Luzerner Vertreter in Bundesbern: Das Hinterland liegt zuhinterst

LUZERN ⋅ Der Wahlkreis Willisau ist im Nationalrat gemessen an der Bevölkerungszahl stark untervertreten. Das stört Hinterländer aber nicht – weil sie in der Regierung sehr präsent sind.

18. Oktober 2019, 05:10

Lukas Nussbaumer

Nur 2 der 25 Nationalräte, die den Kanton Luzern in den letzten 20 Jahren in Bern vertreten haben, stammen aus dem Wahlkreis Willisau: die amtierende, wieder kandidierende Ida Glanzmann aus Altishofen und der 2003 abgewählte Karl Tschuppert aus Ettiswil. Die CVP-Frau politisiert seit 2006 in der Grossen Kammer, der FDP-Mann reiste 20 Jahre lang nach Bern.

Bezogen auf die Bevölkerungszahl, ist der Wahlkreis Willisau nach dem Entlebuch der zweitkleinste – und der am stärksten untervertretene. Umgekehrt ist es im Wahlkreis Sursee, der mit acht Bundesparlamentariern in 20 Jahren deutlich übervertreten ist, wie die folgende Grafik zeigt.

Wahlkreis Willisau ist sehr gut in Regierung vertreten

Minderwertigkeitsgefühle kommen im Hinterland deswegen aber nicht auf, wie Ludwig Peyer sagt. Eine Region empfinde ihre politische Vertretung breiter, beziehe also auch den Regierungsrat mit ein, so der Geschäftsführer des Verbands der Luzerner Gemeinden (VLG) und CVP-Kantonsrat aus Willisau. Und was die Vertretung in der Regierung betrifft, kann Willisau wahrlich nicht klagen: Aktuell ist das Hinterland mit Guido Graf aus Pfaffnau (CVP) vertreten, bis in diesem Sommer und während acht Jahren sass zudem FDP-Vertreter Robert Küng aus Willisau, ausserdem zwischen 1995 und 2011 Küngs Parteikollege Max Pfister aus Nebikon.

Ludwig Peyer, der als VLG-Geschäftsführer weiss, wie empfindlich Regionen auf eine Untervertretung reagieren, betont einen weiteren Aspekt:

«Wichtig ist die Ausgewogenheit zwischen Stadt/Agglo und dem Land, nicht primär zwischen den Wahlkreisen.»

Und diese sei in Bundesbern gegeben. Damit hat Peyer Recht: Betrachtet man die Wahlkreise Willisau und Sursee als eine Grossregion und bezieht die geringen Unterschiede zwischen Anspruch und Realität in den anderen Wahlkreisen mit ein, wird die Luzerner Bevölkerung in Bern gut repräsentiert.

Politologe: Parteien können Einfluss nehmen

Auch Tobias Arnold, Politologe bei Interface Politikstudien Luzern, bezeichnet eine ausgeglichene Vertretung der Grossregionen Stadt/Agglo und Land als wichtig. «Das Parlament soll grundsätzlich das Volk repräsentieren. Es wäre aus demokratischer Sicht schlecht, wenn die Stadt oder das Land übervertreten wären.»

Wesentlichen Einfluss auf die Ausgewogenheit der Vertretung im National- und Ständerat hätten die Parteien. «Sie können bei der Gestaltung ihrer Listen die Regionen angemessen berücksichtigen», so Arnold. Weil die einst kantonsweit dominierenden CVP und FDP laufend schwächer würden, sei dies allerdings immer schwieriger umzusetzen.


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