SNB knapp in den schwarzen Zahlen

NOTENBANK ⋅ Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im ersten Halbjahr leicht positiv abgeschnitten. Auf ein sehr schwaches erstes Quartal folgte ein ausserordentlich gutes zweites Jahresviertel.

Aktualisiert: 
31.07.2020, 09:21
31. Juli 2020, 07:49

Konkret weist die SNB für die Periode von Januar bis Juni 2020 einen Gewinn von 0,8 Milliarden Franken aus, wie sie am Freitag mitteilte. Während bei den Fremdwährungspositionen ein Verlust von 6,8 Milliarden resultierte, gab es auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand einen Bewertungsgewinn von 7,1 Milliarden. Auf den Frankenpositionen erzielte die Notenbank ein Plus von 0,6 Milliarden, das im Wesentlichen aus den Negativzinsen auf Girokontoguthaben resultierte.

Im ersten Quartal hatte vor allem wegen des schwierigen Börsenumfeldes als Folge der Corona-Pandemie und dem Anstieg des Frankens ein Verlust von 38,2 Milliarden resultiert; die Erholung an den Aktienmärkten, der weitere Anstieg des Goldes und eine leichte Abschwächung des Frankens führten dann ab April aber zu einem Plus von 39,0 Milliarden.

Gegensätzliche Entwicklungen

Der Verlust von knapp 7 Milliarden Franken auf den Fremdwährungspositionen im Halbjahr setzt sich aus sehr gegensätzlichen Entwicklungen zusammen: Die Erträge aus Zinsen und Dividenden wirkten sich mit zusammen 5,9 Milliarden Franken positiv aus, ebenso die Kursgewinne von 10,8 Milliarden auf Zinspapieren (Anleihen etc.). Auf Aktien etc. erlitt die SNB dagegen ein Minus von 4,4 Milliarden und wegen des in der Krise wieder gestiegenen Frankens resultierten insgesamt wechselkursbedingte Verluste von 19,1 Milliarden.

Die SNB betonte wie üblich, dass ihr Ergebnis überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen und Kapitalmärkte abhängig ist. Starke Schwankungen seien deshalb die Regel und Rückschlüsse vom Zwischenergebnis auf das Jahresergebnis nur bedingt möglich. Diese Schwankungen waren nun im ersten Halbjahr bzw. den beiden Quartalen exemplarisch hoch.

Folge der Geldpolitik

Das SNB-Ergebnis ist vor allem eine Folge ihrer Geldpolitik. Um den Franken zu schwächen bzw. nicht zu stark werden zu lassen, hat die Nationalbank neben der Einführung der Negativzinsen vor allem ihre Devisenreserven in den vergangenen Jahren stark erhöht bzw. Anleihen und Aktien in verschiedenen Währungen gekauft. Auch im ersten Halbjahr musste die SNB wieder in grösserem Ausmass intervenieren.

Insgesamt stiegen die Devisenreserven im ersten Semester 2020 um rund 70 Milliarden auf 863 Milliarden Franken per Ende Juni. Davon hielt die SNB rund 40 Prozent in Euro und rund 36 Prozent in US-Dollar, der Rest fiel auf andere Währungen wie etwa Yen, Pfund, Kanada-Dollar. Rund 70 Prozent der Anlagen steckten in Staatsanleihen, 10 Prozent in sonstigen Anleihen und 20 Prozent in Aktien.

Die Höhe der Devisenanlagen macht klar, dass bereits kleinere Schwankungen des Wechselkurses zu hohen Gewinnen oder Verlusten führen können. Hinter den oben erwähnten wechselkursbedingten Verlusten von 19 Milliarden Franken im ersten Semester steht jedenfalls ein Anstieg des Frankens um nur jeweils etwa 2 Rappen zu Euro oder US-Dollar.

Ausschüttungsreserve hoch

Was das SNB-Ergebnis für die Ausschüttung an Bund und Kantone im nächsten Jahr bedeuten wird, muss sich noch zeigen. Diese hängt vom Ergebnis des ganzen Jahres bzw. dem Stand der sogenannten Ausschüttungsreserven ab. Letztere liegt nach der Ausschüttung für 2019 bei rund 84 Milliarden Franken.

Die laufende Vereinbarung zwischen dem Bund und der SNB, die aus dem Jahr 2016 stammt und bis und mit 2020 gilt, sieht eine jährliche Ausschüttung von 1 Milliarde und eine Erhöhung auf 2 Milliarden Franken vor, falls die Ausschüttungsreserve (nach Gewinnverwendung) den Wert von 20 Milliarden überschreitet.

Vor kurzem schloss die SNB mit dem Bund dann noch eine Zusatzvereinbarung ab, geltend für 2019 und 2020. Diese sieht eine Zusatzausschüttung von je einer weiteren Milliarde vor, wenn die Ausschüttungsreserve den Schwellenwert von 30 Milliarden bzw. 40 Milliarden überschreitet. Dies war für 2019 der Fall, daher wurden 4 Milliarden ausgeschüttet; ob es auch 2020 so sein wird, muss sich also noch zeigen.

Wie die SNB am Freitag in der Bilanz ausserdem noch mitteilte, hat sie per Mitte Jahr 10,1 Milliarden Franken an Covid-19-Krediten refinanziert. Schweizer Banken können bekanntlich gegen Hinterlegung der vom Bund oder den Kantonen garantierten Kredite bei der SNB Liquidität beziehen. (sda/awp)


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