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Sarnen

Beim Kaffee trifft sich Sarnen und die Welt

Deutschstunde für Fremdsprachige, Saftbar vom Jugendtreff und das Café International waren am Donnerstag auf dem Marktplatz Sarnen. Dort präsentierte sich die Fachstelle Gesellschaftsfragen Obwalden.

Über den Sarner Dorfplatz zieht ein köstlicher Duft. Rahel röstet in einem Pfännchen grüne Kaffeebohnen. Immer wieder schwenkt sie das Gefäss geschickt, ohne dass welche rausfallen. Heute gibt es Kaffee auf eritreische Art, so wie ihn Rahel aus ihrem Heimatland kennt. Die junge Eritreerin erzählt, dass die Zubereitung eine Zeremonie ist. Bei dieser erweisen die Töchter ihren Eltern Respekt, in dem sie ihnen den Kaffeeduft zufächeln. Im Gegenzug sprechen diese ihren Töchtern gute Wünsche für die Zukunft zu.

Nebenan auf der Lounge-Gruppe hält Gaby Ermacora aus Sachseln einen Deutschkurs für Afghaninnen, Eritreerinnen und eine junge Türkin. Sie hat ein Caquelon und eine Fonduegabel mitgebracht sowie ein Raclette-Pfännchen mit Schaber und erklärt die Zubereitung von Käsefondue und Raclette. Durch geschickte Fragen bringt sie die jungen Frauen zum Plaudern. «Welche Spezialitäten kennt ihr noch?», will sie wissen. Die Teilnehmerinnen ergänzen einander: «Zopf, Käse, Kuchen», zählen sie auf. «Schokolade», sagte eine Afghanin und strahlt.

Deutsch für fremdsprachige Frauen, ein Café International und später wird noch der Jugendtreff eine Saftbar eröffnen, ausgewählte Sirupsorten stehen bereits parat. All diese Angebote werden von der Fachstelle für Gesellschaftsfragen Obwalden unterstützt. Basil Allemann, Integrationsbeauftragter des Kantons Obwalden, erzählt: «Als wir von dem Projekt ‹Miär machid Platz› hörten, haben wir uns sehr gefreut. Für uns als Fachstelle ist es eine Chance, die Vielfalt unseres Angebots zu zeigen.»

Dorfplatz als Ort fürs Mittagessen

Vom Dorfplatz, den er und seine Kollegen mittlerweile häufig nutzten, um dort miteinander ihr Mittagessen einzunehmen, zeigt er sich angetan. «Es ist schön, ihn als Zentrum zu nutzen anstatt als Parkplatz. Und man kann auch draussen Deutsch lernen», sagt er. «Das ist mal ein anderes Ambiente.»

Auch für Gaby Ermacora, die seit über 20 Jahren Deutsch unterrichtet, ist es eine neue Erfahrung. «Sonst sind wir in der reformierten Kirche», erzählt sie. Wichtig ist ihr, dass der Deutschkurs niederschwellig ist. Wer Zeit hat, kommt. Sie müsse keine Prüfung abnehmen, dadurch laufe es entspannt ab. Unter den Teilnehmerinnen seien einige Analphabeten. Und noch ein Aspekt sei für die Frauen wichtig, betont Ermacora. Sie lernten einander kennen, knüpften Kontakte. Gesprächsthemen seien, was sie erlebten, ob Wohnungswechsel, Arzttermine oder Arbeitssuche.

Unterdessen bietet Rahels Kollegin den selbst gebackenen «Hmbascha» an. Es ist ein leichter lockerer Hefekuchen, unseren Butterweggli gar nicht so unähnlich. Rahel mahlt den gerösteten Kaffee in einer elektrischen Mühle. Daheim hat sie bereits zwei grosse Thermoskannen vorbereitet, um die lange Zubereitungszeit zu umgehen. Sie giesst das braune Getränk in ein traditionelles Tongefäss und bringt es auf einer Heizplatte leicht zum Köcheln. In kleinen henkellosen Tassen bietet sie ihn an. Eine Besucherin nippt daran und ist begeistert: «Sehr fein, sehr würzig und überhaupt nicht bitter.» Beim Kaffee kommt man sich eben näher.

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