Stanser Lizenzhändler SoftwareOne strebt an die Börse

WIRTSCHAFT ⋅ Noch in diesem Jahr soll SoftwareOne an die Börse kommen und dort einen Wert von mehreren Milliarden Franken erreichen. Dabei gerät das klassische Geschäft mit dem Handel von Software-Lizenzen unter Druck.

08. April 2019, 18:09

Maurizio Minetti

In der Schweizer Software-Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass der Stanser Lizenzhändler SoftwareOne schon bald an die Börse gehen könnte. Nun verdichten sich die Hinweise.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag berichtete, bereitet die US-Beteiligungsgesellschaft KKR die Firma auf einen Börsengang vor. Die Investmentbank Rothschild sei mit der Planung der Transaktion beauftragt worden. Laut Reuters könnte der Börsengang im Verlauf des Jahres stattfinden. SoftwareOne dürfte dabei auf einen Wert von «mehreren Milliarden Franken» kommen, heisst es. KKR beteiligte sich im Jahr 2015 mit 25 Prozent an der Firma; die Mehrheit halten aber nach wie vor die Firmengründer. Auf Anfrage unserer Zeitung wollte KKR den Bericht nicht kommentieren. Auch SoftwareOne liess eine Anfrage unbeantwortet.

SoftwareOne wurde 1985 von Patrick Winter, Daniel von Stockar, Beat Curti und René Gilli gegründet. CEO Patrick Winter starb im vergangenen Juni an einem Herzstillstand. Neuer Geschäftsführer ist Dieter Schlosser.

Konsolidierung ist im Gang

Das Unternehmen vermittelt Softwarelizenzen von Herstellern wie etwa Microsoft, IBM, Oracle oder SAP. Vereinfacht gesagt hilft SoftwareOne Firmen dabei, die verschiedenen Lizenzen zu verwalten. SoftwareOne ist hierzulande der grösste Player in diesem Geschäft. Daneben sind Firmen wie Insight in Wallisellen, Comsoft in Rotkreuz, Brainwaregroup in Steinhausen oder Crayon in Altdorf im Lizenzhandel tätig.

Doch mittlerweile machen die Softwarehersteller den Händlern das Leben schwer. Grund dafür ist, dass Firmenkunden ihre Software zunehmend direkt bei den Herstellern über die Cloud beziehen. Diesen Paradigmenwechsel bekommen die Händler zu spüren. Ein Branchenkenner sagt, die grössten Konkurrenten der Lizenzhändler seien nicht andere Händler, sondern die Hersteller.

Im Markt gab es zuletzt grosse Bewegungen. So hat sich SoftwareOne im Mai 2018 mit 9 Prozent an Crayon beteiligt und im gleichen Monat hat die US-amerikanische Flexera Software die Brainwaregroup übernommen. Für Aufsehen sorgte SoftwareOne erst vor kurzem: Im vergangenen Herbst haben die Stanser den Kauf des deutschen Konkurrenten Comparex bekannt gegeben. Das fusionierte Unternehmen wird mit 5500 Angestellten in über 150 Ländern aktiv sein. Der Jahresumsatz dürfte bei über 10 Milliarden Franken liegen. Heute setzt SoftwareOne mit knapp 3000 Angestellten 7,2 Milliarden Franken um. Am Hauptsitz in Stans arbeiten rund 100 Personen.


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