Warum Präsident Guy Lachappelle die GV der Raiffeisen Rigi besucht

WIRTSCHAFT ⋅ Durch Fusion ist die Raiffeisenbank Rigi zur schweizweit grössten Raiffeisenbank geworden. Dies war offenbar der Grund, dass Guy Lachappelle als neuer Verwaltungsratspräsident der Gruppe persönlich vor Ort Stellung nahm zum «Katastrophenjahr 2018».

16. April 2019, 10:18

Josias Clavadetscher

Das hatten die wenigsten Genossenschafter erwartet: Fünf Monate nach seiner Wahl an die Spitze der Raiffeisenbanken ist der neue Verwaltungsratspräsident Guy Lachappelle am Samstag höchstpersönlich an der Generalversammlung der regionalen Raiffeisenbank (RB) Rigi aufgetreten. Offensichtlich hat ihn die Grösse dieser Raiffeisenbank dazu veranlasst.

«Ich bin schwer überrascht, das ist die grösste Versammlung, die ich je gesehen habe», staunte Lachappelle. An den drei parallel geführten Tagungen in Seewen, Arth und Küssnacht waren zusammen immerhin 3423 stimmberechtigte Genossenschafter aufmarschiert. Und mit rund 17500 Genossenschaftern ist die RB Rigi tatsächlich landesweit die mitgliederstärkste Regionalbank.

«Wir haben verstanden und räumen auf»

Lachappelle wurde ziemlich deutlich. Das Jahr 2018 sei «turbulent und intensiv» gewesen. Wenn man ehrlich sei, müsse man sogar von einem Katastrophenjahr reden, weil die Reputation der Bank erschüttert worden sei. Den Namen von Pierin Vincenz nahm er allerdings nicht in den Mund. Aber Lachappelle wies darauf hin, dass nun «aufgeräumt» werde, denn man habe «verstanden». Schon 2019 werde die Bank tiefere Vergütungen an die Spitzenchargen ausrichten. Zudem seien «harte Anpassungen» vorgenommen worden, «damit solche Vorkommnisse nicht mehr vorkommen».

Die internen Reformen richten sich darauf aus, dass Kompetenzen neu geregelt, die Rolle von Raiffeisen Schweiz neu definiert und die Wertebasis überprüft werde. «Die Autonomie und unternehmerische Freiheit der einzelnen Banken bleibt unangetastet», versicherte Lachappelle. Denn auch ihm persönlich liege sehr viel am Genossenschaftsmodell, das Raiffeisen von anderen Banken unterscheide. «Die Raiffeisenwerte sollen wieder vermehrt gelebt werden, ohne jegliches Grossbankengetue.» Für die Raiffeisenbank Rigi hatte Lachapelle grosses Lob übrig. Sie sei gut geführt, sehr solide, besitze grosse Kundennähe und mache auch unternehmerisch die richtigen Schritte.

Wieder eine Dividende von 3,5 Prozent

Das Jahresergebnis 2018 ist der Beweis dafür. Wie Verwaltungsratspräsident Reto Purtschert und Ivan Köpfli als Vorsitzender der Bankleitung schilderten, ist die Bilanzsumme um 7,7 Prozent auf 1,57 Mrd. Franken gewachsen, das Betriebsergebnis um 5,4 Prozent auf einen Jahresgewinn von 2,6 Mio. Franken. Dies machte es den Genossenschaftern leicht, eine Verzinsung der Anteilscheine von nach wie vor sehr guten 3,5 Prozent zu beschliessen. Auch das erste Quartal 2019 sei «sehr erfolgreich» angelaufen.

Die RB Rigi erwartet nach wie vor ein anhaltend rekordtiefes Zinsniveau. Auch gehe man davon aus, dass weiter stark in Immobilien angelegt wird, weil am Geldmarkt für die Anleger ein Anlagenotstand bestehe. Die Bank selber sieht sich in der komfortablen Lage, dass sie bisher noch keine Gelder mit Negativzinsen habe parkieren müssen. Die zufliessenden Gelder und die Vergabe von Hypotheken haben sich gut die Waage gehalten.

Die GV wurde erneut mit erheblichem technischen Aufwand und perfekter Synchronisation an drei Standorten durchgeführt. Nach der GV wurden die Teilnehmer in 64 Restaurants in 18 Ortschaften verpflegt. Auch die Organisation dieser beliebten Naturaldividende ist schweizweit einmalig.


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