notifications
Luzern

Drei Bahnhofplätze in Luzern? Architektin Jauch: «Das sehe ich noch nicht so ganz»

Mit dem Durchgangsbahnhof wird das Luzerner Bahnhofsgebiet neu organisiert. Die Stossrichtung der Testplanung kommt bei Fachleuten gut an – doch sie orten einige heikle Punkte.
(Visualisierung: Güller Güller, Atelier Brunecky)
Der fast ganz freigespielte Bahnhofplatz gemäss einer Vision des Teams Güller Güller. (Visualisierung: Güller Güller, Atelier Brunecky)

Roman Hodel

Roman Hodel

Rund um den Luzerner Bahnhof wird in den kommenden 20 Jahren fast alles neu. Möglich macht's der geplante Durchgangsbahnhof (DBL). Die vier unterirdischen Gleise werden nicht nur den ÖV in eine neue Dimension katapultieren, sondern auch das ganze Bahnhofsgebiet. Was das für die Stadt bedeutet und welche Chancen sich bieten, zeigt eine Testplanung auf, deren Ergebnisse im Februar vorgestellt wurden. Darüber haben am Montagabend verschiedene Exponentinnen und Exponenten am virtuellen «Städteraum-Stammtisch» der Fachzeitschrift «Hochparterre» diskutiert.

Architektinnen legen Finger auf wunde Punkte

Um die künftigen Pendlerströme abwickeln zu können, braucht's ein neu organisiertes Bahnhofgebiet. Die Testplanung schlägt deshalb etwa zur Entlastung des heutigen Bahnhofplatzes zwei weitere Bahnhofplätze vor – je Richtung Uni und Richtung Hirschmatt-Quartier. «Ich sehe das noch nicht so ganz», sagte die Luzerner Architektin Monika Jauch. «Vielleicht ist der Begriff Platz auch irreführend? Was soll deren Funktion und Charakter sein?» Beispielsweise jener auf der Seite Hirschmatt-Quartier – laut Jauch sind die Platzverhältnisse mit Blick auf die bestehenden Gebäude knapp.

Zudem fragte sie: «Wie geht man mit der Zentralstrasse um, gibt es dort nur noch Bus- und Velospuren?» Was immer hier passiere, habe viel mit Quartierverbindung und -trennung zu tun. Jauch fasste zusammen:

«Mir kommt der Städtebau bei der Testplanung bislang zu kurz.»

Auch die Luzerner Raumplanerin Rachel Gaudenz begrüsste zwar wie alle Gesprächsteilnehmenden die Stossrichtung der Testplanung. Doch sie wünscht sich weitere Visionen für das Gebiet, wovon ein grosser Teil SBB Immobilien zufallen wird: «Es braucht eine gemischte Nutzung von Arbeiten und Wohnen.» Grösster Dorn im Auge ist ihr die Verbreiterung der Unterführung Süd. «Wie sicher werden sich Fussgänger dort fühlen, wenn gleichzeitig Velofahrer durchrasen?», so Gaudenz. «Schade, hat keines der Teams eine Überführung wie bei den Bahnhöfen in Basel und Bern vorgeschlagen.» DBL-Gesamtprojektleiter Massimo Guglielmetti sagte dazu: «Unterführungen sind laut Erfahrungen der SBB sicherer und die Erweiterung hier einfacher, weil schon eine Unterführung existiert.»

Für Testplaner wird Luzern zur Grossstadt

Drei Architekten-Teams hatten ihre Vorschläge im Rahmen der Testplanung eingereicht. Dabei fehlt Moderatorin und «Hochparterre»-Redaktorin Rahel Marti jedoch das Revolutionäre. Dem entgegnete Han van de Wetering vom Team Van de Wetering:

«Lange waren Bahnhöfe einfach Verkehrsmaschinen. Dass wir fast den ganzen Bahnhofplatz freispielen wollen, würde ich schon als Revolution bezeichnen.»

Sicher «viel zu reden» gibt laut Andreas Nuetten vom Team Yellow Z ihre Idee von der autofreien Seebrücke. Ihm sei klar, dass dies Zündstoff berge. «Doch damit würden wir das ‹Postkarten-Luzern› stärken.» Als Gegenstück dazu sieht Nuetten den neuen Stadtteil mit dem «24-Stunden-Luzern» auf Teilen des heutigen Gleisfelds. Er sagte es so: «Mit dem Durchgangsbahnhof wird Luzern zur Grossstadt.» Auch dank leistungsfähiger Vorbahnhöfe mit Umsteige-Hubs in Emmenbrücke und Ebikon.

Für Michael Güller vom Team Güller Güller ist der Bahnhof künftig ein Teil der Stadt und nicht mehr ein Fremdkörper wie heute: «Damit dies gelingt, muss man aber auch dranbleiben.» Es brauche ein klares Bekenntnis von Stadt und Kanton für eine langfristige Projektstruktur. Mit der Umsetzung erster Projekte könne und müsse man bald beginnen. Das sah Rainer Klostermann, Vorsitzender des Testplanung-Begleitgremiums, gleich: «Der Dialog wird jetzt gefüttert – was es aber unbedingt braucht, ist eine Kümmerin oder ein Kümmerer seitens Stadt.» Letzteres ist gemäss Sarah Grossenbacher, Co-Leiterin Stadtplanung Luzern, bereits Tatsache: «Wir sind ein ganzes Team von Kümmerinnen und Kümmerern.»

Austausch sicherstellen, gemeinsam an einem Strick ziehen

Mit dem Wort «Kümmerer» kann Armin Camenzind, Geschäftsführer von Luzern Plus, wenig anfangen: «Ich bin ein Macher.» Er erinnerte daran, dass der Bau des DBL keinesfalls in trockenen Tüchern ist. «Wenn wir ihn haben wollen, müssen wir alle für das Projekt einstehen.» Sprich: Stadt, Kanton, Verbände, Gemeinden. Camenzind erwähnte als Beispiel die geplante SBB-Abstellanlage im Rontal: «Wir von Luzern Plus müssen den Austausch sicherstellen – nicht damit der Eindruck entsteht, nur die Stadt profitiere.»

Für Grünen-Kantonsrätin Korintha Bärtsch sind gerade die neuen Bahnhof-Hubs in Emmenbrücke und Ebikon der richtige Weg, um die Agglomeration zu stärken und die Kernstadt zu entlasten. Auch ihr ist klar, dass es auf Kantonsebene noch viel zu diskutieren gibt:

«Aber ich bin überzeugt, dass alle Beteiligten die grosse Chance, die sich hier bietet, sehen.»

Kommentare (0)