Sika erzielt erneut Rekordresultat und stellt einen neuen CEO vor

WIRTSCHAFT ⋅ Nach einem weiteren Rekordjahr kommt es an der Spitze des Bauzulieferers aus Baar zu einem Wechsel. Der bisherige CEO Paul Schuler soll in den Verwaltungsrat wechseln. An seine Stelle tritt Thomas Hasler, der seit 1989 für Sika tätig ist.

19. Februar 2021, 16:09

Christopher Gilb

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Thomas Hasler ist ein Sika-Eigengewächs. Der derzeitige Leiter Global Business und Industry ist seit 32 Jahren für den Bauzulieferer aus Baar tätig, seit 2014 gehört der 55-Jährige auch der Konzernleitung an. Am
1. Mai tritt der gebürtige Ostschweizer mit Wohnsitz im Kanton Zug die Nachfolge des bisherigen CEO Paul Schuler an, wie an der Präsentation des Jahresergebnisses am Freitag bekanntgegeben wurde.

Schuler war 2017 auf Jan Jenisch gefolgt, der mitten im Übernahmestreit mit Saint-Gobain als neuer CEO zum Zementriesen Lafarge-Holcim gewechselt war. Der 65-jährige Einsiedler galt aufgrund seines Alters von Beginn an als mittelfristige Lösung. Nun hat er sein ordentliches Pensionsalter erreicht und stellt sich im Mai zur Wahl in den Verwaltungsrat. Von Anfang an habe sich der Konzern auf eine interne Nachfolgelösung konzentriert, wie Verwaltungsratspräsident Paul Hälg ausführte. Mit dem Ziel, jemanden zu finden, der mit der nötigen Kontinuität und dem Verständnis für die Sika-Kultur den eingeschlagenen Wachstumskurs fortsetze.

Hasler selbst erinnerte sich, wie er seine Karriere bei Sika einst als Forschungschemiker für Industrieklebstoffe begonnen hatte. Als besonders inspirierend nannte der ausgebildete Chemie- und Wirtschaftsingenieur seine Zeit in den USA und das dortige Umfeld: 2005 hatte er die Leitung des Geschäftssegments Automotive Nordamerika, also der dortigen Automobilzulieferung, übernommen. «Inspiration ist die grösste Motivation», so Hasler. Er bekräftigte, seine ganze Energie in die erfolgreiche Umsetzung der Wachstumsstrategie 2023 stecken zu wollen, sowie in die Menschen im Konzern, denn sie seien es, die die Strategie zum Fliegen bringen würden.

Sika wuchs auch 2020, aber deutlich weniger

Schuler selbst zeigte sich an seiner letzten Bilanzmedienkonferenz zufrieden mit der Performance des Konzerns mit seinen 25'000 Angestellten. Trotz teils schwerer Auswirkungen der Pandemie auf den Bau- und den Automotive-Sektor habe Sika Rekordresultate erzielen können. Der Umsatz in Lokalwährungen stieg um 3,4 Prozent. Dies entspricht einem leichten Umsatzrückgang in Schweizer Franken von minus 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufgrund negativer Währungseffekte. Der Betriebsgewinn (Ebit) nahm um 7,1 Prozent auf 1130,5 Millionen Franken zu. Entsprechend sei auch beim Reingewinn mit 825,1 Millionen Franken (plus 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) eine neue Bestmarke erzielt worden.

«Unseren Erfolg im herausfordernden Marktumfeld des vergangenen Geschäftsjahrs verdanken wir insbesondere unseren Mitarbeitenden», so Schuler. Deren hohe Kundenorientierung, ihr überdurchschnittliches Engagement in Kombination mit dem erfolgreichen Geschäftsmodell hätten massgeblich zur Widerstandsfähigkeit des Konzerns beigetragen.

Trotzdem zeigt sich, dass der Konzern zwar in allen Regionen stärker als der Markt wachsen konnte, aber weniger schnell als im Vorjahr. Beispielhaft zeigt sich dies an der Marktregion Americas, wo Sika 2020 ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen von 1 Prozent erreichte, im Vorjahr 2019 waren es noch 19,2 Prozent gewesen. Trotz der hohen Infektionsraten in Mexiko, Brasilien und den USA habe aber im vierten Quartal wieder ein Aufwärtstrend verzeichnet werden können. Und der Regionenverantwortliche zählte etliche grosse Bauprojekte auf, in die Sika derzeit involviert ist. Dazu gehören der Ausbau des Flughafens in New York, die Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke von Houston nach Dallas, Wassertunnel in Kalifornien und etliche Projekte aus Branchen, die in der Krise boomen, wie Rechenzentren für Cloud-Anbieter und Distributionszentren für Onlinehändler. Ähnlich tönt es auch aus den anderen Marktregionen. Entsprechend gut sieht Noch-CEO Schuler den Konzern für die nächsten Jahre aufgestellt. Denn ob diese Pandemie noch einige Monate oder Jahre daure; die Megatrends wie etwa die starke Urbanisierung würden die gleichen bleiben.

Sika senkt CO2-Ausstoss deutlich

Einhergehen soll die Wachstumsstrategie bei Sika mit einer Reduktion des CO2-Ausstosses. Der Konzern hat sich verpflichtet, bis 2023 diesen um 12 Prozent zu reduzieren und spätestens bis 2050 klimaneutral zu sein. Zwischenziel bis 2030 ist es, die Treibhausgasemissionen pro verkaufte Tonne gegenüber 2019 zu halbieren. Dies soll erreicht werden, indem die Energieeffizienz der Produktion gesteigert und ein wachsender Teil der benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen bezogen wird. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr habe Sika das Ziel bis 2023 klar übertroffen, so Schuler, und habe den Ausstoss um 26 Prozent reduzieren können. Heute setzt Sika pro Tonne verkaufter Produkte noch 20 Kilogramm CO2 frei, im 2019 waren es noch 27 Kilo gewesen.

Die Börse reagierte positiv auf die Performance des Konzerns, bis am Mittag stieg der Wert der Aktie um 0,8 Prozent. Vor dem Hintergrund der Reingewinnsteigerung schlägt der Sika-Verwaltungsrat für die Generalversammlung im April den Aktionären eine Erhöhung der Bruttodividende von 8,7 Prozent auf 2,50 Franken vor.


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