Mercedes-Händler Merbag trennt sich von Zentralschweizer Filialen mit 200 Mitarbeitern

WIRTSCHAFT ⋅ Die Zürcher Merbag-Gruppe verkauft ihre sechs Filialen in der Zentralschweiz. Für die 200 Angestellten in der Region soll sich nichts ändern. Der Verkauf geschieht auf Druck von Daimler.

06. Juni 2019, 14:09

Maurizio Minetti

Im Schweizer Autohandel kommt es zu einer gewichtigen Redimensionierung. Der hierzulande mit Abstand grösste Mercedes-Händler Merbag mit Hauptsitz in Schlieren will sechs von insgesamt 32 Schweizer Filialen verkaufen. Alle sechs Standorte befinden sich in der Zentralschweiz: Es handelt sich um die Betriebe in Luzern, Kriens, Littau, Emmenbrücke, Sursee und Ennetbürgen. An diesen Standorten beschäftigt Merbag insgesamt rund 200 Personen.

Die Mitarbeitenden sind heute Mittag über die Pläne informiert worden, wie Merbag-COO Herbert Dali sagt. «Uns war es wichtig, möglichst früh im Verkaufsprozess die Angestellten einzubinden», so Dali. Einen Käufer für die sechs Standorte hat die Garagengruppe allerdings noch nicht. «Der Prozess befindet sich in einem sehr frühen Stadium. In den letzten Wochen wurden mögliche Interessenten angesprochen und eingeladen, eine Übernahme der Standorte zu prüfen», sagt Dali. «Wir rechnen mit einer Transaktion im Spätherbst.» Es sei vorgesehen, dass der Käufer sämtliche sechs Filialen inklusive bestehender Arbeitsverträge übernimmt.

Dali betont, dass der Teilverkauf der Firmengruppe aus einer Position der Stärke geschehe. Die sechs Filialen seien erfolgreich unterwegs. Der Grund für den Verkauf ist vielmehr am Hauptsitz der Mercedes-Mutter Daimler AG in Stuttgart zu suchen. «Die Entscheidung fiel auf Wunsch der Daimler AG, welche erwartet, dass der Schweizer Markt durch die Präsenz weiterer Anbieter ein diversifizierteres Profil erhält», erklärt der Merbag-COO: «Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Für Mercedes sind wir in der Schweiz mittlerweile zu dominant geworden.»

Im Gegenzug unterstützt Daimler die Internationalisierungs-Strategie von Merbag. Die Firmengruppe hat vor zwei Jahren nach Italien expandiert und ist mittlerweile auch in Luxemburg tätig. Im Ausland beschäftigt Merbag nun 800 Personen, in der Schweiz sind es 1400. Auch in den nächsten Jahren soll eine «ertragsorientierte internationale Wachstumsstrategie» weiterverfolgt werden, wie es heisst.

Schweizer Mitbewerber kommen nicht in Frage

Auf die Frage, warum Daimler ausgerechnet die Zentralschweizer Filialen abgestossen sehen will und nicht andere, sagt Dali: «Die Zentralschweiz ist geografisch gesehen ein klar abgeschlossenes Gebiet, das für einen Verkauf prädestiniert ist.»

Über den Wert der sechs Filialen und den möglichen Käufer mag COO Herbert Dali nicht spekulieren. Praktisch ausschliessen kann er, dass ein Schweizer Mitbewerber zum Zug kommt. «Es ist eher wahrscheinlich, dass ein Käufer aus dem Ausland in die Schweiz eintritt, so wie wir das jetzt auch machen», sagt Dali. Letztlich habe Daimler das letzte Wort. Fest steht deshalb, dass an den sechs Zentralschweizer Standorten weiterhin Autos und Nutzfahrzeuge von Mercedes verkauft werden. Auch nach dem Verkauf wird Merbag der grösste Schweizer Mercedes-Händler bleiben.

Inhaber ist GC-Mitbesitzer

Der Firmenname Merbag steht für Mercedes-Benz Automobil AG. Der Stuttgarter Autohersteller besitzt aber entgegen der weit verbreiteten Annahme keine Anteile am eigenständigen Unternehmen, das der Zürcher Familie Stüber gehört. Bis in den Achtzigerjahren war Merbag zwar auch Mercedes-Importeur, doch dann übernahm der deutsche Hersteller den Import selber. Seitdem ist Merbag reiner Händler.

Anfang Juli übernimmt die nächste Generation bei Merbag das Steuer: Karin Stüber wird als Verwaltungsratspräsidentin auf ihren Vater Peter folgen; der bald 80-Jährige ist auch Mitbesitzer des in Turbulenzen geratenen Fussballclubs GC. Mit der Stabsübergabe innerhalb der Familie habe der geplante Verkauf der sechs Filialen nichts zu tun, sagt Dali.


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