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Luzern

Das Kreativzentrum «Alte Ziegelei» wird saniert – die Zukunft der Mieterschaft ist ungewiss

In der ehemaligen Werkhalle sind viele Leute aus der Kreativwirtschaft aktiv. Nun steht eine Sanierung an. Die Eigentümerin hofft, dass die Mieterinnen und Mieter danach zurückkehren.
Die «Alte Ziegelei» in Kriens. (Bild: PD)
So soll die «Alte Ziegelei» nach der Sanierung aussehen. (Visualisierung:
Seiler Linhart)

Stefan Dähler

Stefan Dähler

Es ist ein spezielles Gebäude im fast rundum erneuerten Krienser Zentrum: die 1895 erstellte und später mehrmals umgebaute «Alte Ziegelei». Die ehemalige Werkhalle ist im kantonalen Inventar als schützenswert eingestuft. Zudem handelt es sich nicht um ein klassisches Mietshaus, es beherbergt auch mehrere Ateliers. Viele Leute aus der Kreativwirtschaft wohnen und arbeiten dort. Sie leisten mit Anlässen wie Flohmärkten oder dem Mitwirken an der Bellpark-Nacht einen Beitrag zum Krienser Kulturleben.

Allerdings ist das Gebäude sehr sanierungsbedürftig, so die Eigentümerin, die Schmid Immobilien AG Ebikon. Sie hat kürzlich ein Sanierungs-Baugesuch eingereicht. Vorgesehen ist, dass die Bauarbeiten im März 2023 starten und bis Herbst 2024 dauern, wie Daniel Brunner, Bauherrenvertreter bei Schmid, auf Anfrage schreibt. Die Investitionen betragen zirka 9 Millionen Franken.

Die Anbauten werden entfernt

Entwickelt wurde das Bauprojekt in einem begleiteten Verfahren, zu dem vier Architekturteams eingeladen waren. Auch die Denkmalpflege und die Stadt Kriens waren neben den Vertretern der Bauherrschaft, des Fachgremiums Architektur und Ingenieuren involviert. Den Zuschlag erhielt das Büro Seiler Linhart aus Luzern. Das Ziel sei keine «Konservierung baulicher Substanz», sondern «das Offenlegen der eigentlichen Qualitäten des Gebäudes und dessen Bezug zu den aktuellen Bedürfnissen», heisst es in den Auflageakten.

Vorgesehen ist, die «Alte Ziegelei» wieder auf ihren Kernbau zurückzubauen. Die dreiseitig im Verlauf der Jahre erstellten Anbauten, in denen sich vorwiegend Ateliers, Gewerbe-, Lager- oder Abstellräume befinden, sollen weichen. Auf dem Dach ist eine Fotovoltaikanlage vorgesehen, für die Wärmeerzeugung sorgen Luft-Wasser-Wärmepumpen. Der bestehende Innenhof soll zur geschosshohen Laterne auf dem Dach hin geöffnet werden. Dadurch fällt viel natürliches Licht in die innen liegende Erschliessung der Wohnungen und Ateliers. Die bestehende Tragstruktur wird erhalten und wo nötig verstärkt oder ergänzt.

Auch nach der Sanierung wird es Ateliers geben

Zu den künftigen Mietzinsen könne derzeit keine definitive Aussage gemacht werden, so Daniel Brunner. Diese würden sich nach «dem Mietzinsmarkt, nach Lage und Bau-, beziehungsweise Wohnungstypologie richten». Aktuell werden 16 Wohnungen und 7 Ateliers- sowie Lagerräume vermietet, künftig sollen es 18 Wohnungen und 4 Ateliers sein. Weiter sind unter anderem Räume und Gärten zur gemeinschaftlichen Nutzung vorgesehen.

So finde sich auch der Lebensentwurf der aktuellen Mieterschaft im Siegerprojekt wieder. «Wir haben früh den Dialog mit der Mieterschaft gesucht und laufend transparent über unser Vorgehen, das Siegerprojekt und den Zeithorizont der Realisation informiert», heisst es im Schmid-internen Magazin. Während der Bauzeit wird die «Alte Ziegelei» nicht bewohnbar sein. Es wäre aber wünschenswert, wenn die Mieterinnen und Mieter nach dem Umbau wieder einziehen, so Brunner.

Die Bewohner bilden eine enge Gemeinschaft – und künftig?

Ob das möglich ist, sei aber unklar, sagt Regula Burri, die in der «Alten Ziegelei» ein Keramik-Atelier betreibt. «Mehrere von uns sind interessiert zurückzukommen.» Auch aus ihrer Sicht sei das Verhältnis mit der Eigentümerin gut. «Doch eine Rückkehr hängt auch davon ab, ob wir uns die Miete noch leisten können.» Auch eine Rolle spiele, wo die Leute nach dem Auszug unterkommen. «Wenn die neue Lösung passt, will man wohl nicht schon wieder nach so kurzer Zeit zügeln.»

Weiter wäre es schön, wenn der Zusammenhalt beibehalten werden könnte, sagt Burri. «Wir sind heute quasi genossenschaftlich organisiert. Die Vermietung freier Räume können wir selbst organisieren», führt sie aus. «Das Gebäude ist hellhörig, eng und viele Leute sind den ganzen Tag da, weil sie gleichzeitig in der alten Ziegelei wohnen und arbeiten.» Weiter unternehme man viel gemeinsam, sitze etwa am Abend im Garten zusammen. «Da ist es wichtig, dass die Chemie zwischen den Leuten stimmt.» Dass es schwierig wird, diese Gemeinschaft zu erhalten, ist Burri bewusst. «Nun schauen wir, was auf uns zukommt.»

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