Luzerner Kantonalbank schreibt Rekordgewinn – und schafft die Ränge ab

WIRTSCHAFT ⋅ Der Konzerngewinn der LUKB stieg letztes Jahr um 2,9 Prozent auf 210,9 Millionen Franken. Der Kanton Luzern erhält insgesamt über 80 Millionen Franken. Im Umgang mit den Negativzinsen ist die Bank «wachsamer», wie CEO Daniel Salzmann sagt.

02. Februar 2021, 07:11

Maurizio Minetti

Maurizio Minetti

Letztes Jahr haben die meisten Banken ihre Gewinne ausgebaut – trotz Coronapandemie. Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) ist dabei keine Ausnahme: Alle wichtigen Kennzahlen zeigen nach oben; die Staatsbank hat das beste Jahresergebnis ihrer Geschichte abgeschlossen, wie die am Dienstag veröffentlichten Zahlen zeigen. Der Konzerngewinn stieg um 2,9 Prozent auf 210,9 Millionen Franken. Im wichtigsten Geschäftspfeiler, dem Zinsengeschäft, konnte die Bank den Nettoerfolg um 4,9 Prozent auf 365,8 Millionen Franken steigern. Auch das Ergebnis aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie den Handelserfolg konnte die LUKB erhöhen. «Ein solches Ergebnis konnte noch Anfang 2020 nicht erwartet werden», sagte CEO Daniel Salzmann am Dienstag an einer Videokonferenz.

Die Bank hat letztes Jahr die Wertberichtigungen für Kredit-Ausfallrisiken auf 17,8 Millionen Franken erhöht – das entspricht fast einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Im historischen Vergleich sei der Wert allerdings noch immer tief, sagte Finanzchef Marcel Hurschler an der Medienkonferenz. Er sprach von einer «erwarteten moderaten Steigerung des Wertberichtigungsbedarfs». Trotz der aktuell unsicheren Ausgangslage in einzelnen Branchen präsentiere sich das Kreditportfolio der Bank unverändert «in einem sehr guten Zustand», so der Finanzchef.

Wie aus dem Zahlenkranz weiter hervorgeht, hat die Bank im Rahmen des Covid-19-Kreditprogramms des Bundes insgesamt 1700 Kredite im Umfang von rund 250 Millionen Franken vergeben. Ein lukratives Geschäft ist das aber nicht. CEO Salzmann hatte bereits anlässlich der Halbjahreszahlen im August 2020 im Interview mit unserer Zeitung gesagt, er rechne mit einer schwarzen Null, da der Aufwand für die Kreditvergabe enorm gewesen sei. Wie Salzmann am Dienstag ausführte, wurden 30 Millionen Franken bereits per Ende 2020 zurückbezahlt. Zusätzlich hat die LUKB 100 Millionen Franken als Liquiditätshilfe für KMU-Kunden vergeben. Diese Mittel seien sehr schnell ausgeschöpft gewesen, so Salzmann.

«Wachsamer» zeigt sich die Bank im Umgang mit den Negativzinsen, wie Salzmann sagte. Im Gegensatz zu anderen Finanzinstituten gibt es bei der LUKB aber weiterhin keine feste Grenze, die automatisch Gebühren für parkiertes Kapital auslöst. Man gehe jetzt aber rigider vor, wenn jemand die Bank als Parkplatz für Liquidität benutzen wolle, so Salzmann. Finanzchef Hurschler sagte, man habe bis dato mit tausend Grosskunden entsprechende Liquiditätsvereinbarungen abgeschlossen, aber nur die Hälfte bezahle tatsächlich Gebühren. Diese 500 Kunden entsprächen 0,2 Prozent aller Kunden. Zwar gehe man davon aus, dass sich diese Zahl in Zukunft weiter erhöhen werde, doch rechnet er damit, dass über 95 Prozent der Kunden auch längerfristig von Negativzinsen verschont bleiben dürften.

Das Rangsystem gibt es bald nicht mehr

Bereits Anfang November hatte die LUKB über die neue Strategieperiode informiert, die Anfang dieses Jahres begonnen hat und bis 2025 gilt. Der kumulierte Unternehmensgewinn in dieser Periode soll über eine Milliarde Franken betragen. Zum Vergleich: In der Ende 2020 abgeschlossenen Fünfjahresperiode rechnete die LUKB ursprünglich mit einem kumulierten Unternehmensgewinn von 950 Millionen Franken – erreichte aber schliesslich die Milliardengrenze.

Wesentlicher Teil dieser Strategie ist der Ausbau der Onlineaktivitäten, während sich die Bedeutung der Filialen als Ort der Transaktion weiter verringern wird. Die Bank kündigte am Dienstag für dieses Jahr unter anderem die Lancierung einer neuen Smartphone-App und einer digitalen Vorsorgelösung an. Geschraubt wird auch an der Hierarchiestruktur: Die Bank schafft nämlich per Ende dieses Jahres die internen Ränge ab. Bislang werden bei der LUKB jedes Jahr Mitarbeitende befördert und erhalten einen Rang, der mit einem «Goodie» verbunden ist wie zum Beispiel einem Parkplatz oder Pauschalspesen.

Solche Rangsysteme wie im Militär gelten schon seit einigen Jahren als veraltet. Andere Banken, etwa die Urner Kantonalbank, haben die Ränge schon vor Jahren abgeschafft. Auch bei der LUKB wird es nun künftig weder Direktoren noch Handlungsbevollmächtigte oder Prokuristen mehr geben, stattdessen orientieren sich die Benefits an Funktionen. Und auch in Bezug auf die Zusammenarbeit erwartet die LUKB Fortschritte: «Es wird immer wichtiger, dass man in agilen, interdisziplinären Gruppen zusammenarbeitet. Ränge sind für solche Arbeitsformen eher hinderlich», sagte Salzmann. Die Bank hatte bereits vor rund vier Jahren die Du-Kultur eingeführt und vor einem Jahr die Bekleidungsvorschriften flexibilisiert. Dazu gehörte die Abschaffung der Krawattenpflicht. Salzmann sagte, die Abschaffung der Ränge sei eine logische Folge.

Dividende von 12.50 Franken pro Aktie

Der LUKB-Verwaltungsrat beantragt nun an der Generalversammlung vom 19. April die Ausschüttung einer Dividende von 12.50 Franken pro LUKB-Namenaktie. Letztes Jahr gab es für die Aktionäre eine steuerbefreite Nennwertrückzahlung um 12.50 Franken pro Aktie. Mit der für dieses Jahr geplanten Dividende erhält der Hauptaktionär Kanton Luzern mit seiner Beteiligung von 61,5 Prozent 65,3 Millionen Franken. Zusammen mit der Abgeltung der Staatsgarantie von 8,2 Millionen Franken und den Kantonssteuern von 7,4 Millionen Franken bezahlt die LUKB dem Kanton Luzern für das Geschäftsjahr 2020 insgesamt über 80 Millionen Franken. In diesen Betrag nicht eingerechnet sind die Steuern, welche die LUKB als privatrechtliche Aktiengesellschaft auch auf Bundes- und Gemeindeebene entrichtet. Daniel Salzmann erinnerte daran, dass die GV 2021 aufgrund der Coronaschutzbestimmungen wie schon 2020 ohne physische Präsenz der Aktionärinnen und Aktionäre stattfinden werde.


Login