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Elektrizität

Die Kunsteisbahn Zug sucht fieberhaft nach dem Stromschnäppchen

Damit in der Bossard-Arena bald mehr als nur die Stalllaterne brennt, muss deren Betreiberin eine Stromquelle finden, die ab Neujahr 2023 zu einem stemmbaren Preis Energie liefert. Die Stromsuche ist aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage jedoch sehr schwierig.

Das aktuelle Szenario mit der drohenden Strommangellage erwischte den Geschäftsführer der Kunsteisbahn Zug AG (KEB), Daniel Wiederkehr, wie auch den KEB-Verwaltungsrat auf dem linken Fuss. Dass sie in dieser verzwickten Lage in Europa nicht alleine sind, dürfte ihnen ein schwacher Trost sein.

Ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit kam diese Unpässlichkeit durch einen Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 15. September 2022.

Der Verwaltungsrat der KEB, dessen Mitglieder mehrheitlich schon lange im Amt sind, äussern sich jetzt erstmals zur aktuellen Situation. Der Sprecher des Gremiums, der Zuger Stadtrat André Wicki, betont: «Wir beobachten die Strommarktsituation seit geraumer Zeit. Bereits im April und in den Folgemonaten wurden periodisch mehrere Energielieferangebote eingeholt.»

Wicki, der für die Stadt Zug als Eigner der Kunsteisbahn im Verwaltungsrat sitzt, lässt sich noch etwas genauer in die Karten schauen: «Fakt ist, dass alle Angebote zwischen vier- und zehnmal höher waren als die bisherigen Stromkosten.» Der aktuelle Stromdeal hat noch bis Silvester 2022 seine Gültigkeit.

Noch ist nichts unterschriftsreif

Der aktuelle Stromlieferant sei, so erklärt André Wicki, die WWZ, die auf dem Platz Zug sehr gut positioniert ist. Die KEB-Spitze habe auch schon wiederholt mit Exponenten der WWZ konferiert.

Der Stadtrat André Wicki begründet, dass bis anhin noch nichts unterschriftsreif sei, mit den aktuellen Ungewissheiten: «Die Preissituation auf dem Strommarkt ist die treibende Kraft und der Grund, wieso es noch nicht zu einem neuen Vertragsabschluss gekommen ist.»

KEB-Verwaltungsratsmitglied André Wicki weisst weiter darauf hin, dass die Kunsteisbahn Zug nicht einfach die höheren Stromkosten auf das Produkt – also die Eisnutzung – umlegen könne. Die Energiebeschaffung sei, so der Stadtrat, zusammen mit den Auslagen für das Personal der grösste Kostenblock innerhalb der KEB.

Als erste Sparmassnahme hat die KEB vermeldet, dass der Betrieb des Ausseneisfeldes vorderhand ausgesetzt werde. Dieser Schritt hilft, die Energiekosten zu senken. Dies vor allem bei wärmeren Wetterlagen im Frühherbst. Die KEB verzichtet aktuell auch auf die Bekanntgabe eines allfälligen Öffnungstermins.

Auf der Bossard-Arena befindet sich eine Solaranlage. Sie liefert pro Jahr durchschnittlich 200'000 kWh (Kilowattstunden). Allenfalls wäre die Energiegewinnung durch das Anbringen einer weiteren Fotovoltaikanlage zu erhöhen.

Die Bossard-Arena verfügt über das Minergie-Label. Im Weiteren ersetzte die KEB im Jahr 2020 die Radiumdampflampen durch stromsparende LED-Leuchten. Letztere sind in der Helligkeit schneller regulierbar und verbrauchen weniger Strom als ihre Vorläufer.

Auch andere Liegenschaften hängen am Tropf der KEB

Was im Zusammenhang mit dem Strompreis-Höllenritt des Jahres 2022 in jede Rechnung einzubeziehen ist: Neben den drei Kunsteisbahnen sowie der Curlinganlage hängen zudem das Uptown wie auch die Schutzengel-Überbauung an der Wärme respektive der Kälte, welche die Anlagen der Kunsteisbahn liefern.

Mit ihren Problemen ist die Kunsteisbahn Zug keineswegs alleine. Bereits Mitte August 2022 rief die Gesellschaft der Schweizerischen Kunsteisbahnen – sie hat rund 80 Mitglieder – dazu auf, Massnahmen «zur Einsparung netzgebundener Energie» zu ergreifen.

Das «Thuner Tagblatt» meldete am Donnerstag, 21. September, dass die Kunsteisbahn Wislepark in Worb (BE) aktuell nicht in die Saison 2022/23 starten könne. Im Wislepark läuft wie bei der KEB in Zug just Ende 2022 der Stromvertrag aus. Ebenfalls kein Eisfeld gibt es heuer vor dem Bundeshaus in Bern. Die Liste ist nicht abschliessend.

Es dürfte den Verwaltungsrat der KEB kaum trösten, dass andere in der gleichen Klemme festsitzen. Stadtrat André Wicki bezieht sich auf eine Aussage des Axpo-CEO Christoph Brand. Der habe sinngemäss gesagt: «Wer heute behauptet, er hätte Anfang 2022 in seiner Glaskugel die Entwicklung der Strompreise vorhergesehen, dessen Glaskugel hätten wir gerne.»

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