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Konzert in Steinhausen

Mozart, immer wieder, für Klein und Gross

Das Herbstkonzert 2022 des Baarer Kammerorchesters stand ganz im Zeichen des wohl berühmtesten Salzburgers und bot mit «Mozart in C» zwei Werke dar, die um einen Schlüsselton des klassischen Harmoniesystems kreisten.

Das Baarer Kammerorchester spielt unter der Leitung von Dirigent Manuel Oswald.
Bild: Bild: Mathias Blattmann (Steinhausen, 13. November 2022)

Der Gemeindesaal Dreiklang in Steinhausen füllte sich am Sonntagabend sehr schnell und bis auf die letzten Plätze: Das Baarer Kammerorchester hatte zu einem Konzert in sinfonischer Besetzung eingeladen und dafür nicht nur Bläser- und Perkussionsprofis, sondern auch den Klaviersolisten Benjamin Engeli engagiert. Der Abend sollte ganz «Mozart in C» gewidmet sein: der «Linzer Sinfonie» in C-Dur (KV 425) und dem Klavierkonzert in c-moll (KV 491).

Dass es ein «Familienkonzert» werden sollte, bewiesen die vielen Kinder, die mit ihren Eltern gekommen waren und unruhig darauf warteten, Väter, Tanten oder Freunde auf der Bühne spielen zu sehen. Als sich der Saal verdunkelte und das Laienorchester vor seinen Notenständern Platz nahm, wurde es indes still und alle lauschten der Einführung durch die Cellistin Mirjam Arnold.

Statt eines Vortrags über den Unterschied zwischen den Tongeschlechtern liess sie die Konzertmeisterin Susanna Meierhans auf der Violine die beiden Tonleitern spielen – die heiter-fröhliche in Dur und die melancholisch-tiefgründige in Moll. Der Frage, wie man als Laie die komplexe Musik Mozarts hören solle, näherte sie sich mit einem Zitat des Theologen Hans Küng und wies damit einen Weg zu nicht analytischem, direkt emotionalem Erleben:

«Wenn ich ohne Störung von aussen, ganz und gar intensiv Mozarts Musik aufzunehmen versuche, die Augen vielleicht geschlossen, dann spüre ich plötzlich, wie sehr ich vom Gegenüber des Klangkörpers losgekommen bin, nur noch den gestalteten Ton höre, Musik und sonst nichts. Es ist die Musik, die einen jetzt ganz umfängt, durchdringt und plötzlich von innen her klingt.»

Das Baarer Kammerorchester während des Herbstkonzertes in Steinhausen.
Bild: Bild: Mathias Blattmann (13. November 2022)

Majestätisch wie die Berge

Und so umfing einen der erste Satz der «Linzer Sinfonie» in einem breiten Adagio mit heroischem Unisono. Bald aber bekamen Oboen (Kathrin Brun, Jessica Griebel) und Fagott (Benjamin Reist, Beatrix Michel) ausgeprägte Melodiepassagen, die Streicher spannen sie fort, und nach kurzer Zeit kippte die aufgebaute Spannung plötzlich in die Leichtigkeit eines vorwärtstreibenden, lebhaften Allegro spiritoso.

Dem zweiten Satz, einem Andante, verlieh Mozart mit dem Einsatz von Pauken (Manuela Hager), Hörnern (Reto Maag, Andrey Simonov) und Trompeten (Anneluise Keiser, Sophie Wernli) eine lieblich alpenländische Stimmung. Diese Komposition entstand auf Mozarts Durchreise in Linz, und die Bergwelt mag wohl Pate gestanden haben.

Tänzerisch kam dann das Menuett als dritter Satz daher, und im letzten, dem Presto, entstand durch den sonatenförmigen Aufbau und die rhythmisch-harmonische Stimmführung der Eindruck einer schillernden Vielstimmigkeit, zu der auch die Flöte (Rita Mathis) beitrug.

Der Flügel stand im Mittelpunkt

Das Klavierkonzert in c-Moll stellte den Pianisten Benjamin Engeli optisch – an einem grossen Bösendorfer Flügel – und musikalisch in den Vordergrund. Und damit professionelle Virtuosität und Glanz. Hervorgehoben war auch die Rolle der Klarinetten (Benedikt Iten, Nora Unternährer). In einer Art «Fortspinnungstechnik» dialogisierten in den drei Sätzen die Instrumente mal romantisch-abgründig, mal klassisch-erhaben, mal kontrapunktisch à la Johann Sebastian Bach.

Man sagt, dass sich Mozart mit diesem Konzert dem Zwang zur Unterhaltungsmusik endgültig entzogen habe – auf der Suche nach einer Gesamtkonzeption, die aus dem künstlerischen Innen kam.

Wurden mit viel Applaus belohnt: die Musikerinnen und Musiker des Baarer Kammerorchesters. 
Bild: Bild: Mathias Blattmann (Steinhausen, 13. November 2022)

Das Konzert unter Dirigent Manuel Oswald erntete viel Applaus. Als Zugabe brachte Engeli mit dem letzten Satz aus Mozarts Klaviersonate in C-Dur (KV 279) das Klavier noch einmal solistisch zum Perlen und Strömen. Erneut «in C».

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