Medtech-Firma Fresenius Kabi zieht mit 120 Angestellten nach Kriens

WIRTSCHAFT ⋅ Im Februar 2020 bezieht das Medizintechnikunternehmen Fresenius Kabi mit 120 Angestellten einen neuen Sitz im Mattenhof. Am bisherigen Standort in Oberdorf baut dafür die Schwesterfirma aus.

22. März 2019, 07:46

Maurizio Minetti


Seit Anfang der Siebzigerjahre hat die Fresenius Kabi Schweiz AG ihren Sitz im Kanton Nidwalden. Nun zieht das Medtech-Unternehmen weg. «Wir haben uns entschieden, den Sitz nach Luzern Süd zu verlegen», bestätigt Geschäftsführer Dieter Hubmann auf Anfrage unserer Zeitung. Die Eröffnung der neuen Niederlassung im Krienser Mattenhof ist für Februar 2020 geplant. Vom Umzug betroffen sind rund 120 Angestellte am aktuellen Sitz in Oberdorf, wobei rund die Hälfte davon im Aussendienst oder im Lager tätig sind.

Die 60 Personen, die heute fix in Oberdorf arbeiten, wohnen mehrheitlich in der Zentralschweiz. Hubmann ist deshalb überzeugt, dass aufgrund der Nähe zu Kriens die Angestellten nicht umziehen müssen. Gleichzeitig zügelt Fresenius Kabi die beiden Lager in Stansstad nach Altishofen zum Logistiker Galliker. Das Unternehmen begründet den Wegzug mit Platzmangel. In Oberdorf ist Fresenius Kabi Untermieterin der Schwestergesellschaft Fresenius Medical Care. «Unsere Schwesterfirma wächst ebenfalls stark und benötigt darum jenen Platz im dritten Stock, den wir heute besetzen», erklärt Hubmann. Deshalb habe man vor rund 18 Monaten mit der Evaluation eines neuen Standortes in der Zentralschweiz begonnen. Am Ende waren noch zwei Standorte im Rennen: Stans Süd und Luzern Süd. Warum hat man sich für Luzern entschieden? Ausschlaggebend sei die Kombination aus drei Faktoren gewesen, sagt Hubmann: Verfügbarkeit der Liegenschaft, Mietpreis und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Die steuerliche Belastung sei vergleichbar und habe daher beim Entscheid keine grosse Rolle gespielt.

Bis zu 30 zusätzliche Jobs in Kriens

Hubmann betont, dass sich Wirtschaftsförderung und Regierung des Kantons Nidwalden stark für einen Verbleib eingesetzt haben. Luzern habe in diesem Fall aber einfach die besseren Karten gehabt. Auf Luzerner Seite habe sich insbesondere auch FDP-Ständerat Damian Müller um die Firma bemüht. «Ausserdem wird unsere Schwestergesellschaft weiterhin in Oberdorf bleiben und dort wachsen», sagt Hubmann. Die Schwestergesellschaft Fresenius Medical Care beschäftigt rund 60 Personen, davon knapp 40 fix in Oberdorf. Auch Fresenius Kabi selbst hat Wachstumspläne. «Wir gehen davon aus, dass wir mittelfristig in Kriens bis zu 30 weitere Stellen schaffen können», sagt Hubmann.

Die beiden Unternehmen gehören zum börsenkotierten deutschen Fresenius-Konzern. Fresenius Kabi entwickelt und vertreibt intravenös zu verabreichende generische Arzneimittel, Infusionstherapien, klinische Ernährung sowie Medizinaltechnik und Biosimilars. Fresenius Medical Care entwickelt Dialysegeräte und -lösungen. Beide Schweizer Schwesterfirmen sind Importgesellschaften ohne Produktion in der Schweiz.

Ivan Buck, Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern, konnte erst vor kurzem die Ansiedlung von Adidas in Luzern verkünden. Nun sagt er: «Wir freuen uns sehr, mit Fresenius Kabi eine bedeutende Unternehmung in Kriens Mattenhof ansiedeln zu können. Dies zeigt die Standortattraktivität des Entwicklungsschwerpunktes Luzern Süd insbesondere mit der guten Erschliessung durch die Zentralbahn bestens auf.»

Bedauern in Nidwalden

In Nidwalden nimmt man den Wegzug von Fresenius Kabi mit Bedauern zur Kenntnis. Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger sagt: «Es tut immer weh, wenn Arbeitsplätze verschwinden, aber wir müssen den Entscheid akzeptieren. Wir haben uns stark um einen Verbleib des Unternehmens im Kanton bemüht.» Für Nidwalden erfreulich sei, dass die Schwestergesellschaft Fresenius Medical Care in Oberdorf bleibt und dort ausbauen will.

Den letzten grösseren Aderlass musste Nidwalden vor zwei Jahren verkraften, als der Marktforscher GfK das Telefonlabor in Hergiswil mit knapp 80 Angestellten schloss. Auf der anderen Seite wurden im Kanton Nidwalden in den letzten Jahren mit dem Ausbau bei den Pilatus-Flugzeugwerken und der Eröffnung des Bürgenstock Resorts mehrere hundert neue Arbeitsplätze geschaffen.


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