Weniger Wildbienen heisst weniger Nahrung

ARTENSCHUTZ ⋅ Der sinkende Bestand an Wildbienen bedroht gemäss einer Studie den Ertrag der Obst- und Gemüse-Ernte in den USA und Kanada in erheblichem Ausmass. Der monetäre Wert der Bestäubung wichtiger Nutzpflanzen durch Wildbienen in Nordamerika liegt bei 1,5 Milliarden Dollar.

29. Juli 2020, 15:04

Das berichtet das britische Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B". Die Autoren warnten vor gravierenden Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion.

An der vom US-Landwirtschaftsministerium geförderten Studie waren Wissenschaftler verschiedener Universitäten aus den USA und Kanada beteiligt. Für ihre Analyse untersuchten sie die Abhängigkeit von sieben für die nordamerikanische Agrarwirtschaft zentralen Nutzpflanzen von Wild- und Honigbienen. Insgesamt sammelten die Forscher dafür Proben von 131 Landwirtschaftsbetrieben.

Bei fünf der untersuchten Pflanzenarten zeigte sich demnach ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Rückgang des Wildbienenbestands und einem Produktionsrückgang. Weiter stellten die Autoren fest, dass Wildbienen bei der Bestäubung wichtiger Nutzpflanzen in Nordamerika eine weitaus wichtigere Rolle spielen als bislang angenommen.

Nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen

In den USA war man bisher davon ausgegangen, dass Honigbienen die wichtigsten Bestäuberinsekten seien. Anders als Wildbienen werden Honigbienen häufig von Landwirten angemietet und direkt an den Feldern zur Bestäubung eingesetzt.

Nach den Berechnungen der Studienautoren beträgt der monetäre Wert der Bestäuberleistung durch Wildbienen in den USA mehr als 1,5 Milliarden Dollar, bei den Honigbienen sind es 6,4 Milliarden Dollar.

Allerdings entfallen bei den Honigbienen allein 4,2 Milliarden Dollar auf die Mandelproduktion. Bei Nutzpflanzen wie Kürbissen, Äpfeln, Süsskirschen, Blaubeeren und Wassermelone hingegen spielt die Befruchtung durch Wildbienen laut der Studie eine grössere Rolle.

Ein Drittel weniger Insekten

Um die Bestäubung ihrer Felder sicherzustellen, empfahl Studienautorin Rachael Winfree von der Rutgers-Universität Landwirten die Umrüstung ihrer Höfe, "damit Wildbienen dort leben können". Dies könne erreicht werden, indem auf für Bienen giftige Pestizide verzichtet werde, sagte die Forscherin der Nachrichtenagentur AFP.

Nach Uno-Angaben sind 75 Prozent der 115 weltweit wichtigsten Nutzpflanzen von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Dazu zählen auch wichtige Agrarprodukte wie Kaffee und Kakao.

Im vergangenen Jahr sorgte eine Studie zum Insektensterben für Aufsehen, in welcher die Autoren den Rückgang des weltweiten Insektenbestands um ein Drittel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts prognostizierten. Als Hauptgründe für das Aussterben von Insektenarten gelten der Einsatz von Pestiziden sowie der Verlust des natürlichen Lebensraums. (sda/afp)


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