Von wegen Schiff ahoi: Die Schifffahrtsbranche ärgert sich über die Maskenpflicht

WIRTSCHAFT ⋅ Die Vorschrift schrecke Kunden ab, beklagen manche Schifffahrtsgesellschaften. Die Branche drängte auf eine Ausnahmeregelung – erfolglos.

13. Juli 2020, 05:11

Maja Briner

Maja Briner

Maja Briner

Trotz Ferienzeit und sonnigem Wetter locken Schiffrundfahrten derzeit weniger Passagiere an als üblich. Schuld sei auch die Maskenpflicht, sagen Betreiber. Das Obligatorium für den öffentlichen Verkehr gilt auf Schiffen ebenfalls – und zwar, was der Branche besonders sauer aufstösst, auch auf dem Aussendeck.

Das schrecke manche ab, sagen Betreiber. «Viele haben mir gesagt, dass sie wegen der Maskenpflicht nicht aufs Schiff kommen», erzählt Andrea Ruf, Geschäftsführerin der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt. Dass die Maske auch im Aussenbereich getragen werden müsse, sei für viele Passagiere nicht nachvollziehbar. Sie sagt:

«Wir sind sehr unglücklich
über diese Regelung.»

Mit dieser Meinung ist sie nicht allein. «Die ersten Indizien zeigen klar, dass die Maskenpflicht einen weiteren Passagierrückgang verursacht hat», sagt Stefan Schulthess, Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees. Aktuell habe man 50 bis 60 Prozent weniger Kunden als üblich zu dieser Jahreszeit. Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein wiederum berichtet, nach Bekanntgabe der Maskenpflicht habe sie zahlreiche Annullationen erhalten «von Personen, die im Freien in ihrer Freizeit keine Maske tragen wollen», wie Geschäftsführer Remo Rey schreibt.

«Übers Ziel hinausgeschossen»

Zwar gibt es einen Ort, in dem die Passagiere den Mund- und Nasenschutz ablegen dürfen: im Bordrestaurant. Das aber ist die einzige Ausnahme. Die Branche stört sich insbesondere daran, dass die Maskenpflicht auch auf dem Aussendeck gilt.

«Das ist übers Ziel hinausgeschossen», sagt Stefan Schulthess von der Vierwaldstättersee-Schifffahrt, der auch den Verband Schweizerischer Schifffahrtsunternehmen präsidiert. Dieser hatte beim Bund für eine Ausnahmeregelung geworben. «Wir haben gehofft, dass zumindest auf dem Aussendeck an der frischen Luft auf eine Maskenpflicht verzichtet wird», sagt Schulthess.

Doch der Bund blieb hart. Das sorgt in der Schifffahrtsbranche auch deswegen auf Unverständnis, weil das Schutzkonzept aus ihrer Sicht zuvor gut funktioniert hat. Die Kursschiffe durften nur zu 50 Prozent belegt sein, damit die Passagiere die Abstände einhalten können. Zudem galt wie im ÖV die dringende Empfehlung, eine Maske anzuziehen, falls es doch einmal eng wird.

Bund verweist auf Einheitlichkeit

Weshalb bestand das Bundesamt für Gesundheit auf der Maskenpflicht auf Schiffen? Ein Sprecher erklärt: Aus Gründen der Einheitlichkeit gelte diese auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen es zu Situationen kommen könne, bei denen die Distanz nicht eingehalten werde. «Offene, ungedeckte Flächen auf Schiffen können ebenfalls betroffen sein, da sie sehr überfüllt sein können», hält der Sprecher fest. Und: Solange ein Passagier in Innenräumen eine Maske tragen muss, sei es angemessen, dass er diese auch tragen müsse, wenn er aufs Aussendeck gehe.

Nicht alle in der Branche wollen die Maskenpflicht indes als Übel verschreien. Beim Schiffsbetrieb Walensee etwa heisst es, man habe eher positive Rückmeldungen erhalten. Auch Roman Knecht, Direktor der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft, sagt:

«Es gibt sicher Gäste, die wegen der Maskenpflicht auf eine Schifffahrt verzichten. Es gibt aber auch welche, die wegen der Maskenpflicht wieder kommen.»

Für eine abschliessende Beurteilung sei es noch zu früh. Generell registriert er auf dem Zürichsee seit der Wiederaufnahme des Betriebs vor gut einem Monat «eine zögerliche, aber stetige Zunahme der Frequenzen».

Finanzielle Schieflage

Einig ist man sich daran, dass die wirtschaftliche Lage nicht rosig ist. «Für viele Schifffahrtsgesellschaften ist die finanzielle Situation aktuell existenzbedrohend», sagt Verbandspräsident Schulthess. Die Saison konnte wegen Corona erst verspätet und in beschränktem Umfang starten. Die Branche hoffte darauf, dass viele Schweizer im eigenen Land Ferien machen und aufs Schiff steigen. Doch dann kam die Maskenpflicht.

Andrea Ruf von der Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft sagt: «Es ist schön, macht der Bundesrat in der Schweiz Ferien und empfiehlt den Bürgerinnen und Bürgern es gleichzutun. Unschön ist, dass er gleichzeitig unser Freizeitangebot mit solchen Regeln einschränkt.»

Bei aller Kritik an der Regelung: Selbstverständlich setze man diese nun um, sagt Schulthess. Wenn man Passagiere ohne Maske sehe, weise man sie darauf hin. Er räumt aber auch ein: «Wir können und wollen bei einer zweistündigen Schifffahrt nicht ständig kontrollieren, ob die Passagiere ihre Maske immer tragen.» Gefragt sei weiterhin Eigenverantwortung.


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