Zentralschweizer Banken lancieren Saron-Hypotheken: Das müssen Sie dazu wissen

WIRTSCHAFT ⋅ Der Raiffeisen-Regionalverband Luzern, Ob- und Nidwalden und die Luzerner Kantonalbank haben bereits Dutzende Saron-Hypotheken vergeben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Referenzzinssatz für kurzfristige Hypotheken.

29. Mai 2020, 11:12

Geschätzte 20 Prozent des Schweizer Hypothekarvolumens hängen an einem seit den Achtzigerjahren bestehenden Referenzzinssatz – das ist ein Kreditvolumen von rund 200 Milliarden Franken. Die Rede ist vom «London Interbank Offered Rate», kurz Libor. Doch die Tage des Libors sind gezählt: Ende 2021 ist Schluss damit. Bis dann wird der Libor in der Schweiz schrittweise durch den sogenannten «Swiss Average Rate Overnight», kurz Saron, ersetzt. Der Saron wird also bald die Referenzgrösse für kurzfristige Hypotheken. Doch der Reihe nach:

Welche Arten von Hypotheken gibt es?

Wer in der Schweiz eine Wohnung oder ein Haus kauft, schliesst in der Regel eine Hypothek ab. Es gibt die sichere Festhypothek mit einem über längere Zeit unveränderten Zinssatz und die riskantere variable Hypothek ohne feste Laufzeit, deren Zinsen regelmässig von der Bank festgelegt werden. Wer einen Zwischenweg sucht, wählt eine sogenannte Rollover-Hypothek, deren Zinsen periodisch einem Referenzzinssatz angepasst werden. Eine solche Rollover-Hypothek wird meistens für die Dauer von zwei bis fünf Jahren abgeschlossen. Rollover-Hypotheken basierten bislang in der Schweiz auf dem Libor-Satz.

Hier ein Erklärvideo der Luzerner Kantonalbank:

Warum wird der Libor nun abgeschafft?

Die kurze Antwort lautet: weil er manipulierbar ist. Der Libor wird täglich von rund einem Dutzend Banken in London festgelegt. Tatsächlich flog 2011 ein Manipulationsskandal auf, in den auch die UBS verwickelt war. Deshalb wird das System nun ab Ende 2021 nicht mehr durch die britische Finanzmarktbehörde gewährleistet. Weltweit sind in den letzten Jahren darum verschiedene Alternativen entwickelt worden.

Was unterscheidet den Saron vom Libor?

Der Saron gilt als robust, weniger anfällig auf Zinssprünge und vor allem im Gegensatz zum Libor als nicht manipulierbar. Er basiert auf echten Transaktionen von 160 Banken und Versicherungen. Während der Libor jeweils für eine Dauer von drei oder sechs Monaten festgelegt wird und der Zinssatz zu Beginn der Periode bekannt ist, handelt es sich bei Saron um einen Tageszins beziehungsweise Übernachtzins. Die tatsächliche Höhe des Zinssatzes ist nicht am Anfang, sondern erst am Ende einer Zinsperiode bekannt.

Was ist der Nachteil des Saron?

Der täglich ändernde Basissatz kann hohen Schwankungen unterworfen sein. Deshalb ist dieses Finanzierungsmodell nicht geeignet für Kunden, die keine Kenntnisse über die Entwicklungen am Geld- und Kapitalmarkt haben oder lieber langfristig stabile Zinsen bezahlen. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der Schweizerischen Nationalbank empfiehlt, aus den Tagessätzen den Zins für eine längere Periode zu berechnen.

Lohnt sich im aktuellen Tiefzinsumfeld eine Saron-Hypothek?

Weil die langfristigen Zinsen historisch tief sind, werden derzeit mehrheitlich Festhypotheken abgeschlossen. Wer von gleich bleibenden oder sinkenden Zinsen ausgeht, ist mit Saron gut bedient. Kunden, die von steigenden Zinssätzen ausgehen oder mit fixen Sätzen kalkulieren möchten, sollten eher zur Festhypothek greifen. Die Banken bieten auch Kombinationen an.

Welche Banken haben Saron-Hypotheken im Angebot?

Die Glarner Kantonalbank war im Februar dieses Jahres die erste, danach folgten weitere wie die UBS und die Raiffeisen-Gruppe. Mit der Luzerner Kantonalbank hat vor wenigen Tagen die erste Zentralschweizer Kantonalbank nach einer längeren Pilotphase (siehe unten) offiziell eine Saron-Hypothek lanciert. Die Schwyzer und die Nidwaldner Kantonalbank planen, in diesem Herbst eine zu lancieren. Bei der Obwaldner Kantonalbank wird es spätestens Anfang 2021, die Zuger und die Urner Kantonalbank nennen auf Anfrage kein genaues Datum.

Wie gross ist die Nachfrage?

Kurt Sidler, Präsident des Raiffeisen-Regionalverbands Luzern, Ob- und Nidwalden, spricht von einer erfolgreichen Lancierung. Man habe seit Mitte April rund hundert Saron-Produkte mit einem Gesamtvolumen von 42 Millionen Franken abgeschlossen. Im Vergleich zur Libor-Hypothek habe sich die Nachfrage nicht grundlegend verändert. Fast gleichzeitig mit der Raiffeisen hat auch die Luzerner Kantonalbank eine Saron-Hypothek lanciert, allerdings wurde diese während einer fünfwöchigen Pilotphase nur ausgewählten Kunden angeboten, um die internen Prozessabläufe zu testen und über die Kundenreaktionen auch Hinweise zur Akzeptanz des neuen Produktes zu erhalten. Mitte Mai hat die LUKB die Saron-Hypothek nun breit lanciert. Auch die Luzerner Kantonalbank hat rund hundert Saron-Hypotheken abgeschlossen, allerdings mit einem etwas höheren Volumen von 52 Millionen Franken. Die Tendenz sei stark steigend, heisst es bei der LUKB.


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