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Stadt Luzern

Altersgutscheine sind ein Erfolg: Drei Viertel der Hochbetagten leben noch zu Hause

Das Pilotprojekt mit Betreuungsgutscheinen für Senioren hat sich bewährt. Die Stadt Luzern will es nun definitiv einführen.

Seit gut drei Jahren zahlt die Stadt Luzern in einem Pilotprojekt Betreuungsgutscheine an ältere Personen aus. Dabei handelt es sich um Beiträge, welche die Stadt in eigener Regie auszahlen kann – zusätzlich zu den Ergänzungsleistungen (EL), die gesetzlich vorgeschrieben sind. Finanziert werden damit ausschliesslich nichtpflegerische Leistungen. Ziel ist, dass die Senioren länger in den eigenen vier Wänden wohnen können. Das System, eine schweizweite Premiere, hat sich nach Ansicht des Stadtrats bewährt. Er will es deshalb definitiv einführen.

Drei von vier 85- bis 94-Jährigen leben zu Hause

Entgegen weit verbreiteten Vorstellungen lebt ein Grossteil der Hochaltrigen in der Stadt Luzern noch zu Hause: Bei den 85- bis 94-Jährigen sind es drei Viertel. Diese Zahl ist in den letzten Jahren sogar noch gestiegen (siehe Grafik).

Demgegenüber ist der prozentuale Anteil der Heimbewohnerschaft an der Gesamtbevölkerung zwischen 2008 und 2020 gesunken, und zwar von 1,7 auf 1,4 Prozent. Gemäss dem Stadtluzerner Sozialdirektor Martin Merki (FDP) ist dies das Resultat einer «konsequenten und langfristig angelegten Alterspolitik» der Stadt Luzern. Die Betreuungutscheine sollen Teil der präventiven Massnahmen sein, um zu verhindern, «dass sich jemand gezwungen sieht, aus finanziellen Gründen oder infolge Überlastung der Angehörigen in ein Heim ziehen zu müssen».

Mehrbelastung durch steigende Pflegekosten

Die maximal anerkannten Lebens- und Gesundheitskosten bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen für eine Einzelperson betragen monatlich 2559 Franken (Stand 2021). Im Heim sind es 5743 Franken, also mehr als doppelt so viel.

Die Stadt zahlt also deutlich mehr Ergänzungsleistungen (EL) für Personen, die im Heim wohnen, als für jene, die in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Die Belastung des städtischen Budgets durch die EL zur AHV/IV sei seit einigen Jahren «stark gestiegen», so Stadtrat Merki. Er ist überzeugt, dass mit den Gutscheinen für selbstbestimmtes Wohnen Schwächen ausgeglichen werden können, welche die herkömmlichen Unterstützungssysteme oft aufweisen: hoher administrativer Aufwand, lange Wartezeiten, eingeschränkte und starre Leistungskataloge. Das Luzerner Gutscheinsystem sei das Gegenstück, betont Paolo Hendry, Leiter Abteilung Alter und Gesundheit: «Es ist unbürokratisch, rasch, individuell, bedarfsgerecht»,

Gemäss Hendry können durch einen verhinderten oder verzögerten Heimeintritt erhebliche Kosten eingespart werden, sowohl für die Betroffenen als auch die öffentliche Hand:

«Ein Aufenthalt in einem Heim führt bei der Stadt für eine Person bei gleichbleibendem Pflegebedarf zu Mehrkosten von durchschnittlich 1750 Franken pro Monat.»

Daraus folge: «Wenn es gelingt, den Heimeintritt von zwölf Personen um ein Jahr - oder von 45 Personen und drei Monate - hinauszuzögern, spart die Stadt allein bei den Ergänzungsleistungen mehr Geld, als sie für das Gutscheinsystem ausgibt.»

Das Pilotprojekt wurde im Auftrag der Stadt von Interface Politikstudien Luzern evaluiert. Im Verlauf der gut dreijährigen Pilotphase wurden insgesamt 191 Gutscheine an Personen im Alter zwischen 63 und 100 Jahren gesprochen. Die Gesamtsumme der ausgerichteten Unterstützungsleistungen betrug pro Jahr durchschnittlich rund 70’000 Franken, etwa die Hälfte des jährlich zur Verfügung stehenden Kredits von 150’00 Franken. Mit den Gutscheinen werden unter anderem Beiträge an Taxifahrten, Fahrdienste, Freizeitaktivitäten oder Mittagessen in Restaurants oder Heimen finanziert. Aber auch Beiträge an eine Haushilfe, an neue Möbel oder eine externe administrative Unterstützung sind möglich. Die Höhe der ausbezahlten Beiträge lag zwischen 30 und 3170 Franken. Kleinere Beiträge können von der Anlaufstelle Alter direkt gesprochen werden.

Für die definitive Einführung der Gutscheine beantragt der Stadtrat beim Parlament für die kommenden Jahre einen Kredit von jährlich 150 000 Franken. Der Grosse Stadtrat wird an seiner Sitzung vom 27. Oktober über das Geschäft befinden.

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