Was den künftigen Börsenneuling Aluflexpack mit Einsiedeln verbindet

WIRTSCHAFT ⋅ Pro Jahr verlassen eine Milliarde Kaffeekapseln das Werk in Einsiedeln.

03. Juni 2019, 20:18

Livio Brandenberg

Ohne dass es in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird, produziert die Firma Process Point Service (PPS) in Einsiedeln Milliarden von Kaffeekapseln für den internationalen Konzern Jacobs Douwe Egberts (JDE), den Marktführer im Kaffeegeschäft in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam ist gemäss einem Bericht der NZZ Hauptkunde von PPS, welche ihren Hauptsitz wiederum im liechtensteinischen Triesen hat.

Der CEO von PPS, Oliver Lünenbürger, bestätigt auf Anfrage, dass in der ehemaligen Möbelfabrik Zehnder in Einsiedeln mit etwas mehr als 40 Mitarbeitenden rund eine Milliarde Kapseln pro Jahr hergestellt werden. Dies geschieht mittels Stanzmaschinen, die das dünnwandige Aluminiumblech im sogenannten Tiefziehverfahren in die gewünschte Kapselform bringen, und zwar im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Im Fabrikgebäude in Einsiedeln sei man lediglich eingemietet, sagt Lünenbürger. Eigentümer ist Heinz Leuthold, Gründer der Leuthold Mechanik AG. Leuthold hat vor fünfeinhalb Jahren die ihm und drei Geschäftspartnern gehörende PPS zu grossen Teilen an Aluflexpack verkauft, die nun an die Schweizer Börse strebt. Heute besitzt die Firma, die operativ von Kroatien aus geführt wird, gemäss Lünenbürger 95 Prozent an PPS.

Genaue Zahlen zum Werk im Kanton Schwyz gibt PPS nicht heraus, auch gibt es keine Bilder aus der Kapselproduktion in Einsiedeln. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass der Grosskunde JDE auf Diskretion bedacht ist. Hintergrund: der erbittert geführte Streit um Kaffeekapsel-Patente mit dem Marktführer Nespresso. Die jährlich 11 bis 12 Milliarden Kapseln von Nespresso werden vom Urner Dichtungsspezialisten Dätwyler in Schattdorf und von Alupak in Belp im Kanton Bern hergestellt.


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