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BRAUCHTUM

Das Bäckermöhli ist eine Tradition für Jung und Alt

Mutschli, Orangen und Wienerli sind Ende Januar in Zug besonders beliebt. Nämlich, wenn sie aus den Fenstern und von den Balkonen der malerischen Altstadt fliegen.

Wer am Mittwochnachmittag in der Zuger Altstadt unterwegs war, bemerkte schon von weitem das bunte Treiben am Fischmarkt und auf dem Kolinplatz. Zum Anlass der 337. Jahresversammlung der Zunft und Bruderschaft der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt Zug fand ein beliebtes Brauchtum statt.

Das Bäckermöhli ist ein Anlass mit langer Tradition. 
Bild: Bild: Matthias Jurt (Zug, 25. Januar 2023)

«Bäckermöhli, Bäckermöhli», rufen Dutzende Kinder und breiten ihre Hände zum Himmel aus. Um 16.15 Uhr fliegen Mutschli, Orangen, Lebkuchen, Guetzli und Wienerli aus den oberen Fenstern des Restaurants Fischmarkt.

Trotz eisiger Kälte versammeln sich überraschend viele Zugerinnen und Zuger zu dem Traditionsanlass. Alle warten gespannt, bis es los geht. Die Zunftmusik empfängt die Wartenden mit einer Musikeinlage und spielt «Bella Ciao» zur Einstimmung. Die Stimmung steigt wahrlich und die Erwartungen sind gross. Als der Zunftobmann mit dem Zunftrat, den Zünftern und seinen Gästen ans Fenster tritt, geht ein Jauchzen durch die Menge.

Sofort rufen alle «Bäckermöhli, Bäckermöhli» und die ersten Leckereien kommen geflogen. Die Kinder, dick eingepackt in Skihosen und Mützen springen ihnen lachend entgegen und fangen das ein oder andere Mutschli noch in der Luft ab. Doch auch die älteren Besucherinnen und Besucher kommen nicht zu kurz, auch wenn sie eher zaghaft ihre Arme in die Höhe recken.

Rund 3000 Mutschli und Weggli, ebenso viele Guetzli und 300 Kilogramm Orangen werden beim Bäckermöhli verteilt.
Bild: Bild: Matthias Jurt (Zug, 25. Januar 2023)

Lange Tradition in Zug

Das Bäckermöhli findet immer am letzten Mittwoch des Monats Januar statt. Frühmorgens versammeln sich die Meister und Mitbrüder der Zunft und Bruderschaft der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt Zug. Gemeinsam lauschen sie beim Gottesdienst in der Liebfrauenkappelle der Predigt des Zunftpfarrers. Nachdem es bereits zum Znüni ein Gläschen Weisswein und feinen Käsekuchen gibt, geht es zur offiziellen Jahresversammlung in den Gotischen Saal des Zuger Rathauses.

Anschliessend machen sich die Delegationen der Zunft auf, um die Stadtzuger Kindergärten zu besuchen. Dabei berichten sie den Kleinsten von dem Brauch und Handwerk der Bäcker, Müller und Konditoren. Mittags trifft man sich im Restaurant Aklin oder Ochsen, wo humorvolle Reden gehalten, und vor allem gut gegessen wird. Erst dann kommt es zum Höhepunkt des Tages: dem Bäckermöhli.

Am Fischmärt und beim Kolinplatz konnten Gross und Klein die vielen Leckereien ergattern. 
Bild: Bild: Matthias Jurt (Zug, 25. Januar 2023)

Der Brauch ist so alt wie die Zunft der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt Zug selbst und stammt so nämlich aus dem Jahr 1688. Zum Backen der Mutschli und Guetzli spendet der Müller-Meister der Zunft jeweils 500 Kilogramm Mehl. Und geizig sind die Bäcker auf keinen Fall. Rund 3000 Mutschli und Weggli, ebenso viele Guetzli und 300 Kilogramm Orangen werden verteilt.

Zweite Runde auf dem Kolinplatz

Wer beim ersten Anlauf am Fischmarkt trotz Grosszügigkeit seitens der Zünfter noch kein Glück hatte, muss nicht lange traurig sein. Um 16.30 Uhr ziehen die Kinder mit ihren erwachsenen Begleiterinnen und Begleitern weiter und finden sich wenig später auf dem Kolinplatz ein. Die Zunftmusik spielt ein weiteres Mal und versetzt mit dem Lied «Dance Monkey» alle in Fasnachtsstimmung.

15 Minuten später treten die jetzt wohlbekannten Herren der Zunft auf den Balkon des Hotels Ochsen und animieren die Kinder wieder zu ihrem Gesang. Unermüdlich werfen sie weitere Leckereien aus ihren grossen Taschen auf den Platz hinunter. Wer genug laut Bäckermöhli ruft, wird bald reichlich mit feinem Znüni eingedeckt sein.

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