Hausärzte in der Notfallpraxis des Luzerner Kantonsspitals: Das heutige Modell ist überholt

LUZERN ⋅ Die Hausärzte der Stadt Luzern und Umgebung sind unter den heutigen Bedingungen nicht länger bereit, Einsatz in der Notfallpraxis des Spitals zu leisten. Handlungsbedarf besteht unter anderem bei der Triage.

14. Februar 2020, 05:09

Evelyne Fischer

Heute bestellt, gleichentags geliefert: Was im Onlinehandel gang und gäbe ist, gilt seit längerem auch fürs Gesundheitswesen. Medizinische Leistungen sollen umgehend zur Verfügung stehen. Statt den Termin des Hausarztes abzuwarten – sofern ein solcher noch vorhanden ist – suchen immer mehr Menschen gleich den regulären Notfall auf. Oder eine Notfallpraxis ohne nötige Voranmeldung wie jene des Kantonsspitals Luzern. Und dies längst nicht nur in lebensbedrohlichen Situationen.

Die «24notfallpraxis», die vom Kantonsspital in Kooperation mit der Luzerner Ärztegesellschaft betrieben wird, gleicht heute einem Ambulatorium mit sehr langen Öffnungszeiten. Vom einstigen Ziel, den regulären Notfall zu entlasten, hat sich die Einrichtung weit entfernt. Dass die Ärztegesellschaft daher eine Standortbestimmung machen will und den Rahmenvertrag mit dem Spital gekündigt hat, ist richtig. Aufgrund der Auswüchse unserer 24-Stunden-Gesellschaft ist das 12-jährige Modell überholt.

Gefragt sind eine Anschlusslösung und Massnahmen, welche die Triage von echten Notfällen und blossen Bagatellen forcieren. Dazu gehört das Notfalltelefon der Luzerner Hausärzte. Dass die Nummer kostenpflichtig ist, hält Bagatellfälle womöglich vom Griff zum Hörer ab. Fraglich ist, ob es eine neue Trägerschaft bräuchte. In der Poleposition: der Kanton. Denn angesichts des Bestrebens «ambulant vor stationär» ist er der grösste Profiteur von jedem vermiedenen Notfall-Patienten.


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