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Giswil

«Die illegale Pfarrerin» verzaubert das Frauenzmorgä

In Giswil lauschten mehr als 70 Frauen und 2 Männer einer Geschichte von Christina Caprez.

Das «Frauenzmorgä», organisiert vom Frauenforum Obwalden, fand am vergangenen Samstag mit grossem Interesse, erstmals im Restaurant Grossteil in Giswil statt. Mehr als 70 Frauen und 2 Männer genossen bei Kaffee, frischem Zopf und allem, was zu einem guten Frühstück gehört, die Zeit miteinander. Als die Unterstufenschülerin Luisa von Wyl den grossen Saal mit ihren feinen schönen Geigenklängen erfüllte, wurde es leise und berührend. Passend war der Übergang von vielen Gesprächen zur etwas einer ruhigeren Phase, denn anschliessend wurde die eingeladene Referentin Christina Caprez in der Runde herzlich willkommen geheissen.

Christina Caprez erzählt von der «illegalen Pfarrerin».
Bild: Bild: PD

Christina Caprez, geboren 1977, Soziologin und Historikerin, langjährige Redaktorin bei Radio SRF 2 Kultur, ist heute freie Journalistin, Moderatorin und Autorin. Die Lebensgeschichte ihrer Grossmutter Greti hat sie geprägt. Diese hatte sechs Kinder, der jüngste Sohn ist der Vater der Autorin. Aus dem Buch über ihre Grossmutter durften die Anwesenden einige Episoden hören. Spannend las sie aus dem Buch «die illegale Pfarrerin», lockerte mit passenden Fotos die Lesung auf und ergänzte mit einer Prise Humor immer wieder spannende und dazugehörende Details.

Als eine Pfarrerin für Schlagzeilen sorgte

Am 13. September 1931 tat das Bündner Bergdorf Furna etwas, was zuvor noch keine Gemeinde der Schweiz gewagt hat: Das Dorf wählt eine Frau zur Pfarrerin. Ein Skandal, der bis nach Deutschland Schlagzeilen machte, sogar der berühmte Theologe Karl Barth mischte sich ein. Gret Caprez-Roffler war 25 Jahre alt, frisch gebackene Theologin und Mutter. Sie zog damals mit ihrem Baby ins Bergdorf, ihr Mann blieb als Ingenieur in Zürich. Die Behörden konfiszierten das Kirchgemeindevermögen, doch die Pfarrerin arbeitete weiter, für Gottes Lohn.

Nach dem Tod von Greti machte sich die Enkelin Christina Caprez auf die Spuren der ersten Schweizer Gemeindepfarrerin. Sie stiess auf die aussergewöhnliche Emanzipationsgeschichte einer Frau, die im Dorf Skihosen für Mädchen einführte und ihren Söhnen das Stricken beibrachte. Einer Frau, die ihren Mann zum Theologiestudium inspirierte und mit ihm das Pfarramt im Jobsharing ausübte, lange bevor der Begriff existierte. Die für sich in Anspruch nahm, was damals für viele undenkbar war: ihrer Berufung nachzugehen und Mutter zu sein, eine glückliche Liebe und eine erfüllte Sexualität zu leben.

Das Frauenzmorgä in Giswil.
Bild: Bild: PD

Der eindrückliche Morgen passte zum Thema «50 Jahre Frauenstimmrecht», das im Sommer 2022 vom Frauenforum mit einem Sommeranlass im Programm angeboten wurde. (pd/fpf)

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