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Luzerner Kantonspolitik

Lüpfige Töne im Kloster und Geschenkpapier: Die Mitte geht auf Reisen

Nach einem Jahr Pause haben die Parteien des Luzerner Kantonsrats wieder einen Ausflug unternommen. Die Mitte zog es in die Gemeinde Werthenstein. Dort sorgte ein alt Regierungsrat für Unterhaltung.

Erstmals seit zwei Jahren – schuld war Corona – hat wieder ein Ausflug der Kantonsratsfraktionen stattgefunden. Die Mitte-Partei inklusive der beiden Regierungsräte Guido Graf und Reto Wyss reiste am Dienstagmittag mit dem Car in Richtung Westen, genauer in die Gemeinde Werthenstein. Erster Halt war das Kloster, das majestätisch über einer Flussschlaufe thront. Unterhalten wurde die Mitte-Fraktion von lüpfigen Ländler-Klängen eines Trios, dessen Schwyzerörgeli-Spieler sich bei näherem Hinsehen als alt CVP-Regierungsrat Anton Schwingruber entpuppte.

Er war es auch, der den Gästen nach dem Essen mit einer humorvollen Rede und viel Schalk die Geschichte des Orts näherbrachte – Schwingruber wohnt nur einen Steinwurf vom Kloster entfernt. Dessen Gründung gehe auf einen goldschürfenden Holländer zurück, der vor mehr als 500 Jahren eines Abends sein Nachtlager an der Kleinen Emme aufschlug. Über den Ruinen der ehemaligen Burg, die an der Stelle des heutigen Klosters stand und im Umfeld der Schlacht von Sempach zerstört wurde, soll ihm ein Engel erschienen sein, erzählte Schwingruber.

Der Holländer blieb fortan und wurde zu einem Waldbruder, zu dem die Leute mit ihren Sorgen pilgerten. Aus der 1520 errichteten Kapelle entstanden knapp 100 Jahre später eine Kirche und ein Kloster. Mit rund 80'000 Pilgern jährlich soll es angeblich der zweitgrösste Schweizer Wallfahrtsort nach Einsiedeln gewesen sein. «Da haben sie wohl eine Null zu viel angehängt», meinte Schwingruber augenzwinkernd.

Ebenfalls kurzweilig waren seine Ausführungen zur Gemeinde Werthenstein, die kein eigentliches Zentrum aufweist, sondern sich aus den drei Ortsteilen Schachen, Werthenstein und Wolhusen-Markt zusammensetzt. Letzterer ist mit Wolhusen zusammengewachsen – und Sitz der Stewo International AG, welche die Mitte-Fraktion als weiteren Programmpunkt besichtigte. Rund 90 Mitarbeitende produzieren in Wolhusen Geschenkpapier, das in über 40 Länder geliefert wird.

Geschenkpapier reicht fast bis zum Mond

Aufgrund des hohen Politik-Besuchs reiste eigens ein Mitglied der Besitzerfamilie aus Deutschland an. Die Stewo wieder auf Kurs zu bringen sei eine Herzensangelegenheit gewesen, sagte Jan Schneider von der Schneider-Gruppe, welche die konkursite Stewo vor 13 Jahren übernommen hat. Rund 10 Millionen Franken habe man seither in den Standort Wolhusen investiert. Laut Geschäftsleitungsmitglied Daniel Schaffo würde das in Wolhusen jährlich produzierte Geschenkpapier ausgerollt fast bis zum Mond reichen.

Um einiges weniger weit reiste anschliessend die Mitte-Fraktion: Sie liess den Abend bei einem Nachtessen im Tropenhaus Wolhusen ausklingen.

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