Die kleine Blechmarke aus Rothenburg ist das Eintrittsticket an die Fasnacht

LUZERN ⋅ Die Luzerner Fasnachtsplakette ist ein Schmuckstück und wird in einem kleinen Betrieb in Rothenburg hergestellt. Es ist fast wie Guetzli-Ausstechen, nur sehr viel aufwendiger und anspruchsvoller.

12. Februar 2019, 20:10

Roger Rüegger

Roger Rüegger

Roger Rüegger

Roger Rüegger

Eine Plakette zu tragen, ist an der Fasnacht Ehrensache. Sie ist ein Zeichen der Wertschätzung und quasi die Eintrittskarte für die närrischen Tage. Mit dem Erlös aus dem Plaketten-Verkauf ermöglicht etwa das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK) die Durchführung der Umzüge, organisiert Maskenkurse und unterstützt soziale Institutionen.

Das Buntmetallabzeichen des Luzerner LFK wird in Handarbeit gefertigt. Es ist in Kupfer, Silber und in einer Luxus-Gold-Edition erhältlich. In der Mitte der Plakette thront der Königs-Böög der Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern. Diese feiert heuer ihr 200-Jahre-Jubiläum. Wer sich eine dieser Plaketten ans Revers oder irgendwo sonst an seine Kleidung heftet und sie genauer anschaut, merkt rasch, dass es sich nicht um ein billiges Plättchen aus einer Giesserei in China handelt.

Die LFK-Plaketten werden seit 2016 von der Gravura Kunstpräge GmbH in Rothenburg in einem aufwendigen Verfahren in drei Grössen hergestellt. Es handelt sich um ein kleines Unternehmen mit 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. «Bis die Plakette verpackt und versandfertig ist, wird sie 36-mal in die Hand genommen», erklärt Inhaber Christoph Sapper. Am Beispiel der LFK-Plakette 2019 erklärt er den Vorgang: «Der Langenthaler Künstler Rolf Uhlmann, der vom LFK dieses Jahr als Plakettenkünstler auserkoren wurde, lieferte uns die Zeichnung.» Danach habe die Gravura-Grafikabteilung die Skizze überarbeitet.«Nachdem das Resultat vom LFK und dem Künstler genehmigt wurde, formten wir in Handarbeit ein 3-D-Gipsmodell.» Das sieht dann so aus:

«Von diesem wurde eine negative Form abgenommen, die wir mit Kunstharz ausgegossen haben.» Das Ergebnis sei «ein massives Modell, das als Basis für die Herstellung des Prägestempels dient». Als nächster Schritt wurde das Kunstharzmodell in eine alte, genial einfache Reduziermaschine gespannt. Auf ihr wird das sich drehende Modell abgetastet. Ein Hebel überträgt die Konturen verkleinert an ein Schneidewerkzeug. Dieses fräst das Relief in einen ebenfalls eingespannten Stahlklotz, der so zum Prägewerkzeug wird. Dieser Stahlstempel könnte in der Gravura alternativ auch mit Lasertechnik hergestellt werden. Dieses Verfahren ist aber teurer.

Den Prägestempel kann man mit einem Siegelring vergleichen. Im Fall der Plakette wird er aber nicht in Wachs gedrückt, sondern in Blech – mit einem Druck von 400 Tonnen. Das Resultat ist die geprägte Plakette. In Rothenburg wird dafür 3 Millimeter dünnes Kupferblech verwendet. Zuerst wird daraus die Form der Plakette gestanzt, fast so wie beim Guetzli-Ausstechen. Danach erfolgt die Prägung mit dem Stempel – ein Vorgang ähnlich der Herstellung von Münzen. In einem späteren Arbeitsgang wird die Plakette nachgestanzt. Der letzte mechanische Vorgang ist das Befestigen der Nadel.

Danach wird die Plakette mit einer Schwefelflüssigkeit geschwärzt, getrocknet, gebürstet, lackiert und erhält so ihren speziellen Charakter. Es ist auch möglich, Plaketten zu giessen. Dabei fallen das Stanzen und Prägen und somit das Herstellen der Stanz- und Prägewerkzeuge weg. Für Christoph Sapper ist dies aber keine Option: «Nie würde ich in meinem Betrieb Gussplaketten anfertigen. Unser Geschäft ist das Prägen von Münzen, Medaillen und auch Kranzabzeichen in hoher Qualität, was seinen Preis hat.»

Nur drei Betriebe in der Schweiz prägen Plaketten

Er sei nicht gegen das Giessverfahren – nur eben nicht in seinem Betrieb. Weil er in Rothenburg aber eine Rundumbetreuung für Kunden anbietet, erfüllt er auch solche Wünsche. «Wir sind Ansprechpartner bei der Gestaltung von Plaketten und beraten unsere Kunden. Wenn eine Gesellschaft mit kleinem Budget Plaketten herstellen lassen will, müssen sie auf güntigere Gussprodukte ausweichen. In diesen Fällen geben wir den Auftrag an einen Hersteller in Asien, der unsere Aufträge ausführt», sagt er. In der Schweiz prägen nur noch zwei weitere Betriebe Münzen und Plaketten wie die Gravura in Rothenburg, eine in Basel und eine in der Westschweiz.

Warum kam ein Künstler aus Langenthal zum Handkuss?

«Für uns ist es wichtig, dass hochwertige Plaketten in der Schweiz produziert werden», sagt LFK-Medienchef Peti Federer. «Neben den Kupfer- und Silberplaketten werden veredelte Varianten produziert, wie der Silber-Pin oder die nummerierten Goldplaketten.

Wir sind auf das Know-How des Herstellers angewiesen, damit aus einem guten Entwurf eine gute Plakette wird.» Warum hat ein Langenthaler das Sujet entworfen? Federer: «Die Wahl der Sujets erfolgt anonym.» Auch nach der Auswahl werde intern der Gewinner nicht kommuniziert. Dieses Geheimnis spare man bis zur LFK-Präsentation auf. Dass Uhlmann zum Handkuss komme, der übrigens zum zehnten Mal in Luzern einen Entwurf eingereicht habe, sei nur ein Teil der Geschichte. «Er ist in Luzern geboren und verbrachte die ersten Lebensjahre hier – mit der Berührung zur Lozärner Fasnacht», so Federer.


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