Linke schnappt der SVP einzigen Gemeinderatssitz weg

HORW LU ⋅ Die Überraschung ist perfekt: Jörg Stalder wird neuer Gemeinderat in Horw – womit die L20 neu zwei von fünf Exekutivmitglieder stellt. Lange Gesichter hingegen bei der SVP: Oliver Imfeld konnte den Sitz für seine Partei nicht verteidigen.

23. Juni 2019, 13:09

Roman Hodel

Ein Sitz war beim zweiten Wahlgang der Gemeinderats-Ersatzwahl vom Sonntag in Horw noch zu vergeben: Jener des zurücktretenden Robert Odermatt von der SVP. Ihr Kandidat Oliver Imfeld hätte ihn verteidigen sollen, doch er erzielte 1171 Stimmen und verpasste die Wahl, wie die Gemeinde Horw am Sonntag mitteilte. «Ich bin nicht enttäuscht», sagt Imfeld. Die Wahl von Jörg Stalder sei das Resultat «einer verfehlten Politik von FDP und CVP »– durch deren Verhalten sei nun ein bürgerlicher Sitz weg. Die SVP freue sich auf Oppositionspolitik in den nächsten Monaten – und auf die Gesamterneuerungswahlen nächstes Jahr. Imfeld sagt: «CVP und FDP haben uns ja bereits ihre Unterstützung zugesichert, wenn wir die richtige Kandidatin bringen.»

In Festlaune ist dafür die L20. Ihr Kandidat Jörg Stalder holt am meisten Stimmen mit 1427 und ist damit gewählt. Die L20 stellt neu und erstmals zwei von fünf Gemeinderäten. «Das ist natürlich grossartig», sagt Jörg Stalder. Und er hofft, dass es auch Bestand haben wird – nächstes Jahr sind bereits Gesamterneuerungswahlen. Als Bisheriger werde er zu diesen in einer guten Position antreten. Über das deutliche Wahlergebnis freut sich Stalder sowieso: «Ich hatte in den letzten Wochen viele gute Rückmeldungen, aber trotzdem kann man sich nie sicher sein, dass es klappt.» Er freue sich nun darauf, sich als Gemeinderat für Horw zu engagieren.

43 Stimmen für SVP-Mitglied, das nicht kandidierte

Francesca Schoch (FDP) verpasste die Wahl ebenfalls, mit 1142 Stimmen – also nur 29 Stimmen weniger als Imfeld. Sie sagt dazu: «Das ist ein kleiner Abstand, was mich freut, wenn man bedenkt, dass ich eine politische Quereinsteigerin bin.» Dennoch sei zuerst etwas enttäuscht gewesen über die Nichtwahl. Dass die FDP mit dem Portieren von Schoch stille Wahlen verhindert und damit den Sitzgewinn für die L20 erst möglich gemacht hat, mit diesem Vorwurf seitens SVP könne sie leben: «Zumal ja die CVP auch noch ihren Teil dazu beigetragen hat.» Im Übrigen seien Gemeinderatswahlen Personenwahlen. Schochs Gesicht wird man jedenfalls nächsten Frühling wieder auf Plakaten sehen – sie plant, für den Einwohnerrat zu kandidieren.

Schliesslich votierten am Sonntag auch noch 43 Horwerinnen und Horwer für das SVP-Mitglied Astrid David Müller. Diese kandidierte zwar gar nicht, aber die CVP empfahl die ehemalige Fraktionschefin zur Wahl. Sie hatte sich ursprünglich auch für das Amt interessiert, unterlag aber in der internen Ausmarchung gegen Imfeld.

Nicht nur wegen dieser umstrittenen CVP-Empfehlung war der zweite Wahlgang, in dem nur noch das einfache Mehr nötig ist, mit Spannung erwartet worden. So sorgte etwa auch noch ein Flyer zum Wahlpodium vom 11. Juni, der in alle Horwer Haushalte verteilt wurde, für Unmut bei den Parteien. Grund: Auf der Rückseite wurde ausschliesslich für Oliver Imfeld geworben. Doch nicht nur das: Als Organisator des Podiums trat eine Gruppe namens «Gewerbe Horw» auf. Schoch und Stalder monierten, dass dies suggeriere, der Gewerbeverein würde dahinter stehen. Was tatsächlich nicht der Fall war. Die Organisatoren stammten aus dem Umfeld von Imfeld.

Claudia Röösli bereits am 19. Mai gewählt

Nötig war der zweite Wahlgang, weil im ersten einzig Claudia Röösli (L20) das absolute Mehr erreicht hatte. Sie verteidigte am 19. Mai den Sitz des ebenfalls zurücktretenden Gemeinderats Oskar Mathis (L20) mit einem Glanzresultat. Imfeld hingegen verpasste das absolute Mehr um über 200 Stimmen. Schoch erzielte als politische Quereinsteigerin einen Achtungserfolg. Beide traten im zweiten Wahlgang nochmals an. Überraschend portierte die L20 in letzter Minute mit Jörg Stalder nochmals einen Kandidaten.

Der Horwer Gemeinderat setzt sich ab 1. Oktober wie folgt zusammen: Gemeindepräsident Ruedi Burkard (FDP, bisher), Finanzvorsteher Hans-Ruedi Jung (CVP, bisher), Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP, bisher), Claudia Röösli (L20, neu) und Jörg Stalder (L20, neu).


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