Pilatus-Bahnen sind bereit für eine Grossinvestition

WIRTSCHAFT ⋅ Die Pilatus-Bahnen haben ein ausgezeichnetes Jahr hinter sich. Die Einnahmen können sie gut brauchen. Denn es steht ein grosses Projekt bevor.

05. April 2019, 15:18

Rainer Rickenbach

828'718 Ausflügler liessen sich im vergangenen Jahr auf den Pilatus transportieren. Das sind so viele wie noch nie zuvor und 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa drei Viertel der Bahngäste fuhren bis zum Gipfel des Luzerner Hausbergs, ein Viertel verliess die Bahn in den Stationen Krienseregg und Fräkmüntegg. «Die sonnenreiche Zeit von April bis November, das internationale Tourismuswachstum und unsere Angebotsvielfalt sind für das achte Rekordjahr in Folge verantwortlich», sagte Bruno Thürig, Verwaltungsratspräsident der Pilatus-Bahnen AG, am Freitag an einem Medientermin.

Der lange Sommer kam dem Bahnunternehmen sehr entgegen, weil es rund 3 von 4 Franken in der Zeit von Mai bis Oktober einnimmt. Doch Sonnenschein allein reicht heute nicht mehr, um Touristen und Einheimische – sie machen je rund die Hälfte des Passagieraufkommens aus – auf den Berg zu locken. Geschäftsführer Godi Koch:

«Unsere Strategie der 2132 Möglichkeiten zahlt sich aus.»

Gemeint sind damit die Freizeitattraktionen auf dem Gipfel, der Krienseregg und der Fräkmüntegg. Auf Letzterer kommen im Juni Neuheiten hinzu: Auf dem Areal der Brandruine des ehemaligen Restaurants Fräkmüntalp entstand eine grosse Grillecke mit Kiosk und die erste Fly-Line-Anlage der Schweiz (eine Art Schlitten an Trägerrohrsystem) ist im Sommer betriebsbereit. Wer lieber gemächlicher unterwegs ist, kann auf dem Wipfelweg die Umgebung von Baumspitzenhöhe aus betrachten.

Finanzielles Polster für neue Triebwagen

Es versteht sich von selbst, dass dank der Passagierrekordzahl auch die Kassen an den Bergstationen in Alpnachstad und Kriens laut klingelten. Umsatz und Gewinn stiegen kräftig an (siehe Tabelle).

Besonders wichtig in der investitionsintensiven Bergbahnbranche: Der Cashflow stieg um fast 30 Prozent auf knapp 13,6 Millionen Franken. Dank dieser Summe und früheren Jahresgewinnen verfügen die Bergbahnen heute über flüssige Mittel in der Höhe von mehr als 30 Millionen Franken.

«Das finanzielle Polster ist wichtig. Die neuen Triebwagen der Zahnradbahn und die damit verbundenen baulichen Anpassungen dürften rund 50 Millionen Franken kosten. Wir haben vor, die Erneuerung der Bahn ohne Fremdmittel zu finanzieren», so Verwaltungsratspräsident Thürig. Konkret geht es um die Anschaffung von acht neuen Personentriebwagen und einem Gütertriebwagen. Sie ersetzen die 80-jährigen Gefährte, die heute zwischen Alpnachstad und dem Pilatus-Kulm unterwegs sind.

«Im vergangenen Juli haben wir den Vertrag mit dem schweizerischen Bahnhersteller Stadler Rail unterzeichnet. Die Engineering-Arbeiten haben begonnen und finden bereits in den Jahreszahlen der Jahresrechnung für 2018 ihren Niederschlag», erklärte Geschäftsführer Koch.

Vor einem Jahr bezifferte die Bahnführung den Kostenrahmen noch auf «mindestens 30 Millionen Franken». Dass nun 50 Millionen daraus geworden sind, ist den enormen Herausforderungen geschuldet, die Planung und Bau der Zahnradbahntriebwagen und die notwendigen Infrastrukturanpassungen mit sich bringen. Thürig: «Es handelt sich bei den Triebwagen um einen Prototyp. Die Planer und Bahnbauer können für die über 120 Jahre alte Bahnstrecke nicht auf ihr Wissen über andere Projekte zurückgreifen.»

Die Pilatus-Bahnen nehmen die Ersatzinvestitionen nicht in Angriff, um das Passagierwachstum zu beschleunigen. Thürig: «Es geht uns in erster Linie darum, die Wartezeiten zu verringern. Bauliche Anpassungen in den Stationen ermöglichen eine kürzere Ein- und Ausstiegsphase.» Wenn alles rund läuft, wird die steilste Zahnradbahn der Welt ab Mai 2023 mit einem Tempo von 15 Stundenkilometern (heute 12 Stundenkilometer) und im Halbstundentakt unterwegs sein. Geplant ist zudem, die Bergstation mit einem Lift behindertengerecht zu gestalten.

Aktionäre und Angestellte profitieren von Gewinn

Es fliesst indes nicht der ganze Jahresgewinn in «unser Jahrhundertprojekt» (Thürig). Auch die 3000 Aktionäre und die 249 Mitarbeitenden kommen zum Handkuss. Die Anleger erhalten zur üblichen Dividende von 40 Franken pro Aktie eine Sonderausschüttung von 10 Franken und alle Angestellten bekommen einen lohnabhängigen Bonus. Die Pilatus-Bahnen gewähren zwar auf General- und Halbtaxabonnements sowie Swiss Travel Pass 50 Prozent Preisnachlass. Doch beim Preisdumping etwa im Gruppengeschäft beteilige sich die Bahn nicht, sagte Koch. «Der Umsatz pro Passagier stieg im vergangenen Jahr um 9,2 Prozent. Mit einer Tiefpreisstrategie wäre das nicht möglich.»


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