Das Krienser Stadthaus hat in der Nachbarschaft neuerdings eine Kopie – zum Ärger von Politikern und Architekten

LUZERN ⋅ Die bronzefarbene Alufassade ist ein Merkmal des neuen Krienser Stadthauses. Dass ein Nachbargebäude nach der Sanierung eine identische Farbe aufweist, findet CVP-Einwohnerrat Kurt Gisler ein Affront. Er ist nicht der Einzige.

12. Februar 2019, 11:46

Roman Hodel

Roman Hodel

Roman Hodel

Es sind markige Worte, die der Krienser CVP-Einwohnerrat Kurt Gisler in seiner neusten Interpellation wählt: «Das Erscheinungsbild des neuen Krienser Stadthauses wird in inakzeptabler Weise konkurrenziert», heisst es da. Und weiter: «Durch die praktisch identische Farb- und Materialwahl und dies noch in mangelhafter architektonischer Qualität, wird die einmalige Chance zur weiteren positiven Entwicklung des Krienser Ortszentrums verpasst.»

Stein des Anstosses ist die frisch sanierte Fassade des Nachbargebäudes an der Luzernerstrasse 11. Sie besteht aus bronzefarbenem Aluminium und ähnelt auffällig jener des neuen Stadthauses. Denn diese ist ebenfalls aus dem selben Material gefertigt und in einem Bronzeton gehalten, wenn auch einem dunkleren. Zudem weist das Stadthaus deutlich mehr Fenster auf. Trotzdem findet Gisler, dass das neue Vorzeigegebäude der Stadt Kriens durch das Nachbarhaus an Glanz verliere:

«Die schlechte Imitation stört das Stadthaus, das ein Blickfang ist.»

Gisler will vom Stadtrat in der Interpellation deshalb wissen, ob die Fassadengestaltung der Luzernerstrasse 11 seinen Vorstellungen bezüglich Entwicklung des Ortszentrums entspricht. Auch interessiert ihn, ob die Gestaltung mit der erteilten Baubewilligung übereinstimmt. Weiter fragt er, welche Überlegungen der Baubewilligung bezüglich Farb- und Materialwahl zugrunde liegen.

Gar nicht erfreut über die Ähnlichkeit sind auch die Architekten des Stadthauses: «Wir mussten vor wenigen Wochen ebenfalls zur Kenntnis nehmen, dass das benachbarte Haus mit einer Aluminiumfassade eingekleidet wird, die in bestimmten Lichtsituationen und aus gewissen Positionen fast identisch mit der gewählten Fassade des Zentrum Pilatus erscheint», sagt Daniel Krieg, Mitglied der Geschäftsleitung des Badener Architekturbüros Burkard Meyer. Für sie sei unverständlich, dass ein Nachbargebäude nun nahezu dieselbe Materialität und Farbe aufweise wie der neue Zentrumsbau mit seiner prägenden Setzung und spezifischen Nutzung. Krieg sagt:

«Unserer Meinung nach wird damit das Krienser Stadthaus banalisiert und das Stadtbild ist in seiner Ausgewogenheit tangiert.»

Die kritisierte Liegenschaft besteht aus zwei Hochbauten, stammt aus den späten 1960er Jahren und ersetzte damals den Gasthof Linde. Lange Zeit war hier die Krienser Filiale des Bankvereins untergebracht (heute UBS). Die Imolog AG hat die Liegenschaft vor fünf Jahren der UBS-Pensionskasse abgekauft. Jürg Linsi als Vertreter der Imolog kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Dass wegen der neuen Fassade im Einwohnerrat sogar ein Vorstoss eingereicht wurde, erstaunt ihn erst recht. Aber:

«Es ist Herr Gislers gutes Recht und die Beurteilung sein persönlicher Geschmack – ich jedenfalls habe viele positive Reaktionen erhalten.»

Linsi sagt, er habe die Farbe und das Material nicht wegen des Stadthauses gewählt: «Als wir die Baubewilligung 2017 erhielten, war dessen Fassade ja noch gar nicht sichtbar – die Ähnlichkeit ist zufällig.» Im Austausch mit der Behörde habe man im Bewilligungsverfahren nach diversen Bemusterungen die Fassade bestimmt. Grundsätzlich sei es bei der Sanierung darum gegangen, eine «veraltete und unschöne» Fassade energetisch zu sanieren und optisch der heutigen Zeit anzupassen. Zusätzlich wurde einer der beiden Hochbauten um eine Etage aufgestockt. So entstanden zwei Maisonette-Wohnungen.

Tatsächlich habe er sich bezüglich Farbe und Material von zwei Wohnhochhäusern mit bronzefarbenen Alufassaden in Cham inspirieren lassen. Diese stehen seit 2014 nahe der Autobahnausfahrt.

«Bronze scheint mir momentan sowieso im Trend, schauen Sie sich nur mal das neue Hochhaus im Mattenhof an», sagt Linsi und ergänzt: «Jeder holt sich irgendwo Inspiration.» Als Beispiel nennt er das anthrazitfarbene Ring-Center im Krienser Schweighof-Quartier, das ebenfalls einer Immobiliengesellschaft der Linsi-Gruppe gehört: «Dafür diente der Rolex-Hauptsitz in Biel als Impuls.»

Wir waren bei der Eröffnung des Krienser Stadthauses mit Videokamera dabei:


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