ihrem Partner in der Stadt Luzern und arbeitet seit Anfang Jahr als selbstständige Kommunikationsberaterin. Den zeitlichen Aufwand im neuen Amt schätzt sie anfangs auf 40Prozent.

Sie übernehmen eine Partei, die gerade zwei Wahlen in Folge verloren hat: die kantonalen im Frühjahr und die eidgenössischen im Herbst 2019. Wie fühlen Sie sich?Jacqueline Theiler: Die Niederlagen, vor allem der Sitzverlust im Nationalrat, waren harte Schläge. Doch ich spüre eine Aufbruchstimmung und habe motivierte Leute kennengelernt, die etwas bewegen wollen.Also waren die Niederlagen heilsame Schocks?Manchmal brauchts einen Schuss vor den Bug. Wir machen jedenfalls das Beste daraus.Was ist denn das Beste?Zuerst will ich interne Schwerpunkte setzen und die Nähe zu den Ortsparteien suchen. Sie haben eine extrem wichtige Funktion, indem sie die Leute suchen, die für unsere Partei kandidieren. Ich will den Teamgeist neu wecken.Also wurden die Ortsparteien bisher vernachlässigt?Es wurden vielleicht andere Schwerpunkte gesetzt. Ich sehe die Aufgabe der Kantonalpartei vorab darin, gute Rahmenbedingungen für die Ortsparteien zu schaffen.Und wo wollen Sie thematisch den Hebel ansetzen?Wir sind eine Wirtschaftspartei. Floriert die Wirtschaft, gehts allen gut. Wir machen aber auch eine fortschrittliche Umweltpolitik und setzen auf eine liberale Gesellschaftspolitik. Diese Themenvielfalt ist mir wichtig.Wäre die FDP eine Wirtschaftspartei, müsste sie für Steuersenkungen kämpfen und im Kantonsrat nicht gar für höhere Abgaben votieren.Die Revision des kantonalen Steuergesetzes und die Umsetzung der Bundessteuerreform sind gerade erst angelaufen. Bevor wir Steuersenkungen für Unternehmen oder Privatpersonen fordern, müssen wir erst einmal die Auswirkungen der Steuerreformen abwarten. Es ist aber klar, dass die FDP für tiefe Steuern und Abgaben einsteht.Wie lange wollen Sie warten?Einen konkreten Zeithorizont kann ich nicht nennen. Aber wir werden die Entwicklung des Steuerstandorts Luzern genau verfolgen und in der Zwischenzeit dafür einstehen, dass die Rahmenbedingungen für Unternehmen besser werden.Der Schuss mit der Umweltpartei FDP ging nach hinten los. Die Wähler haben sie für das späte Aufspringen auf den Klimazug abgestraft.Wir haben uns spät zu Positionen durchgerungen, das stimmt. Dennoch war der Schritt richtig. Und unsere Stunde wird noch kommen – wenns ums eigene Portemonnaie geht. Dann sind wirtschafts- und sozialverträgliche Lösungen gefragt. Wir wollen keine Verbote, sondern auf Innovationen setzen.Das tönt gut. Doch die Politik der FDP wird offensichtlich nicht wahrgenommen.Wir müssen frecher und mutiger werden, unsere Positionen selbstbewusster vertreten. Unser Pragmatismus steht dem Erfolg manchmal im Weg. Das sieht im Übrigen auch Petra Gössi so. Es muss uns auch gelingen, uns stärker von der CVP und der SVP abzugrenzen, indem wir auf unsere Themenvielfalt setzen.Bei den Nationalratswahlen ist die FDP aber eine Listenverbindung mit der CVP eingegangen.Listenverbindungen sind in erster Linie eine arithmetische Angelegenheit und nicht gleichzusetzen mit gleichen Positionen.Aber die CVP steht der FDP schon näher als die SVP?Das ist sehr, sehr schwierig zu sagen und hängt von den Themen ab.CVP und FDP verfügen im Kantonsrat zusammen erstmals nicht mehr über die Mehrheit. Suchen Sie auch die Nähe zur GLP?Je nach Fragestellung arbeiten wir mit allen Parteien zusammen, also auch mit der GLP.Das tönt alles vage. Welche Ziele setzen Sie sich konkret bei den nächsten kantonalen und nationalen Wahlen?Bevor ich mich weit aus dem Fenster lehne, analysiere ich unsere internen Prozesse und werde Gespräche führen. Meine Wahlziele sind aber sehr klar: Die FDP will die verlorenen Sitze zurückgewinnen. Wenn wir uns jetzt an die Arbeit machen, ist das durchaus realistisch.Und was ist Ihr Ziel bei den Gemeindewahlen im März?Ein leichter Ausbau unserer 110 Exekutivmandate wäre schön. Und ich bin zuversichtlich, denn die Aufbruchstimmung bei uns ist spürbar, beispielsweise durch die Kandidatur von Martin Merki als Stadtpräsident von Luzern und auch durch das Zweierticket für den Stadtrat von Kriens.Dafür haben Sie in Sursee noch niemanden, der Bruno Bucher ersetzen will.Stand jetzt, stimmt das. Sie können aber versichert sein: Die FDP wird zu den Stadtratswahlen in Sursee antreten.Was ist, wenn Sie Ihre Ziele nicht erreichen?Ich bin für vier Jahre gewählt. Dann sehen wir weiter. Vorerst konzentrieren wir uns aber darauf, wie wir die verlorenen Sitze zurückholen können.

«Mit unseren zwei Zugpferden, Ständerat Damian Müller und Regierungsrat Fabian Peter, ist die personelle Konstellation sehr gut.»

Sie wollen aber schon länger als vier Jahre Parteipräsidentin sein?Das ist das Ziel. Jetzt muss ich mich aber zuerst an die Arbeit machen – und das letzte Wort haben wie immer unsere Delegierten.Der Job als FDP-Präsidentin ist nicht entlöhnt; Sie erhalten bloss Spesen. Die Liebe zur Partei muss gross sein.Das ist sie. Ich erhalte zwar eine Entschädigung. Sie deckt den zeitlichen Aufwand aber natürlich nicht ab. Die neue Aufgabe bietet mir aber auch die Möglichkeit, mich selber weiter zu entwickeln. Zudem ist das Amt spannend und vielseitig.Wer ist Ihr politisches Vorbild?Petra Gössi gefällt mir schon sehr gut. Sie ist authentisch, bodenständig und modern.

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