Zentralschweizer Firmen streichen den Zukunftstag wegen Corona – einige halten jedoch daran fest

WIRTSCHAFT ⋅ Grosse Arbeitgeber wie das Luzerner Kantonsspital, SBB, Coop und Post führen den Nationalen Zukunftstag dieses Jahr wegen der Coronakrise nicht durch. Andere wie Migros, Siemens und CKW halten dennoch daran fest.

23. September 2020, 05:12

Wie war das im März, als Luzerner Spitäler innert kürzester Zeit die Zahl der Betten und Beatmungsplätze erhöhen mussten? Und überhaupt: Wie ist die Arbeit in einem Spital? Das wären spannende Fragen gewesen, welche Kinder ab der fünften Klasse am Nationalen Zukunftstag vom kommenden 12. November hätten stellen können. Doch Corona macht den Kindern dieses Jahr einen Strich durch die Rechnung.

Aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation verzichtet das Luzerner Kantonsspital auf eine Teilnahme am Zukunftstag, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt. Es werde nicht möglich sein, dass Mitarbeitende ihre Kinder mit an den Arbeitsplatz nehmen, erklärt der grösste Arbeitgeber der Zentralschweiz.

Schutz der Belegschaft steht im Vordergrund

Den Nationalen Zukunftstag gibt es seit zwanzig Jahren. Er soll Jugendlichen die Möglichkeit geben, im Beruf von Vater oder Mutter zu schnuppern. Die Geschäftsstelle mit Sitz in Cham gibt sich trotz Corona auf Anfrage zuversichtlich, dass auch dieses Jahr viele Arbeitgeber daran teilnehmen. «Wir planen den Zukunftstag wie in den Vorjahren, weisen jedoch auf die Schutzbestimmungen des Bundesamts für Gesundheit hin. Als Alternative für ausserschulische Projekte machen wir die Schulen zudem auf unsere Projektideen für schulinterne Projekte aufmerksam», sagt eine Sprecherin.

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH räumt ein, dass die Organisation heuer wohl nicht immer ganz einfach sei. Trotzdem sei es doch «eine niederschwellige, unkomplizierte Gelegenheit, Berufsluft zu schnuppern», so eine Sprecherin. Ironischerweise führt eine der grössten Institutionen der Region, welche die Lehrpersonen ausbildet – die Pädagogische Hochschule Luzern – den Zukunftstag dieses Jahr ebenfalls nicht durch.

Eine Umfrage unter einigen der grössten Arbeitgeber der Zentralschweiz zeigt, dass die Hürden für die Durchführung auch anderswo als zu hoch angesehen werden. So hat Coop entschieden, auf die Durchführung des Zukunftstages zu verzichten. «Grund dieses Entscheids ist der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Gäste», erklärt der Detailhändler. Ebenfalls auf physische Präsenz verzichten grosse Arbeitgeber wie SBB, Post, Roche, Schindler oder Swisscom. Auch der Verlag CH Media, der dieses Portal herausgibt, hat sich gegen eine Durchführung entschieden. Begründet werden die Absagen meist mit der Schwierigkeit, die Schutzmassnahmen einzuhalten. Für die Post ist zum Beispiel klar, dass «die aktuelle Coronasituation keine Durchführung zulässt, welche die Hygieneempfehlungen und -vorschriften des Bundesamts für Gesundheit vollständig erfüllt», sagt ein Sprecher.

Ebenfalls abgesagt ist der Zukunftstag bei der Privatklinikgruppe Hirslanden. Sowohl an den Luzerner St.-Anna-Standorten als auch in der Andreas-Klinik in Cham findet der Zukunftstag dieses Jahr nicht statt. «Als Gesundheitsinstitutionen steht für uns die Sicherheit von Patienten und Mitarbeitenden an oberster Stelle. Es gelten nach wie vor detaillierte Schutzkonzepte und eingeschränkte Besuchsrechte, weshalb wir – schweren Herzens – entschieden haben, den Zukunftstag in diesem Jahr nicht durchzuführen», erklärt ein Hirslanden-Sprecher. Immerhin: Hie und da bieten die Unternehmen als Ersatz für den Zukunftstag digitale Formate im Internet zum Thema Bildung und Berufseinstieg an.

Mit Abstand und überarbeitetem Konzept

So verständlich die Absagen sind: Es gibt durchaus Arbeitgeber, die am Zukunftstag festhalten, wenn auch in abgespeckter Form. So wird etwa das Zuger Kantonsspital den Tag ausschliesslich für die Kinder der eigenen Mitarbeitenden durchführen – «unter Einhaltung der strikten Bestimmungen des Bundesamts für Gesundheit», wie eine Sprecherin betont. Man habe immer wieder Anfragen von aussen, könne jedoch aus Kapazitätsgründen keine externen Kinder für das Programm mit aufnehmen. «Insbesondere jetzt, in dieser ausserordentlichen Zeit, müssen wir die Zahl der Kinder sowieso beschränken und auch die Flexibilität haben, den Zukunftstag notfalls abzusagen, falls sich die Situation bis im November aufgrund des Coronavirus verändern sollte», so die Sprecherin.

Auf der Kippe steht der Zukunftstag beim Nidwaldner Flugzeughersteller Pilatus. Der Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag hat sich ebenfalls noch nicht entschieden. Der grösste private Arbeitgeber der Zentralschweiz, die Migros Luzern, führt den Zukunftstag durch – im Gegensatz zu Coop. «Ja, der Zukunftstag findet in der Migros Luzern statt. Voraussetzung ist, dass alle Kinder an den jeweiligen Arbeitsplätzen die Corona-Schutzmassnahmen einhalten können. Im Zweifelsfall empfehlen wir die Arbeit mit Masken», sagt eine Migros-Luzern-Sprecherin.

Kantonsverwaltungen, etwa jene in Luzern und Schwyz, halten auch dieses Jahr am Zukunftstag fest, genauso wie in reduzierter Form die Hochschule Luzern. Stand heute wird der Zukunftstag unter anderem auch bei der Luzerner Kantonalbank stattfinden. Es gibt allerdings weder am Hauptsitz noch in den Regionen ein Rahmenprogramm, also zum Beispiel keine Besichtigung des Handelszentrums oder des Tresors. Der Mindestabstand von 1,5 Metern ist Pflicht. Ist das nicht möglich, muss eine Schutzmaske getragen werden.

Überhaupt haben all jene Firmen, die am Zukunftstag festhalten, einige Anpassungen wegen Corona vorgenommen. Das ist etwa beim Trienger Zahnbürstenhersteller Trisa, beim Obwaldner Motorenhersteller Maxon, bei Galliker Transport in Altishofen, beim Stromkonzern CKW, bei Dätwyler oder Victorinox der Fall. «Trotz der aktuellen Situation wollen wir den Kindern einen Einblick in die technischen Berufe bei Siemens geben», sagt ein Sprecher des Industrieunternehmens mit Sitz in Zug.


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