Happige Massnahme in der Luzerner Hotellerie: Astoria-Gruppe muss wegen Coronakrise 42 Angestellte entlassen

LUZERN ⋅ Der Chef der Stadtluzerner Hotels Astoria, Renaissance und «The Hotel» sagt, warum die Kündigungen notwendig waren – und schliesst weitere Entlassungen nicht aus.

03. Juni 2020, 05:09

Alexander von Däniken

Alexander von Däniken

Luzern verzeichnet bestes Reisewetter – aber kaum Touristen. Die Coronakrise schlägt vor allem bei Hotelbetrieben zu. Urs Karli, Chef der Stadtluzerner Hotels Astoria, Renaissance und The Hotel, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung: «Wir bedauern sehr, dass wir in unseren drei Hotels per 31. Mai 42 Mitarbeiter entlassen mussten.» Mehr noch: Per Ende Juni verlieren «wahrscheinlich» nochmals 71 Angestellte ihren Job.

Betroffen sind Mitarbeiter im Beherbergungs- und Seminarbereich, aber keine aus dem Restaurant- und Barbereich. Insgesamt beschäftigt Karlis Unternehmen rund 260 Angestellte. Die Entlassungen können laut dem Hotelier nicht durch Frühpensionierungen aufgefangen werden. «Unsere Hotels sind geschlossen und machen seit dem 15. März keinen Umsatz mehr», begründet Karli. Die Restaurants sind seit dem 11. Mai zwar wieder offen, «aber wegen der Distanzvorschriften schaffen wir nur 40 Prozent des Vorjahresumsatzes». Die Kurzarbeit sei auf bis Mitte September begrenzt, die Hotels blieben aber voraussichtlich bis im vierten Quartal geschlossen.

Hotels waren Ende 2019 für dieses Jahr ausgebucht

Noch vor einem halben Jahr hatte alles gut ausgesehen, wie der Hotelier ausführt: «Unsere Hotels waren Ende 2019 für das Jahr 2020 praktisch ausgebucht. Wir erwarteten ein Rekordjahr. Dann kam Corona und sämtliche Buchungen wurden annulliert.

Rund 90 Prozent der Stadthotels in Luzern und in der Schweiz ergehe es gleich. Sie seien deshalb geschlossen.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus haben zahlreiche Länder ihre Einreisebestimmungen verschärft; mit Einschränkungen im Reiseverkehr ist noch lange zu rechnen. «Unsere grössten Kunden haben vorerst bis Ende Saison 2020 praktisch alle Gruppenreisen annulliert. In persönlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen unserer Tour Operators hat sich herausgestellt, dass bis Ende Jahr keine Gruppenreisen aus Übersee stattfinden werden.» Erwartet werde erst 2022 eine Normalisierung des Reiseverkehrs.

Urs Karli, der auf das Alter angesprochen sagt, er gehöre zur Coronarisikogruppe, hat das «Astoria» 1973 als Geschäftsführer übernommen und 1988 erworben.

«Ich bin nun seit über 40 Jahren in der Hotellerie tätig, aber eine solche Tourismuskrise habe ich noch nie erlebt.»

Er hofft für die ganze Wirtschaft, dass die Krise bald vorüber ist, und ist optimistisch: Ein Verkauf eines Hotels stehe nicht zur Diskussion. Vielmehr will Karli nach der Krise seine Hotels und Gastronomie zu neuen Höhen führen.

Belegschaft wurde ordnungsgemäss über Schritt informiert

Die zuständige Behörde des Kantons Luzern hat Kenntnis von den Entlassungen. Martin Bucherer, Leiter von WAS-Wira Luzern: «Das Konsultationsverfahren wurde ordnungsgemäss in die Wege geleitet.» Das Verfahren verlangt vom Arbeitgeber, dass er die Belegschaft über eine geplante Massenentlassung informiert – noch bevor er sie definitiv beschliesst. So soll diese die Gelegenheit erhalten, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Entlassungen vermieden werden könnten. «Wir bedauern jeden Schritt, der zu Entlassungen von Arbeitnehmenden führt», sagt Bucherer. Weitere Entlassungen aus dem Tourismus- oder Hotelleriebereich sind ihm nicht bekannt.

Von den Entlassungen in den Astoria-Hotels hatte Conrad Meier, Präsident des Branchenverbands Luzern Hotels, bis auf unsere Anfrage keine Kenntnis. Da die Hotelgruppe nicht zu den Verbandsmitgliedern gehört, will Conrad Meier die Entlassungen auch nicht kommentieren. Zur generellen Lage sagt er:

«Es herrscht derzeit eine grosse Unsicherheit. Niemand weiss, wann die ausländischen Touristen wieder nach Luzern und in die Zentralschweiz kommen.»

Zwar gebe es auf Anfang September erste Reservationen von Tour Operators, doch dies als ersten Durchbruch zu werten, dafür sei es noch zu früh. Viel hänge deshalb von den Schweizern ab. Meier hofft, dass sich nicht nur jene, die regelmässig ihre Sommerferien in der Region verbringen, für einen Hotelaufenthalt in Luzern entscheiden. Er appelliert an alle, die mit baldigen Ferien im Ausland liebäugeln: «Unsere Region ist so schön. Es bietet sich vor allem jetzt an, hier Ferien zu machen.»


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