Neue Nachtzüge sollen durch Europa rollen

BAHNVERKEHR ⋅ Die SBB und ihre österreichische Partnerin ÖBB wollen das Angebot im Nachtzugverkehr von sechs auf zehn Linien ausbauen. Geplant sind unter anderen neue Nachtzüge ab der Schweiz nach Amsterdam, Rom und Barcelona, wie die SBB am Dienstag mitteilten.

Aktualisiert: 
15.09.2020, 11:33
15. September 2020, 11:01

Mit 19 Nightjet-Linien und acht weiteren Verbindungen mit Partnern betreibt die ÖBB das grösste Nachtzugnetz Europas. Davon umfasst das Netz in Kooperation mit der SBB ab der Schweiz sechs Linien und eine weitere Verbindung. Darauf aufbauend wollen die SBB und ÖBB das Angebot an Nachtzügen in Europa gemeinsam erweitern. Sie haben am 11. September eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Die Ausbaupläne von "Nightjet-Netz Schweiz 2024" beinhalten einen Ausbau des Nightjet-Netzes ab der Schweiz auf insgesamt zehn Linien und 25 Destinationen. Als ersten Ausbauschritt wollen die beiden Bahnen ab Dezember 2021 eine neue tägliche Nightjet-Verbindung Zürich-Basel-Frankfurt-Köln-Amsterdam aufnehmen.

Eine neue Linie soll von Zürich über Bern-Brig-Domodossola nach Rom geführt werden. Geplant ist zudem eine tägliche Verbindung von Zürich über Bern-Lausanne-Genf nach Barcelona.

Neu direkt nach Leipzig und Dresden

Zudem soll die Kapazität der Verbindungen ab Zürich über Basel nach Berlin und Hamburg soll ausgebaut werden und ab 2023 mit zwei separaten Zügen auf der ganzen Strecke bedient werden. Die Verbindung nach Prag soll als Zugteil des Berliner Nightjet mit Schlaf- und Liegewagen neu über Deutschland führen. Dadurch entsteht neu eine direkte Verbindung nach Leipzig und Dresden.

"Wir investieren in neue Züge, 13 Nightjet-Garnituren der neusten Generation werden ab Ende 2022 im Einsatz sein", wird Andreas Matthä, CEO der ÖBB, in der Medienmitteilung zitiert.

Nur mit Geldern aus Klimafonds

Der geplante Ausbau könne nur mit finanzieller Unterstützung aus dem Schweizer Klimafonds sichergestellt werden, schreiben die SBB. Das Eidgenössische Parlament berät in der laufenden Herbstsession die Totalrevision des CO2-Gesetzes. Dieses sieht eine Förderung des grenzüberschreitenden Zugverkehrs aus dem Klimafonds vor. Das Parlament hat letzte Woche der Förderung des internationalen Personenverkehrs inklusive Nachtzüge zugestimmt.

Vorbehaltlich der Schlussabstimmung und eines allfälligen Referendums würde die finanzielle Unterstützung aus dem Klimafonds der SBB ermöglichen, die Betriebskosten der Nachtzugsverbindungen auszugleichen, hält das Bahnunternehmen fest.

"Klar nachweisbare Klimawirkung"

"Nachtzüge haben eine klar nachweisbare Klimawirkung, da sie eine Verlagerung von Reisen vom Flugzeug, Auto oder Bus auf den Zug bewirken", schreiben die SBB. Nach ihren eigenen Schätzungen beläuft sich die Klimawirkung des heute bestehenden Nachtzugverkehrs ab der Schweiz auf eine Einsparung von rund 50'000 Tonnen CO2 jährlich. Dies entspreche dem durchschnittlichen, jährlichen Ausstoss von 30'000 Autos.

SBB-CEO Vincent Ducrot ist gemäss der Medienmitteilung überzeugt, dass die Nachfrage nach Bahnreisen für schnelle Tagesverbindungen und für Nachtzüge weiter zunehmen wird. "Diese Entwicklung ist nachhaltig und die Nachfrage nach umweltfreundlicher und ressourcenschonender Mobilität wird weiter steigen." (sda)


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