Nach der Abstimmungsschlappe zeigt sich Entlebucher Gemeinderat geknickt

LUZERN ⋅ Der Sonderkredit für den Neubau eines Werkhofs wurde abgelehnt. Ein Flugblatt soll schuld sein. Jetzt sprechen die Gemeindepräsidentin und ein Unterzeichner des Flugblatts.

30. Juni 2020, 05:11

Livia Fischer

Livia Fischer

Enttäuschung und Wut. Diese Gefühle hegte die Entlebucher Gemeindepräsidentin Vreni Schmidlin, als sie letzten Freitag ein Flugblatt aus ihrem Briefkasten fischte. «10 gute Gründe für ein Nein zum Sonderkredit Neubau Werkhof Entlebuch» stand darauf, versehen mit dem Entlebucher Wappen und dem Gemeindelogo. Unterschrieben hatte nicht etwa der Gemeinderat, wie die Aufmachung zunächst vermuten lässt, sondern sechs Männer, die ein Oppositionskomitee gegründet hatten.

Der Versand des Flugblatts sei eine «Frechheit», eine «Frage von Stil und Anstand», meint Schmidlin einen Tag nach der Abstimmung. Der Sonderkredit für den Neubau eines Werkhofs im Gebiet Zwischenwassern wurde an der Urne mit 716 zu 442 Stimmen abgeschmettert (wir berichteten). Eine grosse Enttäuschung für Schmidlin – und eine Folge des Flugblatts, wie sie glaubt. «Zwar gab es im Vorhinein schon Stimmen, die sagten, dass das Projekt mit 2,18 Millionen zu teuer sei», erzählt Schmidlin und ergänzt:

«Ich denke aber eher nicht, dass die Vorlage auch ohne Flugblatt von der Mehrheit abgelehnt worden wäre.»

Trotzdem, das Resultat sei «ganz klar» und werde «selbstverständlich» akzeptiert.

Die Unterzeichner des Flugblatts – unter anderem Ueli Felder, Unternehmer aus Entlebuch – bemängelten etwa, dass die gemeinderätliche Botschaft mehr Fragen als Antworten liefere oder dass der Gemeinderat die Bevölkerung nur über die Investitionskosten, nicht aber über die Gesamtkosten inklusive Abschreibungen, Zinsen oder Materialaufwand informiere. Auch die Nutzfläche der Werkhofhalle von über 800 m2 oder die Wirtschaftlichkeit wurden infrage gestellt. Laut Schmidlin Punkte, die «gesucht waren».

Von «Täuschungen» und «schlechten Verlierern»

Was die Gemeindepräsidentin aber am meisten stört, sei die Art und Weise des Vorgehens. Die 62-Jährige spricht von einer Täuschung – viele Leute seien irritiert gewesen, hätten geglaubt, dass es sich beim Flugblatt um eine Nachricht der Gemeinde handle. Darauf angesprochen meint Ueli Felder: «Nur schon beim Lesen des ersten Satzes war klar, dass es sich nicht um eine Nachricht des Gemeinderats handelt.» Ausserdem sei der Brief ja nicht anonym und die Absender klar erkennbar gewesen.

Die hohe Ablehnungsquote habe zwar auch ihn verwundert, aber sie sei definitiv nicht auf eine Verwirrung wegen des Gemeindelogos zurückzuführen – dies sei übrigens auch niemals das Ziel gewesen, man habe nur gewollt, dass es «nach Entlebuch» aussehe. Und:

«Es kann nicht sein, dass so viele Bürger nicht richtig lesen können. Man darf uns nicht für dumm halten.»

Der Gemeinderat sei ein schlechter Verlierer, so sein Fazit. Dieser muss sich nun über das weitere Vorgehen beraten. «Wir brauchen eine neue Lösung – sicher eine Zwischenlösung. Die Aufbereitung eines neuen Projekts ist nicht so schnell umsetzbar», sagt Schmidlin abschliessend.


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