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Kultur

Diese junge Hünenbergerin denkt auf ihrer ersten EP über die Herausforderungen des Alltags nach

Viviane Zwyssig alias Vivi Lou veröffentlichte Anfang dieses Jahres ihre ersten Songs – mittlerweile wird sie bereits von kleinen und grossen Radiosendern gespielt.
Tritt Ende Januar in der Industrie 45 auf: Viviane Zwyssig alias Vivi Lou. 
Bild: Bild: Maria Schmid (Zug, 25. 11. 2023)

London 2022. Eine junge Frau tingelt durch die Southbank. Sie hält Ausschau nach einem der begehrten Spots für Strassenmusiker. Bald wird sie fündig, stöpselt die Gitarre in den Verstärker, legt los. Eine Passantin schiebt den Kopfhörer zur Seite, um genauer hinzuhören. Ein anderer nähert sich der jungen Frau und raunt ihr zu: «You just made my day.» Dann geht’s weiter. Denn die ungeschriebene Regel besagt, dass die Spots nach einer Stunde freizugeben sind.

Ein Jahr später sitzt die junge Frau in einem Café der Zuger Altstadt und lässt ihre ersten Auftrittserfahrungen Revue passieren. Seit London hat sich bei ihr einiges getan: Nach ersten Konzerten hat Vivi Lou, die eigentlich Viviane Zwyssig heisst, kürzlich ihre erstes Mini-Album (EP) veröffentlicht.

In den sechs Songs singt die 22-jährige Singer-Songwriterin aus Hünenberg über den Umgang mit den Herausforderungen des Alltags: «Sehr persönliche Erfahrungen und Emotionen in Songs so verpackt, dass sich jede und jeder irgendwo damit identifizieren kann. Jedoch trotz den schweren Themen immer noch hoffnungsvoll und inspirierend.»

Von morschem Holz und starker Glut

In «Wooden Boards» plädiert sie dafür, Probleme anzugehen und nicht einfach, ihrer eleganten Metapher folgend, «mit Holzbrettern zuzudecken». Denn das nütze nichts, irgendwann würden diese morsch werden und brächen durch: «Covering up the trenches, full of your own sorrows, doesn’t solve the real issue / it only makes it worse, when it gets hard again, and things fall apart.» Vivi Lou sagt: «Ich finde es wichtig, sich für das Lösen dieser Probleme Zeit zu nehmen – gerade in unserer schnelllebigen Epoche.»

Mit einem ähnlichen Bild beschreibt die Hünenbergerin in «Breaking Free» das Sich-Aufrappeln nach einem schweren Schlag: «Some days every step feels / like walking a mile in heels / but I won’t surrender / like wood turns into embers.» Holz verwandelt sich in Glut: Ob es Zufall ist, dass Vivi Lou sich in ihren Musikvideos und auf der Bühne gerne im Holzfällerhemd zeigt?

Sex und Drogen sind nicht gerade Themen, die Zwyssig fesseln. «Wenn du schon die Möglichkeit hast, dich in Songs auszudrücken, dann sollten deine Texte etwas aussagen - und eben auch vor schwierigen Themen nicht haltmachen», sagt Vivi Lou und nippt an ihrem Cappuccino.

Vivi Lou begleitet sich auf dem Klavier oder mit der Gitarre.
Bild: Bild: Maria Schmid (Zug, 25. 11. 2023)

Diesen Anspruch verfolgt sie nicht nur bezüglich ihrer Texte, sondern auch in der Musik. Anders als in London hört man Vivi Lou auf ihrer im Tonstudio aufgenommenen EP nicht nur mit Gitarre, sondern auch mit diversen Begleitinstrumenten. Das klingt schon so sehr nach professionellem Pop, dass man die schöne Stimme und die Intimität des sich selbst begleitenden Songwriters fast schon vermisst.

Sehr präsent auf dem Internet

Seit Vivi Lou Anfang dieses Jahres ihre ersten Lieder veröffentlicht hat, beschäftigt sie sich aktiv mit deren Verbreitung im Internet: «Ich war nie sonderlich begeistert von Social Media, aber es gehört eben dazu.»

Das merkt man ihr gar nicht an, wenn sie in ihren Youtube-Videos über die Entstehung ihrer Songs Auskunft gibt. Dabei folgt Zwyssig einem eigens gefertigten Plan, wann sie was wo postet. Die gelernte Tiefbauzeichnerin, die zurzeit ein Studium in Medizintechnik absolviert, behält gerne den Überblick.

Der Aufwand lohnt sich offensichtlich, denn mittlerweile haben bereits kleinere und grössere Radiosender wie SRF und Radio Swiss Pop Songs von ihr gespielt. Die Sender bedienen sich hierfür einer Onlineplattform, auf der Künstler wie sie ihre Songs den Radios zur Verfügung stellen.

Zurzeit ist Vivi Lou wieder auf der Suche nach neuen Spots: 2024 würde sie gerne weitere Konzerte spielen: «Ich finde das Erlebnis, auf der Bühne zu stehen, meine eigenen Songs zu spielen und dann zu merken, wie sich das Publikum darin wiedererkennt, etwas vom Schönsten.»

Vivi Lous Album «The Truth Is» ist unter anderem auf Spotify verfügbar. Ihr nächstes Konzert findet am 20. Januar um 19.30 Uhr in der Industrie 45 in Zug statt.

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