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Zug

Jetzt nimmt der Widerstand Fahrt auf: Eine Interessengemeinschaft wehrt sich gegen den Abbau der Grund- und Notfallversorgung im Ennetsee

Mit der Überarbeitung der Spitalliste beabsichtigt die Gesundheitsdirektion des Kantons Zug, der Hirslanden Andreas-Klinik in Cham den Auftrag für die Grund- und Notfallversorgung zu entziehen. Eine IG versucht nun mit einer Petition, die Regierung zum Einlenken zu bewegen.

Die beiden Co-Leiter der Interessengemeinschaft (IG) Wahlfreiheit Kanton Zug Jean-Luc Mösch, Kantonsrat Die Mitte Cham, und Josef Huwiler, Unternehmer aus Cham, sowie die Vertreterinnen und Vertreter Jill Nussbaumer, Kantonsrätin FDP Cham, Adrian Risi, Kantonsrat SVP Zug, und Brigitte Wenzin Widmer, Kantonsrätin SVP Cham, informierten am 23. September über ihre neu lancierte Petition mit dem Ziel, den aktuellen Stand des medizinischen Versorgens an der Andreas-Klinik Cham zu erhalten. Sobald 5000 oder mehr Unterschriften beisammen sind, will die IG der Zuger Regierung die Petition überreichen.

Grund dafür ist die Absicht der Zuger Gesundheitsdirektion, der Andreas-Klinik Cham im Rahmen der Überarbeitung der Spitalliste ab 2023 den Auftrag für die Grund- und Notfallversorgung zu entziehen.

Leistungsabbau bei steigendem Bedarf

«Mit den beiden Spitälern haben wir ein Erfolgsmodell, das ohne Not und plausiblen Grund geändert werden soll», betonte Huwiler. Die Andreas-Klinik sei versorgungsrelevant für den Kanton Zug und vor allem für die Region Ennetsee. «Es finden jährlich mehr als 5000 Notfallbehandlungen statt. Zwei Drittel aller Patientinnen und Patienten sind überdies lediglich grundversichert.»

Der Klinik die Grund- und Notfallversorgung zu entziehen, schwäche die Region Ennetsee, die das stärkste Wachstum im Kanton Zug aufweise. Es sei also ein Leistungsabbau bei steigendem Bedarf. «Kommt noch dazu, dass die Andreas-Klinik jüngst für zwei Millionen Franken ihre Notfallstation erneuert hat», ergänzte Huwiler. Ein solch drastischer Schritt gefährde die Existenz der Klinik und der 400 Arbeitsplätze. «Vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels ist das absolut unverständlich.»

Der Kanton baut seine Monopolstellung aus

Die Massnahme senke die Kosten nicht, sondern verlagere sie lediglich, weil das Kantonsspital entsprechend ausgebaut werden müsse. «Gemäss einem Gutachten der Uni Basel weist der Kanton Zug schweizweit die niedrigsten Zuschüsse pro Fall aus. Aus Kostengründen besteht also keinerlei Handlungsbedarf», so Huwiler. Der Kanton wolle seine Monopolstellung ausbauen, die Privatklinik habe das Nachsehen. «Es steht zu befürchten, dass viele Patientinnen und Patienten in andere Kantone abwandern werden.»

«Wir setzen uns für die Andreas-Klinik ein, weil unter dem geplanten Versorgungsabbau nicht nur die Klinik, sondern die gesamte Gesundheitsversorgung im Kanton Zug leidet», erklärte Jean Luc Mösch. Fakt sei, der Kanton Zug verfüge heute über eine qualitativ hochstehende Spitalversorgung. Das Zuger Kantonsspital und die Andreas-Klinik würden sich sehr gut ergänzen und partnerschaftlich und patientenorientiert zusammenarbeiten.

«Die neue Spitalliste gefährdet dieses Erfolgsmodell und schränkt die Behandlungsmöglichkeiten für die Bevölkerung ein», führte Mösch aus. Der Gesundheitsdirektor amte wie ein Schiedsrichter, der seine eigene Mannschaft bevorzuge.

Abbau am Tag nach Covid-19?

«Die Zuger Bürgerinnen und Bürger sollen die Wahl haben, wo sie sich behandeln lassen», forderte Jill Nussbaumer, Kantonsrätin (FDP/Cham). «Wenn irgendwo abgebaut werden sollte, dann bei den spezialisierten Leistungen, nicht aber bei der Grundversorgung», ist sie überzeugt.

Covid-19 habe gezeigt, dass man sehr froh sei um die Kapazitäten von zwei Kliniken, stellte Adrian Risi, Kantonsrat (SVP/Zug), klar. «Das dürfen wir nicht am Tag danach schon wieder vergessen.»

Brigitte Wenzin Widmer, Kantonsrätin (SVP/Cham), gab zudem zu bedenken, dass von dem Regierungsentscheid auch die äusserst beliebte Geburtenabteilung betroffen wäre. «Statt Leistungen abzubauen, könnte man die Zusammenarbeit zwischen den beiden Spitälern weiter optimieren», schlug sie vor.

Die IG Wahlfreiheit Kanton Zug fordere die Gesundheitsdirektion dazu auf, ihren Entscheid zu revidieren, schreibt die IG abschliessend in ihrer Medienmitteilung.

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