Kaum Selbstkritik bei der L20 nach Abwahl in Horw – SVP will nach Sitzgewinn mehr bürgerliche Allianz

LUZERN ⋅ Nach der Rückeroberung des Gemeinderatssitz herrscht Feierlaune bei der Parteileitung der Horwer SVP. Derweil ist man bei der L20 konsterniert, nicht zuletzt weil das Resultat knapp ausfiel.

30. Juni 2020, 05:11

Roman Hodel

Wie gewonnen, so zerronnen: Mit der Abwahl von Jörg Stalder (wir berichteten) wird die L20 ihren zweiten Gemeinderatssitz in Horw bald wieder los sein – nach nur elf Monaten. «Wir alle sind immer noch konsterniert», sagt L20-Parteisprecher und Einwohnerrat Martin Eberli. Vor allem, weil das Ergebnis knapp ausfiel:

49 Prozent der Horwer, die an die Urne gingen, haben also Stalders Name auf den Wahlzettel geschrieben. Das bedeutet mit Blick auf den L20-Wähleranteil von 30 Prozent bei den Wahlen Ende März auch, dass der amtierende Immobilien- und Sicherheitsvorsteher viele Stimmen in der Mitte geholt hat – und dennoch hat es knapp nicht gereicht. «Die Gründe für die Abwahl sind uns nicht klar», sagt Eberli und ergänzt:

«Denn wir haben im Vorfeld die Stärken unseres Gemeinderats stets hervorgehoben und einen fairen Wahlkampf geführt, was wir uns von der Gegenseite auch gewünscht hätten.»

Eberli spricht damit die Stimmungsmache gegen Stalder, etwa in den Leserbriefspalten unserer Zeitung, an. «Diese Gegenpropaganda gab uns zu denken», sagt er.

Am schwerwiegendsten sei aber «die Gehilfenschaft» von CVP und FDP zugunsten der SVP gewesen: «Die Zusammenarbeit im Gemeinderat war stets gut – die Stimmung änderte sich erst, als die beiden Parteien die Unterstützung der SVP-Kandidatin bekanntgaben. Das war eine Enttäuschung für uns», sagt Eberli. Die CVP hatte David Müller zwar bereits vor einem Jahr als wilde Kandidatin portiert. «Nur war Jörg Stalder damals noch nicht im Amt.»

Selbstkritik ist von der L20 kaum zu hören. Dass Stalders «pointierte» Äusserung zu den CVP-Gemeinderatskollegen ihm Stimmen gekostet haben könnte, ist zwar gut möglich. Doch Eberli sagt:

«Die Aussage zeigte einfach auf, wo die CVP hinschaut, nämlich eher nach rechts.»

Letztlich sei es der CVP und FDP darum gegangen, zusammen mit der SVP ihre Mehrheit auszubauen, «und uns – der stärksten Partei – nur einen Sitz zuzugestehen».

Ob die L20 versuchen wird, ihren verlorenen zweiten Sitz bei der nächsten Ersatzwahl oder bei den Gesamterneuerungswahlen 2024 zurückzuholen, ist laut Eberli noch völlig offen: «Die Strategie werden wir diskutieren müssen – ich schliesse aber nichts aus.»

Zwei, drei Stunden gefeiert – «corona-konform»

Über Sitzrückeroberungs-Strategien muss sich die Horwer SVP vorderhand keine Gedanken mehr machen: Sie ist dank Astrid David Müller bald zurück im Gemeinderat. «Die Freude und Erleichterung ist gross», sagt Co-Präsident Reto von Glutz. Die Feier am Sonntagabend hat gleichwohl nicht überbordet: «Zwei, drei Stunden, natürlich corona-konform», so von Glutz.

Sie hätten bereits im Wahlkampf bei den Standaktionen viele positive Feedbacks erhalten. «Der Tenor war, dass sie Astrid David Müller wählen würden, weil sie eine bürgerliche Frau ist – das machte uns Mut», sagt er. Zum Sieg verholfen hat der SVP jedoch vor allem der Schulterschluss mit CVP und FDP. «Ein Schlüsselelement, das wir mehr pflegen müssen», so von Glutz. Nun, es kommt wohl auf die Kandidatur an. Bei der Ersatzwahl 2019 hatten FDP und CVP abgeblockt. Letztere, weil ihr der damalige SVP-Kandidat Oliver Imfeld zu rechts war. Astrid David Müller hatte damals in der internen Ausmarchung gegen ihn den Kürzeren gezogen. Von Glutz sagt:

«Ich bin froh, dass sie sich erneut zur Verfügung gestellt hat.»

Pol-Parteien seien mehr gefordert bezüglich Kandidaturen. Er legt aber Wert darauf, wonach die SVP ihre Kandidaturen «auch in Zukunft selbst bestimmen kann und nicht, dass andere Parteien die Personen vorschreiben.»

Dass im Schlussspurt aus SVP-Kreisen in Leserbriefspalten «kritische Stimmen» gegen Jörg Stalder laut wurden, wie es von Glutz formuliert, stellt er nicht in Abrede: «Wir haben jedoch Geschichten erfahren, die nicht zur Selbstdarstellung von Jörg Stalder gepasst hatten.» Von Glutz sagt:

«Am Ende ist jeder Leserbriefschreiber selber für seine Einsendung verantwortlich.»


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