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Der Polit-Nachwuchs übt sich im Zuger Freiruum in der Debattier-Kultur

Bereits zum 5. Mal haben Zuger Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker an der «Kolin-Battle» aktuelle Themen diskutiert und sich dabei nichts geschenkt. Besuch an einem Anlass, an dem es keine dreifach weichgespülten Voten zu hören gab.

Am frühen Freitagabend, dem 8. September, ist der «Freiruum» schon sehr gut besucht. Sich draussen bei etwas Flüssigem zu treffen, das ist mehr als eine Option.

Auch im Inneren der Freizeiteinrichtung füllen sich die Tische schnell. Kein Auge dafür haben rund 60 junge Erwachsene. Ihr Ziel ist ein Saal auf dem «Freiruum»-Gelände. Auf dem Programm steht dort die «Kolin-Battle». Es handelt sich hierbei um ein Diskussionsformat wie die «Arena» im Schweizer Fernsehen SRF.

Von parteiischen Zeitungen und faktenbasierten TV-Sendern

Dass eines der drei für den Abend ausgewählten Themata sich mit der Rolle des Schweizer Fernsehens befasst, ist einer kürzlich lancierten Initiative geschuldet, welche die Gebühren von 335 auf 200 Franken pro Jahr senken will.

Das Thema ist stark aufgeladen - die No-Billag-Initiative im Februar 2018 lässt grüssen. Zwei Befürworter dieser Initiative stehen vom Publikum aus gesehen links neben Moderator Severin Hofer. Die Verteidiger des aktuellen Regimes sind rechtes platziert.

Das ist im politischen Sinne kreuzfalsch, aber da die beiden politischen Strömungen sich fast wie Feuer und Wasser zueinander verhalten, merkt das Publikum sehr schnell. Der Juso-Vertreter Levin Freudenthaler erwähnt, dass Medien wie zum Beispiel die «Weltwoche» und die «Neue Zürcher Zeitung» parteiisch seien, die Sender der SRF hingegen «faktenbasiert» berichteten.

Diese Aussagen kann der Jungfreisinnige Jannis Pfiffner nicht einfach so im Raum stehen lassen:

«Ich kann einfach nicht verstehen, dass ich für etwas bezahlen soll, das ich nicht brauche.»

Er ergänzt dann noch, dass er an die Kräfte des Markts glaube. Da Pfiffner gerade so in Fahrt ist, will er noch erwähnt haben, dass SRF «eine Subventionsmaschine» und aufgeblasen sei. Vivienne Hanke (Junge Alternative) versucht, die Diskussion wieder ein wenig zu versachlichen. Der Markt sei sicher nicht demokratisch, erwähnt sie.

Levin Freudenthaler, welcher den Pfiffnerschen Faden aufnimmt, betont, dass «die Marktwirtschaft» es nicht richten könne: «Wir brauchen unabhängige Sender.» Das Argumente-Pingpong geht in dieser Angelegenheit munter weiter.

Weniger eindeutig waren die Linien der Diskussion über eine andere Initiative, für welche die Unterschriftensammlung Ende April 2022 begann. Die Rede ist von Citoyen-Initiative. Sie fordert - unbesehen des Geschlechts, aber abhängig vom Schweizer Bürgerrecht - einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt.

Von der Herausforderung, den perfekten Schlusspunkt zu setzen

Dann will Moderator Severin Hofer einen Punkt machen. Er billigt jedem der auf der Bühne diskutierenden Jungpolitiker an, einen Satz zum Thema zu sagen. In dieser Phase des Schlusswortes gebärdete sich der Nachwuchs wie Politiker gesetzteren Alters. Beim auf den Punkt bringen gibt es rechts wie links eindeutig noch Verbesserungspotenzial.

Nico Casillo, der Vertreter der Jungen SVP, befürchtet, dass bei einem solchen Dienst «Jubel, Trubel und Heiterkeit herrsche». Von der Idee begeistert ist Colin Biermann (Jungfreisinnige). Er träumt von einer starken Organisation wie die Armee und der Zivildienst. Alessio Sonderegger (Junge Grünliberale) betont wiederum, dass ein solcher Dienst «den Röstigraben überwinden hilft».

Ein weiteres Thema an der Kolin-Battle war die AHV-Reform, über welche am 25. September 2022 abzustimmen ist. Auch hier legten sich die auf der Bühne Teilnehmenden tüchtig ins Zeug, um letztendlich am Bau der Brücke des Konsens zu scheitern.

Der Freiruum-Abend zeigte: Die Jugend kann Politik machen. Und das auf eine erwähnenswert erfrischende Art.

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