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Obwalden

Der Friede beginnt bei sich selbst – Förderverein organisiert Tagung zu Frieden

Im Rahmen der Reihe «Frieden – Arbeit und Geschenk» organisierten der Förderverein Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss unter dem Titel «Frieden finden mit sich selber» die vierte Tagung.

Das Organisationsteam des Friedensprojekts behielt am vergangenen Samstag im Gästehaus des Klosters Bethanien in St. Niklausen das Schema der früheren Tagungen bei. Man holte sich einmal mehr die Inspiration für themenbezogene Begleittexte in den Anliegenbüchern im Ranft und in Sachseln. Mit der Theologin und Supervisorin BSO Theres Spirig-Huber, die grosse Erfahrung in spirituell-therapeutischer Begleitung und Exerzitienarbeit hat, wurde auch dieses Mal eine ausgewiesene Fachperson verpflichtet, wie gewohnt war ein Gang hinunter in den Ranft geplant und den musikalischen Part übernahm mit Leo Strässle ein hervorragender Fagottist. Zudem wurde erneut intensiv diskutiert.

Der Fagottist Leo Strässle begleitete die Tagung musikalisch.
Bild: Bild: Rafael Schneuwly (St. Niklausen, 21. 10. 2023)

Wir alle haben Brüche in unserem Leben

Projektleiter Christoph Schmid eröffnete die Tagung mit einer selbst geschriebenen fiktiven Geschichte eines Vaters, der in der oberen Ranftkapelle sitzt und Niklaus und Dorothee vom Schicksal seines Sohns Mauro erzählt, der jung an Drogen starb. Der Vater ist verzweifelt und bittet das Ranftpaar um Rat: «Mit dem Verstand weiss ich, wie schlimm es ist, wenn Eltern ihre Söhne und Töchter durch Krieg und Terror verlieren, aber richtig nachempfinden vermag ich es nicht. Bin ich vielleicht zu sehr mit mir selbst beschäftigt?»

Auf diese Weise hatte Schmid die Anwesenden geschickt ins Thema eingeführt, das auf dem Flyer so formuliert ist: «Die Teilnehmenden erhalten Impulse und den nötigen Freiraum, um über sich selber nachdenken zu können – mit dem Ziel, mit sich ein Stück weit ins Reine zu kommen und sich mit der persönlichen Geschichte zu versöhnen.»

Harte Schicksalsschläge

Das OK wollte das Nachdenken anregen und lud vier Menschen nach St. Niklausen ein, die vom Schicksal hart heimgesucht wurden. Theres Spirig-Huber führte am Morgen mit jeder Person ein Gespräch und wollte unter anderem wissen, wie sie ihr Los angegangen habe und ob sie mit sich ins Reine gekommen sei. Zuerst unterhielt sich Spirig-Huber mit einem Mann, der im Alter von 16 Jahren einen Unfall hatte und seitdem Paraplegiker ist. Als verheirateter Vater von zwei Töchtern hat er sein Leben erstaunlich gut im Griff.

Die Theologin und Supervisorin BSO Theres Spirig-Huber unterhält sich mit Mike Bucher.
Bild: Bild: Rafael Schneuwly (St. Niklausen, 21. 10. 2023)

Die zweite Gesprächspartnerin war eine Frau, die seit zehn Jahren mit ihrem dementen Mann lebt. Es fiel ihr nicht immer leicht, die Folgen der Krankheit zu akzeptieren, doch heute kann sie dank spiritueller Hilfe mit der Situation umgehen.

Das dritte Gespräch wurde mit einem Mann geführt, der beruflich immer sehr erfolgreich war. Im Pensionsalter wurde ihm während zwölf Stunden ein Tumor herausoperiert. Heute fühlt er sich gesund, achtet aber genau auf die Signale, die der Körper aussendet.

Zuletzt unterhielt sich Spirig-Huber mit einer non-binären Person, die bei der Geburt wie üblich der weiblichen Seite zugewiesen wurde. Mit der Wahl eines geschlechtsneutralen Namens hat sich die Situation zwar entschärft, doch das Thema, als non-binäre Person wahr- und ernstgenommen zu werden, bleibt.

Diskussion im Plenum

Am Nachmittag entfachte Theres Spirig-Huber mit den Thesen «Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen» (Viktor Frankl), «Nur was ich annehme, kann sich verändern» (C.G. Jung) und «Sich an allen Ecken wund stossen und ganz bleiben» (Rose Ausländer) eine rege Diskussion.

Die Schlussbetrachtung hält der Theologe und Psychotherapeut Hansjörg Vogel in der Krypta der Klosterkirche Bethanien.
Bild: Bild: Rafael Schneuwly (St. Niklausen, 21. 10. 2023)

Der Schlussbeitrag musste wegen des schlechten Wetters vom Ranft in die Krypta der Klosterkirche verlegt werden. Der Theologe und Psychotherapeut Hansjörg Vogel knüpfte ans Tagesthema an und beschrieb, wie Niklaus und Dorothee mit ihrem ganz persönlichen Bruch umgingen und wie sie am Ende zu einer Lösung kamen.

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