Sodastream kommt mit einer Produktneuheit zu Coop zurück

WIRTSCHAFT ⋅ Alternativanbieter von CO2-Zylinder werden am neuen Duo voraussichtlich aber keine Freude haben. Sinken sollen auch die Debotgebühren für Ersatzflaschen.

24. Juli 2020, 05:11

Christopher Gilb

«Ab 3. August sind wir wieder bei Coop, und zwar mit einem Paukenschlag.» Andreas Rücker freut sich sichtlich. Seit gut einem Jahr leitet der Deutsche die Schweizer Niederlassung des Wassersprudler-Herstellers Sodastream in Hünenberg. Was der 39-Jährige als Paukenschlag bezeichnet, ist auf dem Plakat hinter ihm abgebildet. Es ist der neuste Wassersprudler des Konzerns namens Duo.

Bei diesem könnten neu Glas- sowie Kunststoffflaschen verwendet werden, er sei tiefer und passe unter jede Küchenzeile, zudem hätten die Glasflaschen neu ein Fassungsvermögen von einem Liter und nicht mehr nur 615 Milliliter. Auch müssen die CO2-Zylinder nicht mehr reingedreht werden, sondern rasten nun mit Hilfe eines Hebels ein. «Die Schweiz wurde als Testmarkt ausgewählt», sagt Rücker stolz.

Neuer Sprudler sperrt Alternativprodukte aus

Fakt ist, dass die Konkurrenz für den Platzhirsch auch hierzulande gewachsen ist. Junge Unternehmen drängten auf den Markt. Wie Mysodapop aus Wien, die Glasflaschen mit einem Fassungsvermögen von einem Liter anbieten. Das Gerät wird unter anderem von Galaxus vertrieben. Oder Thomas Canataro, der Vorgänger von Rücker bei Sodastream, der mit Sodanow auch mit Sodastream-Geräten kompatible CO2-Zylinder anbietet. Die Migros hat diese inzwischen ins Angebot aufgenommen – fünf Franken günstiger. Und dann entfernte Coop Anfang 2019 die Sodastream-Zylinder komplett. Diese seien im Vergleich zum Ausland zu teuer, hiess es. Stattdessen setzte Coop auf eine Alternativmarke. Seit der Übernahme durch den Coca-Cola-Mitbewerber Pepsico vor zwei Jahren gibt Sodastream zwar keine Länderzahlen mehr bekannt. Eine Aussage lässt sich Rücker aber entlocken: «Es ist klar, dass sich das in den Zahlen niederschlägt, wenn man Coop verliert.» Wieso Sodastream nun wieder zurückkehren kann, wird von ihm nur vage beantwortet. Ob es ausschliesslich mit dem neuen Gerät zusammenhängt? Der Detailhändler will sich zu Sortimentsentscheiden auf Anfrage nicht näher äussern. Rücker meint dazu, es sei wie in einer guten Ehe, manchmal krache es richtig, aber dann vertrage man sich wieder. Ob die CO2-Zylinder nun günstiger würden? Der Verkaufspreis sei Sache des Händlers, sagt er. «Aber», ergänzt Rücker, «wir verschliessen uns der Diskussion um unsere Preise nicht. Beispielsweise passen wir die umstrittene Nutzungsgebühr für einen zusätzlichen CO2-Zylinder an. Je nach Handelspartner kann sie künftig nur noch 10 statt über 30 Franken betragen.»

Klar ist, dem Unternehmen ist ein Clou gelungen, denn die neue Zylindervorrichtung des Duos hat für den Konzern einen klaren Vorteil: Der Sprudler ist nicht mehr kompatibel mit Zylindern anderer Hersteller. Wer den Duo kauft, muss künftig also Sodastream-Zubehör verwenden.

Mit dem neuen Gerät geht Sodastream Schweiz in die Offensive, denn der Konzern hat sich ambitionierte Wachstumsziele gesetzt. Bis Ende 2023 will er die Anzahl Kunden in der Schweiz verdoppeln. «Jeder vierte Schweizer sprudelt, alle anderen noch nicht, das ist ein grosses Potenzial», so Rücker. Helfen soll dabei auch eine Innovation, die der Konzern während der Coronakrise eingeführt hat: Kunden können sich ihre leeren Zylinder ohne Zusatzkosten vom Paketlieferdienst im Briefkasten austauschen lassen.

Vermeidung von Plastikmüll

Sowieso scheinen die Auswirkungen der Pandemie dem Wassersprudler-Konzept eher in die Hände zu spielen. So fanden deutsche Marktforscher heraus, dass die Verkaufszahlen von Sodastream-Deutschland im März bis zu 87,4 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2019 lagen. Rücker sagt, das Thema habe zwei Seiten. «Es ist grundsätzlich nie gut, wenn Geschäfte geschlossen haben, die unser Produkt verkaufen.» Wer aber selber sprudle, müsse auch kein Mineralwasser schleppen. «Und vermeidet Plastikmüll.»

Während der neue Sprudler nun als Erstes in der Schweiz getestet wird, wurde die neue Geschmacksrichtung vorab in Deutschland getestet. Getreu dem Eigentümer ist es die Geschmacksrichtung Pepsi. Wann diese in die Schweiz komme, stehe noch nicht fest, so Rücker. Wenn der neue Sprudler jedoch genauso einschlägt wie die Geschmacksrichtung in Deutschland, kann sich Rücker freuen. Dort ist sie bereits ausverkauft.


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