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Wolhusen

Brandstifter: «Im Alkoholrausch kam ich auf solch blöde Ideen – das bereue ich sehr»

Von 26 Delikten gibt ein 44-jähriger Schweizer nur deren 14 zu. Er kämpft für eine bedingte Strafe – die Anklage will ihn indes hinter Gitter bringen.
Eingang zum Kantonsgericht Luzern am Hirschengraben 16. (Bild: sam)

Sandra Monika Ziegler

Von Juli 2018 bis März 2019 kam es im Gebiet Wolhusen zu einer Serie von Sachbeschädigungen und Brandstiftungen. Am 11. März 2019 wurde der Beschuldigte verhaftet und in Untersuchungshaft genommen, bei einer Hausdurchsuchung wurde Marihuana beschlagnahmt. Der heute 44-jährige Schweizer wurde an der Verhandlung vom 18. März 2021 vom Kriminalgericht Luzern wegen Brandstiftung, Sachbeschädigung und Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er war teilgeständig.

Drogen- und alkoholfrei leben

Der Mann, der 20 Jahre Drogen und Alkohol konsumierte, bekam zusätzlich zur Strafe vom März 2021 Auflagen: Er muss sich regelmässig beim Beratungsdienst melden, sich regelmässig einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung bei einem forensisch ausgebildeten Therapeuten unterziehen. Zudem muss er abstinent von sämtlichen illegalen psychoaktiven Substanzen, von CBD-Hanf und Alkohol leben und sich entsprechenden Kontrollen unterziehen. Gegen das Urteil des Kriminalgerichtes hat der Verteidiger Berufung eingelegt. Am Montag fand die Verhandlung am Kantonsgericht statt.

Dem Mann werden laut Verteidiger 26 Delikte vorgeworfen, 14 hat er gestanden, 12 Delikte nicht. Der Beschuldigte gab zu, in der Zeit vom 9. Februar 2019 bis 10. März 2019 an diversen parkierten Autos die Reifen aus Frust und Protest zerstochen zu haben. In einem E-Mail bezeichnete er die Praxis des Sozialamtes als respektlos, arrogant, unterdrückerisch und erniedrigend. Seine Taten begann er unter Alkohol- und Drogeneinfluss. «Warum haben Sie die Taten begangen?», fragt der Richter. Beschuldigter: «Mir wurde das Sozialgeld gekürzt, das machte mich wütend und ich verlor die Nerven. Im Alkoholrausch kam ich dann auf diese blöden Ideen, ein Riesenfehler.» Der Richter befragte ihn zu einzelnen Delikten, so auch zum Brandanschlag auf das Gemeindehaus. Dazu sagte der Beschuldigte, er habe nicht das Gemeindehaus anzünden wollen, sondern den neben dem Eingang stehenden Plastikcontainer. Weil ihm aber der Kanister mit Benzin aus der Hand rutschte, habe er Benzin verschüttet, bevor er den Kanister in den Container warf und anzündete, so sei auch der Eingangsbereich zu schaden gekommen.

Er habe nie die Absicht gehabt, das Haus anzuzünden, sondern nur den Container. Den Schaden am Gemeindehaus bezifferte der Staatsanwalt mit über 30'000 Franken. Das sei kein geringfügiger Schaden.

Ein weiteres Mal liess der Mann seinem Frust auf der Aussichtsplattform auf dem Burgareal freien Lauf. Dreimal ging er dorthin und versuchte etwas anzuzünden. «Warum?», wollte der Richter wissen. Beschuldigter: «Das ist ein Wahrzeichen der Gemeinde, die wollte ich bestrafen.» Er sei im Rausch auf solche Ideen gekommen, sonst hätte er das nie gemacht. Er wollte einen Sachschaden verursachen, sicher niemanden verletzten. Der Verteidiger sieht im Handeln seines Mandanten einen roten Faden. Die Wut auf die gekürzten Gelder habe ihn immer wieder zum Delinquieren gebracht. Bei all seinen gestandenen Taten nannte er das Motiv Wut auf die Kürzung und den Bezug zur Gemeinde. Nicht so bei zwölf anderen Delikten, die sein Mandant bestreitet. Da fehle jedes Motiv und jeder Bezug, so der Verteidiger. Er fordert eine 16-monatige bedingte Strafe mit einer Probezeit von zwei Jahren.

Beschuldigter hofft auf gerechtes Urteil

Der Staatsanwalt bleibt beim Strafmass der Vorinstanz und fordert die drei Jahre und sechs Monate. Es sei erwiesen, dass der Beschuldigte alle ihm vorgeworfenen Taten begannen hatte. Das sieht der Verteidiger anders. Das Urteil basiere auf Indizien, die seien zu allgemein formuliert und können auf jeden Täter passen. Der Verteidiger sieht «eine Hilflosigkeit der Argumentation der Anklage und der Vorinstanz» und pocht auf den Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Beim letzten Wort sagt der Beschuldigte: «Ich habe mein Leben total umgekrempelt, lebe seit zwei Jahren drogen- und alkoholfrei, erfülle alle Auflagen und würde nie mehr so etwas tun. Das Strafrecht hat auch die Aufgabe der Resozialisierung, nicht nur der Bestrafung. Ich hoffe auf ein gerechtes Urteil.» Dieses wird den Parteien zugestellt.

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