«Ein herber Schlag»: Müller Martini prüft Standort-Schliessung in Stans – 60 Stellen gefährdet

WIRTSCHAFT ⋅ Das in der Druckereibranche tätige Unternehmen Müller Martini will in der Schweiz insgesamt 115 Stellen abbauen. In Betracht gezogen wird dabei die komplette Einstellung des Betriebs in Stans. Es geht hier um 60 Stellen.

10. April 2019, 17:00

Raphael Bühlmann

Das Aargauer Unternehmen Müller Martini will 115 von aktuell 800 Stellen an verschiedenen Standorten in der Schweiz streichen. Als Teil der Massnahmen werde die Schliessung der Betriebsstätte in Stans mit 60 Mitarbeitenden geprüft, dies bestätigt das Unternehmen in einer Mitteilung vom Mittwoch Nachmittag.

Für die Nidwaldner Regierung kam die Nachricht überraschend. Wirtschaftsdirektor Othmar Filliger erklärt auf Anfrage: «Wir wurden über den Stellenabbau am Montag informiert. Dies kam für uns völlig unerwartet und wir bedauern den Schritt ausserordentlich. Für den Wirtschaftsstandort Stans seien 60 Stellen ein herber Schlag. Von Müller Martini erwarte die Regierung nun, dass sich das Unternehmen für die Betroffenen für gute Lösungen einsetzte. «Das wurde uns von Seiten Unternehmensleitung zugesichert», sagt Filliger weiter.

Gemäss der Geschäftsleitung von Müller Martini soll es zu möglichst wenigen Kündigungen kommen. Der Stellenabbau soll wo immer möglich über ordentliche oder vorzeitige Pensionierungen, Altersteilzeit und natürliche Fluktuationen abgefedert werden. Dazu werde nun ein entsprechender Sozialplan ausgearbeitet. «Ich sehe es als unsere unternehmerische Pflicht, diesen Schritt so sozialverträglich wie möglich zu gestalten», sagt CEO Bruno Müller laut Mitteilung. Für die zur Diskussion stehende Schliessung der Betriebsstätte in Stans kündigt die Firma an, in den kommenden Wochen im Rahmen eines Konsultationsverfahrens mit der Personalvertretung nach konstruktiven Lösungen zu suchen.

Auch Lehrlinge und ältere Mitarbeiter betroffen

In Stans werden laut dem Verband Angestellte Schweiz prioritär die Teile für die eigenen Anlagen gefertigt. Es sei zwar gelungen, zusätzlich für Drittkunden am Ort zu produzieren. Allerdings sei aber absehbar, dass sich ein Grosskunde absetze. Unter den 60 Betroffenen seien 9 Lehrlinge. Der Verband ist zuversichtlich, dass sie ihre Lehre inner- oder ausserhalb des Unternehmens abschliessen können. Für die betroffenen Mitarbeiter, von denen einige über 50-jährig seien, soll der bei der letzten Restrukturierung ausgehandelte Sozialplan von 2013 mit Anpassungen zur Anwendung kommen.

Wegen Digitalisierung: Druckereibranche kauft weniger Anlagen

Das in Zofingen beheimatete Unternehmen Müller Martini ist mit weltweit 1800 Mitarbeitenden in der Entwicklung und Produktion von Systemen für die Druckweiterverarbeitung tätig. Die Erträge im Printbereich seien in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gesunken. Seit einiger Zeit werde ein markanter Rückgang bei den Bestellungen von Neumaschinen verzeichnet, was eine tiefe Auslastung der Fabriken zur Folge hat, begründet Müller Martini den Abbau.

Die Verantwortlichen des Familienunternehmens unternahmen nach eigenen Angaben in den letzten Monaten alles, um den Erhalt der Arbeitsplätze trotz des Wegbruchs der Aufträge zu sichern. Man sei jedoch zum Schluss gelangt, «dass wir den markanten Rückgang im Bereich der Neumaschinen nicht ohne schmerzhafte Einschnitte auffangen können», wird CEO Bruno Müller in der Medienmitteilung zitiert.


Login